halb durften die Zolltarife nie so hoch angesetzt werden, dass sie verkehrshemmend wirkten. Im Jahre 1791 erfolgte die längst fällige Reorga- nisation des Zollwesens. Obwohl der Ausbau der Landstrasse bereits mehrere Jahre zuvor erfolgt war,277 waren die meisten Tarife immer noch nach dem Saum ausgerichtet. In den alten Zolltafeln fehlten zudem viele Warengattungen, andere wie- derum waren doppelt mit verschiedenen Tarifen aufgeführt.278 Die Zoller waren meist auch Gastwir- te, «was sich ebenfalls negativ auf den Zollertrag auswirkte, waren sie doch öfters gegenüber den Gästen zu Gefälhgkeiten in Zollsachen bereit».279 Bereits in einem Entwurf zu dieser neuen Zollord- nung wurde gefordert, die Zollstube vom Wirtshaus zu trennen.280 Die Reform des Zollwesens brachte eine neue, noch differenziertere Tariftabelle und der Hauptzoller wurde zur Führung eines «Tage- buchs» verpflichtet. Die beiden Weggeldeinnehmer in Balzers und in Schaanwald waren ab 1792 zu- gleich «Wehrzoller» und sie hatten in dieser Funk- tion diejenigen Waren zu kontrollieren, die nicht durch den Vaduzer Hauptzoll hindurch gingen.281 Besonders wichtig war die Einführung der Zollpoli- cen. Jedem Fuhrmann wurde beim Betreten des Landes ein solcher Schein ausgestellt, der Auskunft über die Art der verzollten Waren gab. Ebenso wurde der Name des Fuhrmanns, das Datum des Durchtransports sowie die zu entrichtende Gebühr vermerkt. Dieser Zollschein war eine Art Transit- visum, das beim Zollamt in Vaduz vorgelegt und beim Verlassen des Landes an einer Grenzzollsta- tion wieder abgegeben werden musste.282 Als nach Auflösung des Deutschen Reichs Liech- tenstein im Jahre 1806 ein souveräner Staat wur- de, waren die Voraussetzungen für Änderungen im Zollwesen erneut gegeben.283 1 8 08 wurden im Rah- men einer neuen Zollordnung die Tarife leicht an- gehoben.284 Ebenso wurden in Schaanwald und in Schaan neue Grenzzölle eingerichtet. Der Schaaner Zoll sollte die über die Rheinfähre nach Burgerau gehenden Waren erfassen.285 Mit der Errichtung neuer Grenzzölle folgte Liechtenstein mit Verspä- tung einem Trend, der anderswo schon früher ein- gesetzt hatte: Luzern beispielsweise hatte bereits 
1765 eine Zollrevision angeordnet, wodurch die Kontrollen verschärft und innert 15 Tagen viele neue Zollstationen errichtet wurden.286 Nicht nur die eigene Preispolitik im Zollwesen, sondern auch die Tarifpolitik der unmittelbaren Nachbarschaft hatte einen starken Einfluss auf den Gütertransitverkehr. Besonders nachteilig für Liechtenstein waren die Jahre 1806 bis 1814, als Vorarlberg zum bayerischen Zollverband gehörte. Die bayerischen Zolltarife waren nämlich um ein Vielfaches höher als die liechtensteinischen Ge- bühren.287 Dies beeinträchtigte den Grenzverkehr zwischen Liechtenstein und Vorarlberg. Gemäss der im Anhang (auf S. 151 f.) wiedergegebenen Liste der Weggeldeinnahmen war beispielsweise zwischen 1809 und 1812 der Grenzverkehr mit Graubünden intensiver als mit Vorarlberg. Zu den konjunkturellen Schwankungen der Zoll- und Weggeldeinnahmen können folgende Bemer- kungen angebracht werden: Ein Krisen- oder Hun- gerjahr hemmte den Warenverkehr normalerweise nicht, sondern verschaffte diesem eher noch Auf- trieb. (Schliesslich musste die hungernde Bevölke- rung von aussen her mit Nahrungsmitteln versorgt werden.) Folglich sind in solchen Jahren die Zoll- einnahmen eher noch höher als normal. Ein Blick auf die Jahre 1771/72 und 1816/17 bestätigt dies.288 (Für den Anstieg der Zolleinnahmen 1771/ 72 muss allerdings ins Feld geführt werden, dass kurz zuvor die ersten Schritte zum Ausbau der Transitstrasse gemacht wurden.) Seuchen und kriegerische Auseinandersetzungen bewirkten in- dessen ein Absinken der Zoll- und Weggeldeinnah- men. Das war in den Jahren 1796 (Viehseuche in Vorarlberg und Liechtenstein289) und noch weitaus stärker 1799 und 1800 (Truppendurchmärsche, Krieg) der Fall. Die Fertigstellung der liechtenstei- nischen Landstrasse um 1780 hatte hingegen eine belebende Wirkung auf den Güterverkehr, was sich auch in höheren Zolleinnahmen niederschlug.290 54
        

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