Vaduzer Urbar von 1617176 wies darauf hin, dass bei der Rheinfähre bei Balzers jeweils im Winter eine Brücke über den Fluss errichtet wurde.177 Im 18. Jahrhundert gab es zwei Versuche, eine trag- fähige Brücke über den Rhein zu bauen. In beiden Fällen zeigte es sich, dass der Bau von Brücken nicht nur ein technisches, sondern auch ein politi- sches Problem war. Im Zuge ihres Aufstandes ge- gen die Glarner Herrschaft versuchten die rebellie- renden Werdenberger im Jahre 1721, bei Trüb- bach eine Brücke über den Rhein zu schlagen. Sie sollte den Aufständischen allenfalls auch als Fluchtweg dienen.178 Auf obrigkeitlichen Befehl - gegen die Werdenberger stellten sich nicht nur die Glarner, sondern auch der Fürst von Liechtenstein und sogar der Kaiser - musste der bereits begon- nene Brückenbau wieder zerstört werden.179 Eine weitere Initiative zum Bau einer Rheinbrücke bei Triesen im Jahre 1759 wurde vom Sarganser Landvogt Joseph Benedikt von Schorno erfolgreich bekämpft.180 Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war es hinge- gen den liechtensteinischen und österreichischen Amtsstellen vorbehalten, ein neues Brückenprojekt bei Balzers wohlwollend zu prüfen. Im Januar 1789 teilte das Vogteiamt Feldkirch dem Oberamt in Vaduz mit, dass es von der Regierung in Inns- bruck den Auftrag erhalten hatte, sich betreffend einer geplanten Rheinbrücke mit den Behörden in Vaduz in Verbindung zu setzen.181 Das Oberamt be- richtete kurz darauf dem Fürsten in Wien, dass die Realisierung dieser Brückenverbindung den liech- tensteinischen Untertanen von grossem Nutzen sein würde.182 In einem Antwortschreiben liess die Hofkanzlei mitteilen, der Fürst sei «nicht abge- neigt», den Bau einer Rheinbrücke bei Balzers zu unterstützen, er wolle aber, dass zuerst ein ge- nauer Kostenvoranschlag für den Bau und den jährlichen Unterhalt der Brücke erstellt werde.183 Darauf hin herrschte eine Zeitlang «Funkstille». Zwei Jahre später, im Jahre 1791, legte das Ober- amt dem Fürsten erneut eine Stellungnahme vor, die eine Brücke über den Rhein in der Gegend von Balzers befürwortete. Im besonderen wurde darauf hingewiesen, dass die Handelsroute Triest-Fiu-me-Venedig-Arlberg-Zürich 
durch diese Brücken- verbindung an Bedeutung gewinnen würde. Dies hätte auch positive Auswirkungen für Liechten- stein.184 Die Hofkanzlei wies in ihrem Antwort- schreiben darauf hin, dass Vorarlberg ebenso an der Errichtung einer solchen Brücke interessiert sei und die vorarlbergischen Stände sich auch schon dazu Gedanken gemacht hätten.185 Vorerst geschah jedoch nichts, was auf die tatsächliche Inangriffnahme dieses Brückenbaues hingedeutet hätte. Der Wunsch nach einer dauer- haften und zuverlässigen Verkehrverbindung über den Rhein blieb natürlich bestehen, besonders weil im Fährwesen immer Probleme und Konflikte auf- tauchten. Ein Beispiel mag dies illustrieren: Es handelt sich um eine Konfliktsituation bei der Fäh- re Trübbach-Balzers, die in einem an den Sargan- ser Landvogt gerichteten Schreiben des Oberamts Vaduz eindringlich dargelegt ist. Die folgende Dar- stellung stützt sich weitgehend auf dieses oberamt- liche Schreiben aus dem Jahre 1792.186 Der Kornhändler Baptist Kienz aus Lauterach beklagte sich im September (1792) darüber, dass mehrere Fuhren Früchte, welche die Balzner Fuhr- leute für die Überfahrt nach Trübbach bis ans Rheinufer hätten transportieren sollen, mehrere Tage im Freien liegen gelassen worden waren. Die Güter waren folglich jedem Wind und Wetter aus- gesetzt und wurden so gänzlich ruiniert. Baptist Kienz stellte als Eigentümer dieser Waren beim Oberamt in Vaduz eine Forderung nach Schadener- satz für den erlittenen Verlust. Das Oberamt bemühte sich sogleich um eine Klärung dieser Angelegenheit: «Und da man hier immer beeiferet ist, Klagen dieser Art un verzüg- lich abzuhelfen; So sind der Hausmeister und die Vorgesetzten zu Balzers alsogleich einberufen wor- den [, um] sich über diese Klag standhaft zu Ver- antworten».187 Die Vorgesetzten der Gemeinde Balzers gaben zu Protokoll, dass der unklare Grenzverlauf beim Rhein Schwierigkeiten mache. Es gäbe so auch keine klaren Richtlinien, wo sie die Güter für den Weitertransport durch die Trübbacher Fährleute abladen müssten. (Objektiv gesehen war es natür- 40
        

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