DAS ROD- UND FUHRWESEN IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / KLAUS BIEDERMANN Göfis und weiter nach Rankweil. Brücken über die III sind aus der Römerzeit keine überliefert. Aber dieser Fluss erwies sich nicht als unüberwindbares Hindernis: Das nicht eingedämmte Flussbett der III hatte im Walgau manchmal eine Breite von über hundert Metern. Die deswegen geringe Wassertiefe ermöglichte die Überquerung des Flusses zu Fuss oder mit einem Wagen - zumindest in der wasser- armen Zeit zwischen Herbst und Frühjahr. Eine um 1499 anlässlich der Schlacht bei Frastanz erwähn- te Iiibrücke zwischen Frastanz und Göfis, die soge- nannte «Schildriederbrücke», stellte eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen dem Walgau und dem Rheintal her.42 Die rechtsrheinische Handelsstrasse zwischen dem Bodensee und Chur wird in den Quellen oft auch «deutsche Strasse» genannt.43 Diese Route ging im Mittelalter und in der frühen Neuzeit nicht mehr über Bregenz, sondern direkt von Fussach über Lustenau, Altach (Bauern), Götzis, Altenstadt, Feldkirch, Vaduz und Maienfeld weiter bis Chur44 (vgl. auch Karte auf S. 25). Ein besonderes Augen- merk verdient die verkehrstechnische Position des Ortes Fussach am Bodensee. Die Grafen von Mont- fort-Feldkirch erwarben durch einen Teilungsver- trag im Jahre 1338 die Ortschaften Fussach, Höchst und Gaissau.45 Fussach gewann in der Fol- ge zunehmende Bedeutung als Zollstation. Im Nord- Süd-Verkehr wurden zahlreiche Güter mit dem Schiff von Lindau über den Bodensee nach Fussach transportiert. Dies war billiger als der Landtrans- port über Bregenz.46 Die beiden grössten Flüsse, welche die «deut- sche Strasse» zu überqueren hatte, waren die III und die Landquart. Der Weiler Heiligkreuz bei Feldkirch wurde erstmals im rätischen Reichs- urbar um 842/43 als Brückenkopf erwähnt.47 Die Passage über die Landquart änderte im Laufe der Zeit ihre Position: Die alte Route über die Schloss- brücke im Felsenbach (am Eingang ins Prättigau) wurde im 14. oder im 15. Jahrhundert, als eine direkte Strasse von Maienfeld nach Igis gebaut wurde, aufgegeben.48 Sowohl in der Region Feldkirch wie auch in der Bündner Herrschaft gab es auch bedeutende Weg-gabelungen, 
die beide ihre Position in der frühen Neuzeit änderten. Bei Feldkirch trafen die Nord- Süd-Achse und die Ost-West-Arlbergroute aufein- ander. Die Iiischlucht bei Feldkirch verhinderte lange Zeit eine direkte Wegstrecke in Richtung Osten. So musste bis ins 16. Jahrhundert der von 28) Poeschel. Liechtenstein. S. 1. 29) Strabo (Strabon), lebte von 64 oder 63 v. Chr. bis etwa 23 n. Chr.; Student der Rhetorik und der Philosophie. Um 44 v. Chr. erster Aufenthalt in Rom; verschiedene grosse Reisen. Seine Berichte sind eine Hauptquelle für unsere Kenntnisse der antiken Welt. 30) Poeschel, Liechtenstein, S. 1. - Das Zitat ist eine Übersetzung aus dem griechischen Originaltext. 31) Vgl. auch: Schindler, Verkehr und Strassen in römischer und frühmittelalterlicher Zeit, S. 22. 32) Malin. Kunstführer, S. 14 und Poeschel, Liechtenstein, S. 1. - Poeschel vermutete, dass «Magia» mit Maienfeld identisch sein könnte, während die neuere Darstellung von Malin dazu neigt. «Magia» mit Balzers gleich zu setzen. 33) Poeschel. Liechtenstein, S. 1. 34) Ebenda. Da schriftliche Hinweise fehlen, sind wir auf Spekula- tionen angewiesen. 35) Ebenda. 36) Malin, Kunstführer, S. 14 und Bilgeri, Geschichte Vorarlbergs. Bd. 1. S. 27. - Bilgeri erwähnt für den Raum Vorarlberg noch zusätzlich Gutshöfe in Bredens und in Satteins. 37) Die Bedeutung des Schaaner Kastells wird unterstrichen bei Schindler, Verkehr und Strassen in römischer und frühmittelalter- licher Zeit, S. 24: «Militärische Anlagen zur Sicherung der Verkehrs- wege und der Zugänge zu den Alpen kennen wir erst aus der Spätantike. Die wichtigsten waren die Kastelle von Bregenz. Schaan und Chur.» 38) Siehe auch weiter unten auf S. 19. 39) Ackermann, Rhein in Altertum und Mittelalter S. 20 f. 40) Schindler, Verkehr und Strassen in römischer und frühmittel- alterlicher Zeit, S. 25. 41) Die folgenden Angaben stützen sich auf Gamon, Verkehrs- geschichte Walgau, S. 6 ff. 42) Gamon. Verkehrsgeschichte Walgau, S. 8. 43) Poeschel. Graubünden Bd. 2. S. 1. 44) Ebenda, sowie Frey. Kunstdenkmäler Feldkirch, S. 31. 45) Frey, Kunstdenkmäler Feldkirch. S. 31. 46) Ebenda. 47) Angabe nach: Lins, Geschichte Tisis, S. 9 f. 48) Donatsch, Malans, S. 15. 19
        

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