REZENSIONEN DIE SCHWABENGÄNGERIN Die Schwabengängerin Am 6. Juni 1929 begann Regina Lampert, eine 1854 in Schnifis (Walgau) geborene Vorarlbergerin, in Zürich ihre Jugenderinnerungen in ein Heft zu schreiben. Diese «Erinnerungen», die im Jahre 1864 einsetzen, erzählen vom arbeitsreichen Le- ben eines Mädchens im zweiten Lebensjahrzehnt. Regina Lampert war eine Schwabengängerin, seit sie im Alter von zehn Jahren erstmals an einen schwäbischen Bauern verdingt wurde. Aus Vorarlberg und Liechtenstein - wie auch aus der Schweiz, etwa Graubünden, Appenzell und Thurgau - wanderten bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts schulpflichtige Kinder nach Süd- deutschland oder in nahe gelegene Fabriken aus, 
REGINA LAMPERT: DIE SCHWABENGÄNGERIN. ERINNERUNGEN EINER JUNGEN MAGD AUS VORARLBERG 1864 BIS 1874. Hrsg. von Bernhard Tschofen. Limmat-Verlag, Zürich 1996, 3. Auflage 1997. (Das Volkskundliche Taschenbuch, Bd. 9). 440 Seiten, 20 Abbildun- gen, CHF 34.-. ISBN 3-85791-301-0 um für die Zeit zwischen März und November Arbeit zu finden oder schon vermittelte Arbeits- plätze aufzusuchen. Dazu waren sie meist durch die Armut in ihren Familien gezwungen. Oft - es gibt auch gegenteilige Beispiele - erlebten die Kin- der einen harten und freudlosen Dienst, mageren Lohn, Diskriminierung und Schläge. Staatlicher- seits wurde die Auswanderung der Kinder aus ihrer Heimat, soweit das Liechtenstein betraf, be- willigt, wenn der Ortsvorstand und der Ortspfarrer die saisonale Emigration aufgrund der materiellen Bedürftigkeit der Eltern anrieten. An sich ergriff die Behörde aber kaum Gegenmassnahmen. Liech- tensteinische Lehrer wandten sich 1842 gegen die Abwanderung der Kinder, weil diese den Schulun- terricht (Sommerschule) versäumten. Fürst Alois II. verbot die saisonale Auswanderung schulpflich- tiger Kinder, das Verbot wurde jedoch nicht gänz- lich durchgesetzt. Die Eltern Regina Lamperts, Johann Anton Lam- pert und Augustina Rauch, die in Schnifis lebten und zusammen sieben Kinder hatten, waren arm. Als Nagler, Küfer (Kübler), Heimarbeiter und Klein- bauer beschäftigten sie sich mit allen möglichen Dingen, um die Familie über Wasser zu halten. In der Werkstatt wurde Küferware produziert und in der Stube fertigte man Spanschachteln für die Feld- kircher Apotheke. Die Kinder waren meist schon ab dem zehnten Lebensjahr von der Schule frei- gestellt für die Arbeit daheim oder in der Fremde. 229
        

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