fahrten und Auswanderung12. Diese Bewegungen erweiterten den geistigen Horizont und schufen ein neues Bedürfnis zu weiten Reisen.13 Der Neubau von Kathedralen und Stadtpfarrkirchen im Hoch- mittelalter erhöhte ebenfalls den Verkehr sowie die Warentransporte.14 Bereits alte germanische Volksrechte unterschie- den zwischen öffentlichen Strassen, die dem gros- sen Durchgangsverkehr dienten, und den lokalen Verkehrswegen.15 Die mittelalterliche Bezeichnung «Königsstrassen» weist darauf hin, dass der Mo- narch als Eigentümer der Hauptverkehrswege über diese frei verfügen konnte.16 Der König war für den Unterhalt der Strassen besorgt, er erhob für die Strassenbenützung Gebühren,17 und er bot die Untertanen zum Strassen- und Brückenbau auf. Im Gegenzug standen die Strassenbenützer/innen unter besonderem königlichen Schutz.18 Infolge Schwächung der zentralen königlichen Macht gin- gen indes ab dem 13. Jahrhundert immer mehr Königsrechte auf (lokale) weltliche und geistliche Fürsten über. Diese gewannen folglich auch die territoriale Hoheit über das Strassenwesen.19 Das langsame Heranwachsen von lokalen, poli- tisch und wirtschaftlich autonomen Gemeinschaf- ten machte das Rodwesen erst möglich. Eine Dorf- gemeinschaft, ein Bezirk oder ein Tal war meist be- strebt, sich für das durch ihr Territorium führende Teilstück einer «Königsstrasse» das ausschliessli- che Transportrecht zu sichern.20 Mit der Ausübung dieses Rechtes war aber auch die Pflicht verbun- den, für den Bau und Unterhalt des auf ihrem Ge- biet liegenden Strassenstücks zu sorgen. Nachbar- schaftliche Konflikte waren so vorprogrammiert: Was geschah zum Beispiel, wenn eine bestimmte Transitstrasse in einem Teilgebiet sehr gut gepflegt, im benachbarten Bezirk aber nur mangelhaft (oder gar nicht) unterhalten wurde? Die Vernachlässi- gung der Strassenunterhaltspflicht bewirkte eine Lahmlegung des Durchgangsverkehrs, von der alle Dorfgemeinschaften gleichermassen betroffen wa- ren. (Gerade auch für Transitstrassen galt das Sprichwort, dass eine Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied!) Die Impulse zur Instandhal- tung eines Transitweges kamen meist von aussen. 
So wurden viele Alpenpässe erst auf Initiative ein- flussreicher Kaufleute für den Warenverkehr er- schlossen und dementsprechend ausgebaut.21 Die Erhaltung (und gegebenenfalls ein Ausbau) einer Durchgangsstrasse musste (damals) natur- gemäss auch im Interesse der an der betreffenden Route liegenden Dörfer liegen. Je grösser das Han- dels- und Verkehrsvolumen, umso eher gab es für die ansässige Bevölkerung zusätzliche Verdienst- möglichkeiten. Für Landwirte, die sich Last- und Zugtiere leisten konnten, bestand die Möglichkeit, sich als Säumer und Fuhrleute einen guten Neben- verdienst zu erwirtschaften. Das Rodwesen ging dabei vom Prinzip aus, dass diejenigen Landwirte eines Dorfes (Bezirks), welche für den Transitver- kehr Transporte übernahmen, der Rod (= Reihe) nach22 zu dieser Tätigkeit aufgeboten wurden. In einem bestimmten Zeitraum (zum Beispiel einem Jahr) konnte jeder nur einmal für solche Transpor- te aufgeboten werden. Eine speziell dafür einge- setzte Amtsperson23 rief die Säumer und Fuhrleute zum Warentransport auf und zahlte diesen nach geleisteter Arbeit auch den Lohn aus. Derselbe Be- amte beaufsichtigte in der Regel auch das Lager- haus,24 wo die Transporteure die Waren abholen mussten. Die in der Rod aufgebotenen Säumer und Fuhrleute transportierten die ihnen anvertrauten Waren bis zum nächsten Lagerhaus. Die Distanz zwischen zwei Lagerhäusern markierte dabei den Umfang einer Etappe im Rodverkehr. Das bedeutet, dass ein Lagerhaus zugleich die Grenze zwischen zwei Rodbezirken darstellte. - Neben einzelnen Säumern und Fuhrleuten waren es besonders die an einer Transitroute gelegenen Wirtshäuser, die vom Durchgangsverkehr profitierten.25 Verschiedene Alpenübergänge standen in einem Konkurrenzverhältnis zueinander. Je nach Zustand des Weges war die eine Route attraktiver als die andere und zog folglich den Verkehr auf sich. Spe- ziell der Ausbau des Gotthardpasses im 13. Jahr- hundert hatte Auswirkungen auf die Bündner Päs- se. Im Gegenzug veranlasste der Bischof von Chur im Jahre 1337, dass über den Septimerpass eine neue Strasse errichtet wurde.26 Für gewisse inter- nationale Routen blieben allerdings der Gotthard 14
        

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