DAS ROD- UND FUHRWESEN IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / KLAUS BIEDERMANN Einleitung Gute Verkehrsverbindungen zu Wasser und zu Land bildeten seit jeher eine wichtige Vorausset- zung für den Austausch von wirtschaftlichen und kulturellen Gütern aller Art. Das gut ausgebaute Netz der Römerstrassen leistete hier in weiten Tei- len Europas bis weit ins Mittelalter einen bedeuten- den Beitrag, gerade auch im Sinne von Völkerver- bindung und Kulturvermittlung. Hand in Hand mit der Entfaltung des Städtewesens erfolgte im Mittel- alter der Ausbau von Handelswegen und Alpen- übergängen.4 Zuerst jedoch hatte sich mit dem Zerfall des Römischen Imperiums auch das Verkehrswesen zurückgebildet. Im Laufe des dritten und vierten Jahrhunderts war die Geldwirtschaft stark zurück- gegangen und die einstige Naturalwirtschaft hatte wieder ihre ursprüngliche Dominanz zurückge- wonnen.5 Die späteren Staatsgebilde der Merowin- ger und Karolinger benutzten den Land- und Nach- richtenverkehr in erster Linie zur Aufrechterhal- tung und Festigung ihrer politischen Macht. Dabei griffen sie weitgehend auf die bestehenden, aus der Römerzeit stammenden Strassen zurück.6 Eine Wende setzte jedoch ab dem 11. Jahrhun- dert ein. Durch Neuerungen in der Landwirtschaft wie der endgültigen Durchsetzung der seit der Karolingerzeit bezeugten Dreifelderwirtschaft ver- suchte man, dem seit 950 zuerst in Italien, später auch in Mittel- und Nordeuropa einsetzenden star- ken Bevölkerungswachstum Herr zu werden.' Bei der Dreifelderwirtschaft, die neu zwei Ernten pro Jahr ermöglichte, teilte man den Acker in folgende drei Teile auf: Es gab fortan ein Winterfeld, ein Sommerfeld sowie ein brach liegendes Gebiet. Im Frühjahr galt es, das Sommerfeld zu bestellen, und im Herbst musste das Winterfeld für die Einsaat vorbereitet werden. Die Ernte erfolgte auf dem Winterfeld nun im Juli, auf dem Sommerfeld etwas später im August oder im September. Das brach liegende Feld konnte zu einer Zeit gepflügt werden, in der auf den beiden anderen Feldern keine drin- genden Arbeiten zu verrichten waren. Die Tätigkeit des Pflügens, Säens und Erntens wurden so gleich- mässig auf das ganze Jahr verteilt. Dies «verbes- serte ... die bäuerliche Arbeitseffektivität».8 Der 
vermehrte Anbau von Llafer liess auch eine intensi- vere Pferdehaltung zu. Das kam einerseits wieder- um der Landwirtschaft zugute (da Pferde auch als Pflugvorspann eingesetzt wurden), andererseits wuchs damit wohl auch die Anzahl der Pferdefuhr- werke.9 Diese anbautechnischen Neuerungen in der Landwirtschaft hatten «eine belebende Wir- kung auf das Verkehrswesen»10 und beschleunig- ten im hohen Mittelalter das Entstehen von Markt- orten, aus denen wiederum die Städte als Zentren von Handel und Handwerk hervorgingen. Das zunehmende Verkehrsaufkommen im Hoch- mittelalter stand auch in einem Zusammenhang mit dem Aufblühen des Wallfahrts- und Pilgerwe- sens. Das wachsende Unterwegssein vom 11. bis ins 13. Jahrhundert ist dokumentiert durch diverse Migrationsbewegungen wie Kreuzzüge11, Pilger- 4) Wicki, Luzern im 18. Jahrhundert, S. 464. 5) Rehbein. Geschichte Verkehrswesen, S. 119. 6) Ebenda, S. 119 f.: Strassen-Neubauten waren im frühen Mittel- alter selten und technisch den Römerstrassen deutlich unterlegen. Es wurden beispielsweise zur Errichtung von Verkehrswegen Erdwälle aufgeschüttet. Erst Karl der Grosse Hess Heeresstrassen mit in Kalk gebetteten Steinen pflastern. 7) Büssem/Neher, Geschichte Mittelalter, S. 139 f. und Rehbein, Geschichte Verkehrswesen. S. 129. - Büssem/Neher weisen darauf hin. dass das starke Bevölkerungswachstum Europas durch ein sehr mildes Klima, das bis um 1300 andauerte, noch zusätzlich begün- stigt wurde. Die grösste Bevölkerungszunahme erfolgte zwischen 1150 und 1300. Grosse Handelszentren wie Köln, London, Paris oder Prag hatten erstmals über .30 000 Einwohner/innen. 8) Rösener, Agrarische Revolution, S. 199. - Das neue Dreifelder- system verringerte zudem die Gefahr von Hungersnöten. So konnte zum Beispiel eine Missernte beim Wintergetreide durch eine gute Ernte bei der Sommerfrucht ausgeglichen werden. 9) Ebenda. S. 196 u. 198. 10) Rehbein, Geschichte Verkehrswesen. S. 129. 11) Im Jahre 1095 hatte Papst Urban II. auf dem Konzil von Piacenza zum ersten Kreuzzug aufgerufen. Ziel dieses Befreiungs- krieges war die Befreiung Jerusalems sowie der östlichen Christen- heit vom islamischen Joch. Im Jahre 1099 erfolgte die Erstürmung von Jerusalem, doch schon einige Jahrzehnte später wurden sowohl Jerusalem als auch die meisten Teile des Heiligen Landes wieder von den Moslems zurückerobert. So folgten im 12. und 13. Jahrhundert weitere Aufrufe zum Kreuzzug. Die Kreuzzugsidee blieb lange Zeit populär. Vgl. Lexikon des Mittelalters, Band V. Sp. 1508-1514. 13
        

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