verfertiget, und erwarte am Samstag den Saldo, wo ich sodann die vollen zwey tausend Gulden in klingenden Sorten dem Andrea Marxer auszahlen werde. Ich werde also, sollte wohlselbes mir diese Frist nicht gnädigst schenken wollen, so werde ich heute noch die summarische Rechnung gesagten Küenzes ausfertigen, sollte ich jemahls ein wöhl- lobliches Gnädiges Oberamth beleidiget haben, so bet ich um Vergebung, und beherzige selbe nur, dass all Geschehenes sicher nicht meine Schuld ist. In drei) Wochen von heute an soll Liquidität seyn, und. was ich an Frachten schuldig bin[,] so wohl unterer als oberer Herrschaft bezahlt werden nach untersuchten Rechnungen und hinkünftig nach obervogteiamtlicher Anweisung, und. gnädi- gen Befehlen monatlich an den Haussmeister in Schaan abführen.692 Doch den grossen Worten folgten - wie sich im fol- genden Jahr zeigte - nur kleine Taten. Im Februar 1795 lud zwar Faktor Bachmann den Nendler Wirt und Rodmeister nach Feldkirch, wo dieser die Fuhrlohngelder entgegen nehmen sollte.693 Der Feldkircher Faktor leistete im selben Monat offen- bar tatsächlich in zwei Raten die schuldige Geld- zahlung von 2 057 Gulden.694 (Das Oberamt ver- sprach den Feldkircher Behörden, im Gegenzug dafür zu sorgen, dass die Schellenberger Unterta- nen ihre Fuhrlöhne künftig rechtzeitig und regel- mässig einforderten.695) Aber bereits ab April 1795 gingen wieder Klagen ein über das Ausbleiben von Fuhrlohnzahlungen ,696 Der Feldkircher Faktor hatte inzwischen auch auf ein anderes Mittel zurückgegriffen, um den Un- terländer Fuhrleuten den Verdienst im Fuhrwesen wegzunehmen. Laut einem oberamtlichen Bericht vom März 1794 liess er «den ganzen Winter durch» überhaupt keine Waren mehr dem Rodver- kehr zukommen.697 Zuerst hatte das Oberamt noch den Feldkircher Faktor an die geltende Rodord- nung erinnert. Als das nichts nützte, gestattete Va- duz wiederum das Abladen rodwidriger Fuhren. Das Unterland ging in Eigenregie noch einen Schritt weiter, errichtete einen Schlagbaum in Nen- deln und zwang 
damit alle Fuhrwerke, dort anzu-halten.698 
Das Oberamt hielt in einem Bericht an den Fürsten dazu fest: «... Die Beschwerden der Unterthanen sind ge- gründet, dieses und die Entschlossenheit, oder vielmehr die Verbitterung, mit welcher uns selbe diesen Vortrag machten!,] bewog uns ... abzuwar- ten, was Seine Durchlaucht auf die Suplike ihrer Unterthanen gnädigst resolviren werden. ... Auf der anderen Seite ist das Feldkirchische Vog- teyamt wegen dem hiesigen Kornmarkt und der Sperr auch aufgebracht, und hat dieser Tagen [ein] Schreiben anher erlassen, worin es in einem Tone spricht, welcher höhere Unterstützung zu ver- rathen scheint, und in Gewaltthätigkeiten ausbre- chen könnte; die Übermacht ist ausser Zweifel und wenn man sich nur auf das arme Recht verlassen muss: so ist der Ausgang allzeit misslich ...»699 Die Unterländer Fuhrleute gelangten im Frühjahr 1794 mit einer Bittschrift an den Fürsten. Das Schreiben beginnt mit einer Schilderung der har- ten Lebensumstände. (Die Missernte des Jahres 1793 hatte das Los der hiesigen Landbevölkerung noch zusätzlich verschlimmert.) Dann folgt der Hinweis auf Streitigkeiten mit der österreichischen Nachbarschaft. Kopfzerbrechen bereitete den Un- terländern nicht nur das Fuhrwesen, sondern auch der ausgedehnte österreichische Grundbesitz in ih- rer Heimat. Gemäss der vorliegenden Unterländer Bittschrift besassen die Österreicher in der Herr- schaft Schellenberg Grund und Boden im Wert von über 4 000 Gulden, «von welchem uns die Steuer schon seit langen Jahren widerrechtlich entzogen worden ist».700 Allerdings seien es die Anstände im Rodwesen und insbesondere die ausbleibenden Fuhrlohnzahlungen, welche die Untertanen am härtesten trafen. - Die Herrschaft Schellenberg stellte hierbei fest, dass die Feldkircher 
Seite ver- tragsbrüchig geworden sei. Die Unterländer Fuhr- leute sahen sich folglich ebenfalls nicht mehr an die Rodordnung gebunden.701 Im Juni 1794 wandte sich die Fürstliche Hofkanzlei in dieser Angelegen- heit direkt an die Stadt Feldkirch und brachte diese mit den Machenschaften ihres Hausmeisters in Verbindung.702 Die Stadt Feldkirch lehnte indes jeg- 128
        

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