Eine ebenfalls im Dezember 1791 in Feldkirch stattfindende erneute Konferenz bestätigte die Rod- ordnung von 1781 im Wesentlichen. Es gelang den Delegierten aus Lindau, Feldkirch, Vaduz, Maien- feld und Chur jedoch nicht, die Anstände im Rod- wesen tatsächlich zu beseitigen. Interessant ist eine an dieser Konferenz beschlossene Vereinba- rung betreffend das Gewicht der Strackswagen. Die Höchstmarke wurde auf 45 Zentner (Nürnberger Gewicht) festgesetzt, wobei Graubünden auch da- mit einverstanden war, für jene Wagen, «die auf das weite Geleiss eingerichtet» waren, eine erhöhte Gewichtslimite von 50 Zentner zu bewilligen.676 Dies ist (gemäss bisherigen Recherchen) das einzi- ge Aktenstück aus dem Bestand des Liechtensteini- schen Landesarchivs, in welchem der Unterschied zwischen schmalen und breiten Waagen themati- siert wird. Zwar differenzierten die verschiedenen Liechtenstein betreffenden Rodordnungen bei den Fuhrwerken in Bezug auf die Anzahl an Pferden, aber Streitereien bezüglich Wagenbreite, wie sie zwischen den Ständen Bern und Luzern ausgetra- gen wurden (vgl. S. 22 sowie Anmerkung 63), gab es zwischen Liechtenstein und einer angrenzenden Region keine. Ein Grund dafür ist vermutlich darin zu sehen, dass der Modernisierungsschub im Strassenbau in der Region Rheintal erst viel später als beispielsweise im Kanton Bern einsetzte. Liechtenstein und das benachbarte Österreich gerieten zwar nicht in Konflikt bezüglich Achsen- breite ihrer Fuhrwerke, aber die Differenzen im Rodwesen waren dennoch von durchaus handfes- ter Art. Im April 1792, vier Monate nach der letzten Konferenz, erging wieder einmal ein oberamtliches Protestschreiben an die Adresse des Vogteiamts Feldkirch. Die österreichischen Fuhrleute Johann König (aus Bangs) und Georg Pümpel (aus Tisis) hatten sich laut oberamtlicher Darstellung erdreist, gewaltsam mit ihren Früchten in Nendeln durchzu- fahren und dabei den dortigen Rodaufseher mit Schlägen zu misshandeln. Deshalb forderte Vaduz die Behörden in Feldkirch auf, die beiden Übeltäter zu verhaften und dem Oberamt in Vaduz zwecks Gerichtsverhandlung auszuliefern.677 Der Unterlän- der Landammann Franz Joseph Nescher und der 
Rodaufseher Jakob Fehr gaben hierzu weitere De- tails zu Protokoll. Demnach hatte Johann König den Rodaufseher «angefallen und ihm sein Flor am Hals zerrissen».678 Während der Gerichtsverhand- lung in Vaduz leugnete Johann König die Tat und er gab seine Version von der Geschichte: «Der Fehr habe ihn zuerst in einen Graben hinunter gestos- sen, und er habe nichts anderes gethan als densel- ben auf die Seite gedrückt; damit er seines Wegs weiter könne».679 Ferner erklärte Johann König, dass er nicht wusste, dass es sich bei Jakob Fehr um den Rodaufseher gehandelt hatte. Landam- mann Franz Josef Nescher und Rodaufseher Jakob Fehr nannten Johann Hundertpfund als Zeugen, der das «ungebührliche Verhalten» des Johann Kö- nig belegen könnte, und sie erhielten schliesslich Recht. Das Gericht verurteilte die Fuhrleute König und Pümpel. Diese mussten 41 Kreuzer an Unko- sten und zusätzlich eine Busse von je zwei Gulden und 45 Kreuzern entrichten.680 Anstände im Fuhrwesen gab es aber nicht nur mit der österreichischen Nachbarschaft, sondern auch innerhalb des Landes Liechtenstein. Im Okto- ber 1792 erhoben Landammann Lorenz Tschetter und die Vorsteher von Schaan und Vaduz eine Be- schwerde gegen die Gemeinde Balzers. Sie warfen den Balznern vor, dass sich diese im Rodwesen «ganz bequem» halten und oft erst nach dem drit- ten oder vierten Aufgebot die Waren weiter trans- portieren würden. Dies sei eine schlechte Werbung für die liechtensteinische Landstrasse; denn so er- folgten zuerst Klagen über verspätete Warentrans- porte und schliesslich würde «der Kommerzialzug von der hiesigen Strasse abgetrieben».681 Aufgrund dieser Beschwerde erliess das Oberamt die folgen- de Verordnung an die Gemeinde Balzers. 1. Ein Rodfuhrmann soll künftig nur noch ein einziges Mal zum Transport der Rodgüter aufgebo- ten werden. 2. Falls er diesem Gebot nicht Folge leistet, wird er ausgelassen und, bekommt auch keinen Fuhr- lohn. 3. Die Balzner Fuhrleute hatten sich immer wie- der damit entschuldigt, dass die Rodfuhren zu spät in Balzers angekommen seien. Das Oberamt ver- 126
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.