LIECHTENSTEINISCHE GEGENMASSNAHMEN GEPLANTE ERRICHTUNG EINER ZUSCHG AN DER ÖSTERREICHISCHEN GRENZE Einleitend muss hier vorausgeschickt werden, dass es in Schaanwald, nahe der österreichischen Gren- ze, bereits eine Zuschg gab.633 Schaanwald wird in den Rodordnungen jedoch nie als Ablade- bezie- hungsweise Umladestation genannt. Deshalb ist davon auszugehen, dass diese Zuschg eher als Wa- rendepot für die lokalen Fuhrleute diente. Die im folgenden Kapitel dargestellten Bemühungen ziel- ten deshalb darauf ab, diese Schaanwälder (oder auch die ebenso bestehende Nendler) Zuschg zu einer richtigen Abladestation für den Gütertransit auszubauen. Gemäss Rodordnung von 1781 konnten öster- reichische Fuhrleute mit ihrem Korn und Salz bis Schaan, mit ihren Kaufmannswaren sogar bis Bal- zers fahren (vgl. S. 87, Punkt 5). Die liechtenstei- nische Hauptstrasse wurde somit von einheimi- schen wie auch von österreichischen Rodfuhrwer- ken frequentiert. Folglich teilten beide Seiten den Verdienst im Transportwesen. Zumindest theore- tisch war es auch so. Infolge der andauernden Missachtung der Rodordnung durch österreichi- sche Rodfuhrleute gelangte das Oberamt am 14. April 1790 mit dem Vorschlag an den Fürsten, die Schaaner Zuschg an die liechtensteinisch-öster- reichische Grenze zu verlegen. Die Idee war nicht neu; denn bereits im Jahre 1651 hatte der Graf von Hohenems als damaliger Landesherr von Schel- lenberg und Vaduz damit gedroht, beim Schmelz- hof in Schaanwald eine Zuschg zu errichten (vgl. S. 72 oben). Das Oberamt, das nun 1790 diesen Plan auf «Antrag» der Untertanen erneut aufgriff,634 argu- mentierte, dass eine Abladestation an der Grenze klare Verhältnisse schaffen würde. Damit wäre im Rodwesen eine eindeutige territoriale Abgrenzung geschaffen. Österreichische Rodfuhrleute müssten ihre Waren bereits in Schaanwald abladen. Die Fuhrleute der Herrschaften Vaduz und Schellen-berg 
wären die alleinigen Spediteure von Rod- gütern auf liechtensteinischen Strassen. Die Behörden in Vaduz erhofften sich von einer solchen Massnahme recht viel: Liechtenstein wür- de die alleinige Verfügungsgewalt über den Rod- verkehr auf seinem Territorium gewinnen und wäre dadurch nicht mehr auf den «Good-will» der Österreicher angewiesen. Für die Auszahlung der Fuhrlöhne wäre nicht mehr der Feldkircher Haus- meister, sondern eine Amtsstelle in Liechtenstein zuständig. Ausserdem könnten österreichische Kornhändler und Fuhrleute - gerade weil sie an der Grenze die Rodwaren abladen müssten - den liechtensteinischen Fuhrleuten die Arbeit und den Verdienst nicht mehr wegnehmen. Letztere könn- ten die Rodgüter an der Grenze laden und wären somit nicht mehr gezwungen, nach Feldkirch zu fahren, um dort die ihnen zum Transport zuste- henden Waren zu laden. In einem Schreiben der Hofkanzlei liess der Fürst aus Wien mitteilen, dass er einer Versetzung der Schaaner Zuschg an die Grenze nach Schaan- wald (oder auch nach Nendeln) zustimmen würde, jedoch müssten seine Untertanen selbst für dabei entstehende Kosten aufkommen.635 Im April 1791 wurde erneut der Wunsch nach Errichtung einer Zuschg in Schaanwald geäussert.636 Ein im Juni desselben Jahres angefertigtes Gutachten kam aber zum Schluss, dass dieses Vorhaben mit zahlreichen Schwierigkeiten verbunden sei: Die Abladestation Schaanwald würde zu nahe bei Feldkirch liegen. Folglich «würde sich jederman darüber beschweh- ren, wenn [er] die Waren [zuerst] in Feldkirch und dann an den hiesig. Gränzen in einer halben Stund, oder, wenn man den Abstoss naher Nendlen über- setzen wollte, in einer Stund wieder abladen soll- te».637 Ausserdem wäre (bei gleichzeitiger Aufhe- bung der Schaaner Abladestation) die Strecke von Schaanwald bis Balzers für diejenigen Fuhrleute, die nur mit Ochsenzügen unterwegs waren, zu weit. (Es folgt hier der Hinweis darauf, dass die Oberländer Fuhrleute «fast lauter» Ochsenzüge hielten.)638 Das Projekt scheiterte - vermutlich auch wegen zu hohen Kosten, die im Falle einer Ver- wirklichung entstanden wären. 118
        

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