DAS ROD- UND FUHRWESEN IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / KLAUS BIEDERMANN ÖSTERREICHISCHE FUHRLEUTE MISS- ACHTEN DIE RODORDNUNG Im Februar 1789 unternahm der Feldkircher Spe- diteur Peter Joseph Leone598 einen Einzelvorstoss zur Aushöhlung des Rodwesens. Er bat den Fürs- ten von Liechtenstein um die Gewährung von exklusiven Transportrechten. Leone wollte einmal wöchentlich mit einer nicht begrenzten Anzahl Stracksfuhrwerken durch liechtensteinisches Ge- biet passieren. Nach eigenen Angaben599 hatte er gute Kontakte zu italienischen, bündnerischen, schweizerischen und tirolerischen Handels- und Speditionshäusern, und es wäre ihm dadurch ge- lungen, beträchtliche Güter (u. a. Seide) über die neu errichtete Arlbergstrasse600 zu locken. Das Oberamt in Vaduz allerdings empfahl dem Fürsten, dieses Gesuch abzulehnen. Dies aus zwei Gründen: erstens, weil «die Spedition des Leone so beträcht- lich nicht [sei]» und zweitens, weil eine Bewilligung dieses Ansuchens andere Händler zur Nachah- mung ermuntern könnte. Falls noch mehr Spe- diteure eine Befreiung von der Rod beantragten, so würde die Rod «gänzlfich] über den Haufen [gelworfen».601 Die Vaduzer Behörden sicherten zu, dafür so zu sorgen, dass die Waren von Spediteur Leone gemäss Rodordnung korrekt transportiert werden, so dass dieser keinen Grund zur Klage ha- ben werde. Peter Joseph Leone stand offenbar in Kontakt mit mindestens einem Fuhrmann im Liechtenstei- ner Unterland. In einem an Landvogt Menzinger gerichteten Schreiben vom 5. Mai 1789 erwähnte er Johann Batliner602 aus Aspa, welchen er beauf- tragt hatte, seine «äusserst pressante ... Waar, die morgen absolute in Chur sein soll» zu laden und dorthin zu führen. Leone wies darauf hin, dass diese Waren auf der Rod erst in vier Tagen in Chur ankommen würden. Besagter Johann Batliner wür- de sich nun weigern, diese Güter zu transportieren, da er Angst vor einer obrigkeitlichen Bestrafung hätte. Leone versuchte erfolglos, Landvogt Men- zinger zu einer Ausnahmebewilligung für diese Fuhr zu bewegen.603 Bereits im erwähnten Schrei- ben, das dem Fürsten die Ablehnung des Gesuches 
empfohlen hatte, argwöhnte das Oberamt, dass der Feldkircher Spediteur nur im Auftrag des Johann Batliner handeln würde, und dass letzterer «sich biesher der Rhode beständig entgegen gesetzet hat».604 Am 6. Mai 1790 schliesslich informierte das Oberamt den Spediteur Leone, dass sein Ge- such vom Fürsten abgelehnt worden war.605 Landvogt Menzinger schrieb im Auftrag des Oberamtes regelmässig (teils recht ausführliche) Berichte an die Hofkanzlei in Wien, die manchmal sehr aufschlussreich über die aktuelle Situation im Rodwesen berichteten. Die wichtigsten Passagen eines besonders wertvollen Dokuments sind im Anhang (vgl. S. 163) wiederzugeben.606 Mit diesem sehr umfangreichen an den Landesfürsten adres- sierten Bericht umriss das Oberamt überblicksmäs- 591) LLA RA 21/100: Vogteiamt an OA. 592) LLA RA 21/104: OA an Vogteiamt Feldkirch. 5. Juni 1790. 593) Ebenda. Zum Streit betreffend Güterverkehr über den Arlberg siehe weiter unten. 594) LLA RA 21/155: OA an Vogteiamt Feldkirch, 5. Februar 1791. 595) LLA RA 21/113, 30. Juni 1791. 596) Ebenda. - Vgl. auch: LLA RA 20/18. 597) Ebenda. 598) Peter Joseph Leone (1722-1801), erfolgreicher Fabrikant, wurde am 4. Januar 1768 zum Feldkircher Stadtammann gewählt. Er kämpfte in dieser Position gegen die Zentralisierungsbestrebun- gen der Habsburger und für die alten Rechte der Stadt Feldkirch. Er wohnte in Feldkirch, Schmiedgasse, Haus Nr. 12. 599) LLA RA 21/5: Schreiben von Peter Joseph Leone: datiert vom 2. Februar 1789. 600) Die Erbauung der Arlbergstrasse wurde 1782 beschlossen. 1785 erfolgte ein (provisorischer) Teilausbau, 1824 stellte man die Strasse endgültig fertig. - Siehe auch: Bernhard, Vorarlberg 1789-1801, S. 321. 601) LLA RA 21/6: OA an Fürst, mit Beilage eines Auszugs aus dem Protokoll der Rodkonferenz in Feldkirch von 1781, o. D., aber sicher 1789. 602) Zu Johann(es) Batliner vgl. auch S. 89 sowie Anmerkung 469. 603) LLA RA 21/30: Leone an Menzinger, 5. Mai 1789. 604) LLA RA 21/6: Johann Batliner war «die einzige Triebfeder dieses Ansuchens». 605) LLA RA 21/31, 6. Mai 1789. 606) LLA RA 21/68. OA an Fürst, 10. Februar 1 790. 111
        

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