DAS ROD- UND FUHRWESEN IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / KLAUS BIEDERMANN Lindau, überquerte den Bodensee, benutzte die «Deutsche Strasse» bis Chur, um von dort aus via Splügenpass und Chiavenna nach Mailand zu ge- langen. Diese Reise dauerte fünfeinhalb Tage.541 Unter dem Schutz der Städte Lindau und Mailand beförderte er Briefe und (kleinere) Waren.542 Dieser Botendienst, 1445 erstmals urkundlich erwähnt, wurde meistens von Mitgliedern der Fussacher Familien Spehler und Weiss versehen.543 Franz Joseph Wolfmger, Postwirt im ausgehenden 18. Jahrhundert, übte die Funktion eines Postmeisters auf privater Basis aus.544 Im Jahre 1817 wurde schliesslich in der «Post» die erste staatliche Brief- sammelstelle eingerichtet, die allerdings vorerst nur für zwei Jahre bestand. 1827 wurde sie wie- derum eröffnet und zwölf Jahre später zum k. u. k. Postamt erhoben.545 Das Geschlecht der Wolfmger hatte über Jahr- hunderte hinweg eine bedeutende Stellung in der Gemeinde Balzers inne. Im Jahre 1474 erhielten sie einen Drittel der Gutenberger Lehensgüter, die später Wolfmgersche Erblehen genannt wurden. Diese Lehensgüter durften nicht geteilt oder ver- kauft werden und wurden innerhalb der Familie Wolfmger an die männliche Nachkommenschaft vererbt. Der Kaiser behielt dabei das Obereigen- tum. Erst 1889 wurden diese Güter in den Privat- besitz der Familie Wolfinger überführt, was auch eine Güterteilung und einen eventuellen Verkauf ermöglichte. Die Familie Wolfmger hatte aber bis anhin einen der grössten landwirtschaftlichen Be- triebe der Gemeinde Balzers bewirtschaftet. Joseph Anton Wolfmger heiratete im Jahre 1758546 die Tochter des Postwirts Anton Walser.547 Nach dem 532) LBS. S. 202. 533) Ebenda. S. 204. mit dem Hinweis, dass dies eigentlich illegal sei. 534) Ebenda. So wurden grosse Weinbestände eines Wirtshauses in Privathäusern gelagert, um von der behördlichen Kontrolle nicht erfasst zu werden. 535) Vgl. LLA RA 7/7/1 betreffend Umgeldzahlungen, 8. Januar 1770, erneuert am 29. August 1812, sowie LLA RA 7/7/3 betreffend illegalem Weinausschank, 30. April 1802. 
536) LLA RA 7/7/8: Im Falle einer Zuwiderhandlung wurde mit Visitation und einer Konfiszierung der ausländischen Weine gedroht, 14. Februar 1806. 537) Auch Geistliche wurden oftmals wegen illegalem Weinaus- schank gerügt: 1751 der Pfarrer von Triesen (LLA RA 10/2/2/1/1/ 10-11; 10. Nov. 1751), 1761 der Abt von St. Luzi in Chur, weil in der ihm unterstellten Statthalterei Bendern Wein ausgeschenkt wurde (LLA RA 10/2/2/1/1/12, 12. Dez. 1761). 1S06 der Pfarrer von Triesenberg (LLA RA 7/7/9: 19. Sept. 1806). 538) Vgl. auch S. 64 sowie S. 77. 539) Vgl. S. 156-159: Umgelder von Oberländer Wirtshäusern. 540) Goop, Liechtenstein, S. 205. 541) Eitel. Verkehr im Bodenseeraum, S. 61. 542) Ebenda, sowie Helbok, Frachtführer, S. 12 f. 543) Helbok, Frachtführer, S. 12 f. Die Stadt Lindau besass das Vorschlagsrecht für das Amt dieses Boten. Der Fussacher Bote machte auch eine Zwischenstation in Feldkirch. Da er dort oft nachts ankam, als die Stadttore bereits geschlossen waren, wählte er als Absteigequartier das Wirtshaus «Krone» in Heiligkreuz. 544) Franz Joseph Wolfinger (1771-1814) war einer der wohlha- bendsten Balzner. Er besass 1809 fünf Pferde. (Tschugmell, Balzner- Mälsner Geschlechter, S. 115.) 545) Gstöhl/Vogt, Bauten in Balzers, S. 83 u. 85. 546) Tschugmell, Balzers, S. 272. 547) Vgl. auch Stammbaum 1 auf S. 167. Das Wirtshaus «Post» in Balzers, Zustand vor dem Brand von 1935 101
        

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