DAS ROD- UND FUHRWESEN IM FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN / KLAUS BIEDERMANN Die Rodfuhrleute standen dabei finanziell oft etwas besser da als die Stracksfuhrleute. Ein Stracksfuhr- mann war zum Beispiel auf dem Weg von Chiaven- na nach Chur mehrere Tage unterwegs und hatte dementsprechend diverse Auslagen zu bestreiten (Zölle, Übernachtungen, Verpflegung in Wirtshäu- sern, etc.). Dem Rodfuhrmann hingegen war es meist vergönnt, zuhause zu schlafen und zu essen. Ebenso konnte er sein Tier im eigenen Stall unter- stellen.496 Eine Beschreibung der Gemeinde Splü- gen (GR) aus dem Jahre 1809 errechnete für die Stracksfuhrleute einen täglichen Verdienst von 43 Kreuzern, für die Rodfuhrleute hingegen einen täg- lichen Lohn von 60 Kreuzern (entspricht einem Gulden).497 Die Stracksfuhrleute konnten infolge längerer Abwesenheit von zuhause nicht in dem- selben! Masse wie die Rodfuhrleute in der lokalen Landwirtschaft verwurzelt sein. Sie neigten auch eher dazu, im Fuhrgewerbe hauptberuflich tätig zu sein.498 Gemäss den das Fürstentum Liechtenstein be- treffenden Rodordnungen war das Stracksfuhr- wesen stets in österreichischer Hand. Besonders die am Bodensee gelegenen Verkehrsorte Fussach und Höchst stellten mehrere Stracksfuhrleute. Die Liechtensteiner Bauern konnten also lediglich am Rodverkehr teilnehmen. Folglich blieb das Rod- fuhrwesen für sie ein Nebenerwerb, der ihre ange- stammte l^ätigkeit in der Landwirtschaft zwar et- was schmälern, aber nicht wirklich in Frage stellen konnte. Landvogt Schuppler erwähnte in seiner Landesbeschreibung von 1815 .das Rodfuhrwesen als kleine, aber dennoch nicht unbedeutende Ein- nahmequelle: «Der Verdienst bei diesem Fuhrwerke ist zwar nicht gross, verdient aber bei dem Mangl eines an- dern volle Rücksicht. [In Vaduz ist] neben ... weni- gem Roodfuhrwerke ... der Weinbau die grösste Einnahmequelle. ... die Hauptnahrung [der Ge- meinde Balzers] ist neben der ziemlich mittelmäs- sigen Viehzucht, und dem Landbaue, das Fuhr- werk, wobei sie ihre Laage begünstiget. Alles Ge- traid und Salz, das auf der Landstrasse nach Bündten, oder Italien gehet, wird in einem dazu eigends eingerichteten Abstosshause abgeladen, 
und durch sie über den Luziensteig /• ein bedeu- tend, steiler Gebirgspass ./ bis nach Mayenfeld ge- führt, auch haben sie durch Vorspanne, die jedes schwere Fuhrwerk über den Luziensteig haben muss, nicht unbedeutenden Verdienst. ... [Die Triesner] sehen hier ... mehr auf das Fuhrwerk, und vernachlässigen ihren Landbau, der meis- tens[,[ das Heumähen ausgenommen, vom weibli- chen Geschlecht besorgt wird».499 Jedenfalls für die Talgemeinden des Oberlandes war zu diesem Zeitpunkt das Rodwesen als Ver- dienstmöglichkeit noch offen. Im Liechtensteiner 483) Ebenda. (Ordnungen von Quinto, Artikel 1, sowie von Chiggio- gna, Artikel 2 und 3.) 484) Ebenda. 485) Ebenda. (Statuten von Osco 1237, Artikel 1.) 486) Diese (auch im Hinblick auf andere Nutzungsrechte) praktizier- te Tendenz zur Abschliessung illustriert ein Beispiel aus Andeer: Noch 1807 sollte jeder, der die Bürgeraufnahme auch nur vorschlug, sein eigenes Bürgerrecht verlieren; vgl. Simonett, Verkehrserneue- rung in Graubünden, S. 12. 487) Die Vererbung des Saumrechts wurde teils sogar verboten, so in den Statuten von Osco, Art. 2. Die Statuten von Quinto, 1408, waren etwas liberaler: Eine Frau hatte ein Erbrecht, sofern sie bereit war ins Haus des Verstorbenen einzuziehen und die Gemein- depflichten des Erblassers zu erfüllen. 488) Caroni, Säumergenossenschaften, S. 123. 489) Ebenda. 490) Sprecher. Kulturgeschichte der Drei Bünde, S. 220. 491) Ebenda. 492) Ebenda. 493) Ebenda. Vgl. auch Simonett, Verkehrserneuerung in Graubün- den, S. 20. 494) Ospelt, Wirtschaftsgeschichte, Anhang 83, S. 266 f. 495) Quelle für 1791/92: LLA RA 21/190, LLA RA 21/242, LLA RA 21/317-318 sowie für 1801: Ospelt, Wirtschaftsgeschichte, S. 334. - Vgl. auch die in der Rodordnung von 1765 enthaltenen Fuhrlohnbe- stimmungen - dort allerdings Angaben nach Zentner. 496) Simonett, Verkehrserneuerung in Graubünden, S. 20. 497) Ebenda. 498) Ebenda. S. 28. 499) LBS. S. 54 f. (Vaduz), S. 71 (Balzers), S. 77 (Triesen). 95
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.