«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER bedienen und 
sie zu bekantniß ihres lasters ... bringen.406 In den meisten Fällen wählte das Vaduzer Ge- richt eine mildere Vorgangsweise als vom Rechts- gutachter empfohlen. Auch die eben genannten Personen wurden 1679 nicht eingezogen. Vielleicht war diese aber nur durch den vorzeitigen Abbruch der Prozesse bedingt. Dass jedoch selbst ausgebil- dete Juristen und Rechtsgutachter gegen die von ihnen aufgestellten Regeln je nach Bedarf versties- sen, sollte bei der Beurteilung der späteren Pro- zessführung nicht ganz ausser Betracht gelassen werden. Auch in religiösen Belangen vertrat Dr. Welz widersprüchliche Positionen. In seinem Gut- achten über Hans Kaufmann vom Triesenberg, der in der heiligen Messe 
nicht betten gesehen worden sei, schrieb er, 
es schadet nicht, dann ein mensch sihet auf die Uppen und daß vor äugen ist, der herr aber sihet daß herz an, 1. Sam. XVI, 7. Ps. VII, 10.407 Bei Jakob Blaicher hingegen galt es als ein nicht geringes Indiz der Hexerei, dass 
er in der kyr- chen mit sonderbahrem fürsaz nur das halbe creüz zu machen pflege.406 PROZESSANLEITUNGEN VON DR. WELZ IM JAHRE 1680 Die Hexenprozesse des Vorjahres hatten trotz der juristischen Ausbildung des Landvogts und der rechtlichen Beratung durch Dr. Welz zu einer schweren Panne geführt. Die Herrschaft und der neue Vaduzer Landvogt, der sich bei den Verfahren von 1680 durch den Juristen Lizentiat Johann Büchele unterstützen liess, machten Dr. Welz offen- sichtlich nicht für die Probleme bei den «Brügleri- schen Prozessen» mitverantwortlich, denn im fol- genden Jahr wurde er abermals als Rechtsgutach- ter konsultiert. Der Lindauer Jurist sah dabei auch keinen An- lass, speziell auf die Fehler des Vorjahres Bezug zu nehmen. Nur die Regeln für die Anwendung der Folter legte er nun ausführlicher dar. Weiters über- sandte er dem Vaduzer Gericht eine Liste von Fra- gen (Interrogatorium), die er nach Anleitung der 
criminalisten und nach dem Beispiel anderer Pro- zesse verfasst hatte, damit die Angeklagten besser als bei den Verfahren von 1679 einvernommen werden könnten.409 Zu den übrigen Aspekten der Prozessführung verfasste Dr. Welz in seinem drit- ten Rechtsgutachten nur eine knappe neue Anlei- tung, in der er auf folgende Punkte im besonderen hinwies.410 Bei der Frage, ob jemand gefangen werden soll- te oder nicht, galt es, einen Subjekt- von einem ob- jektbezogenen Bereich zu unterscheiden. Zu erste- igern zählten: 1. die Abstammung und Herkunft einer Person («Das Bier schmeckt nach dem Fass»), 2. der Leumund der Person und 3. die Einschätzung durch den Richter (Verdacht aufgrund der Indizien; die 
Furcht, unbständigkeit und der Schrecken des Inquisiten; 
eine üble Physio- gnomie [da einem nach dem Sprichwort der schelm zu den äugen herauß scheinet] und anderes). Im Objektbereich waren folgende drei Aspekte zu unterscheiden: 1. Die Art der Zeugen. Zu den Hexenprozessen 
wurden nicht allein die weiber ... und minderjährigen, so doch über ihre 7. jähr gekommen .... sondern auch die angehöri- gen und blutsverwandten, alß kinder gegen eitern und eitern gegen kinder .... ja gar, si veritas aliter haberi non potest, die excommunicati et banditi, infames facti und die jenigen angenommen .... wel- cher der richter zur zeügensag nicht ein mahl be- gehret. Notwendige Vorbedingungen waren aller- dings, dass die Zeugen über das Ausgesagte selbst gut informiert waren, 
dass keine feindschafft auf 403) Ebenda, S. 38, 404) Ebenda, S. 36 f. 405) Ebenda, S. 56. 406) Ebenda, S. 50. 407) Ebenda, S. 35. 408) Welz 2, S. 21. 409) Vollständig widergegeben auf S. 77-79. 410) Welz 3, S. 4-13 u. 39-44. 87
        

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