den Landsknechten eine Federtracht trug.304 Die Ausfahrt aus dem Kamin und der Flug auf dem Be- sen zählten in den Herrschaften vor dem Arlberg nicht zum volkstümlichen Repertoire der Hexen- vorstellungen, sehr wohl hingegen der Flug auf dem Bock.365 DER SONDERFALL URSULA TANNER1N Nicht nur hinsichtlich der Überlieferung, sondern auch bezüglich des Inhalts nimmt die undatierte bekanttnus der Ursula Tannerin eine Sonderstel- lung ein.366 Das Dokument stammt vermutlich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts367 und bildet das einzige im Original vorliegende Geständnis mit Be- zug auf das Hexenwesen aus dieser Zeit. Es ist wohl nur deshalb erhalten, weil es sich eben um kein typisches Hexengeständnis handelt, denn die- ses Verbrechen steht nicht im Zentrum der Einver- nahmen. Die bekanttnus der Ursula Tannerin besteht aus zwanzig Punkten: 1. Erstlihen ires manns halben zaigt sy an, er sey zue Kempten uff dem markht gewessen. Und als er haim komen, hab er ain geschwollen ange- siht gehaptt. Und also ain tag ahn umbgang krankh gewessen. Und aines tags alf!] sy von der kirchen haim komen, er gar krankh inn bethtf!] gle- gen und sterben wollen, hab sy ime das kisse und pfulben uffs angesiht gelegt, uff in also hingefallen und erstekht. 2. Item als sy sampstags hernaher wider befragt worden, zaigt sy an, sy habe vorermelttem irem man inn ainer suppen ve[r]geben[Gift gegeben]. 3. Mer so hab sy zwayen iren kindern inn ainem muos vergeben, welches iro der böß gaist [durchge- strichen: geben] geratten und geben. 4. So seye der böß gaist in lebzeytten irs mans vor 10 jaren und mit iro biß uff dise zeytt viermaln zu schaffen gehaptt. 5. Als sy jezo inn gefenkhnus glegen, sey der böß gaist zu ir kommen, gesagt, sy sol standthafft sein und nichsl!] bekhennen. 
6. Es habe ir der böß gayst, als sy inn der kam- mer glegen gefangen, iro zway heffelein geben, darmit soll sy bößes mit anstifften. Sy aber die häf- felin hin weg geworffen und nit thon wellen. 7. Bekent sy, der böß gaist hab sy angerayzett, das sy bayde ire gnaden sampt dero khindern mit bösem begegnen solltte, hab es aber nit thon kön- den. 8. Bastian iro vermainter man hab Wissens ge- ha.pt, das sy iren ersten mann umbbracht, ja wie die gemain sag gewessen. 9. So hab sy Stoffel dem jäger jungen nahts, als er geschlaffen, ainen griff geben an schenkhl, dar- durch ime der schenkhel also böß worden. 10. Wan sy das hailig sacrament empfangen, hab sy es wider von ir brochen und also nit bey iro gepliben. 11. Hab sy meiner gn. frawen von derselben gül- den ketten, so im stüblin glegen, etlihe glaith [Glie- der] darvon gerissen und gestollen, die selbige ai- nem goldtschmidt zu Veldkirch gebraht zu khauf- fen geben p. vier gülden. 12. Zum zwölfften, so hab sy auch dem goldt- schmidt, welhem sy gemeltte guldine glaith geben, darmit zwen silberlöffell, so ir gn. gewessen, p. ain gülden geben. 13. Zum dreyzehendten, die 2 guldine ring, so hoffmaister Wild verloren, hab sy gestollen und Jacob Plenkhen geben p. 2 ff. 14. Zum vierzehendten hab sy bemeltten Plenk- hen ain silberin dischbecher, darin baider ir gna- den wappen gegraben, one verschlagen noch ver- prohen, umb einen gülden zu kauffen, welhes an ainem sontag bescheh und angezaygt, sy habs ge- stollen. 15. Zum fünfzehendten, so hab sy ime gemelten Plenkhen geben drey disch die her, sehs disch z...[?[ inn ainem büschellin geben, darfür iro ongevar bey vier bazen dargegen worden. 16. Zum sechszehendten, hab sy gesagts Blen- k]i]hs weib ain meßlin weyß mel und 2 laib brott, so uberpliben, darfür Plenkhis weib iro 6 kreuzer geben. 17. Mer bekent sy, als Bastian das korn, so dem herrn appt von Pfeffers wider erstatten worden, da 74
        

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