«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER Ärmel schaue, wisse er, wer das Vieh auf der Alpe ruckhig gemacht habe. Stecke er eine Nadel ober- halb der Stalltüre hinein, so müssten sich alle Tiere von ihren Ketten losreissen und herauskommen. Auch mancher Geistliche erfüllte eine wichtige Funktion im volksmagisch geprägten Heilwesen.266 So gab Pfarrer Valentin von Kriss aus Triesen einem Mann für sein Kind, das an der Mutterbrust nicht mehr richtig saugen wollte, sozusagen als geistliches Amulett einen Benediktus-Pfennig,267 den die Mutter umhängen sollte. Als eine vermeint- lich verzauberte Kuh keine Milch mehr gab, schnitt ihr Fidelis Matt aus Mauren eine Wandelkerze (wahrscheinlich Prozessionskerze268) des Pfarrers unter das Futter. Grosse Bedeutung bei den Hexenverfolgungen kamen neben den Scharfrichtern oder Wasenmei- stern manchmal auch den örtlichen Metzgern zu, die mit der Beseitigung oder Untersuchung von Tierkadavern beschäftigt waren. Dabei lieferten sich mitunter anschauliche Bestätigungen dafür, dass das Vieh von schlechten Leuten auf magische Art geschädigt worden sei. Durch ihre Beobachtun- gen wurde mancher Zaubereiverdacht konkreti- siert und auf bestimmte Personen kanalisiert. Ähnlich wie die einheimischen «Künstler» wirk- ten auch Zigeuner. In Ruggell zum Beispiel Hessen sie einen Bauern, der vom Unglück heimgesucht wurde, in seinem Stall graben, wo er dann einen eigrossen Haarbüschel mit einem Knochen eines Neugeborenen fand. Eine Zigeunerin erklärte dar- aufhin, sie müsse das ausgegrabene Requisit dort- hin tragen, woher es stammte, und brachte es zum Haus der Katharina Wangnerin, die nur durch ihren Tod 1679 der Hinrichtung entging. Für die Bewohner der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schellenberg waren darüber hinaus manche volksmagische Spezialisten jenseits der Grenzen wichtig. Dazu zählten die Kapuziner, de- nen manche Leute die in der Feldkircher Apotheke gekauften Heilmittel, besonders Purgationen, zum Benedizieren brachten, damit die Wirkung erhöht würde. Wenn er anders nichts ausrichten konnte, liess auch der Feldkircher Balbierer (Wundarzt) Peter Wolf seine Medikamente von den Patres seg-nen. 
Zahlreiche Personen, die sich auf magische Weise geschädigt fühlten, wandten sich gleich um sogenannte «geistliche Mittel», zum Beispiel zum Ausräuchern, an die Kapuziner. Diese vertrieben aber nicht nur Gegenmittel, sondern halfen mitun- ter, die Verursacher vermeintlichen Schadenzau- bers zu identifizieren. Ausser den Leuten, welche sich auf magische Art bedrängt fühlten, suchten bei den Kapuzinern auch Personen Rat, die in schlimmem Verdacht standen und sich durch eine Beichte aus ihrer ver- hängnisvollen Situation zu lösen versuchten. Dabei wurden die Patres nicht immer ihrer verantwor- tungsvollen Rolle gerecht. Im Fall des Vaduzer Burgvogts Hans Rusch hatte ein Kapuziner sogar nachweislich das Beichtgeheimnis gebrochen und damit nicht wenig zu dessen schrecklichen Schick- sal im Zuge eines Hexenprozesses beigetragen. Nicht allein die Kapuziner in Feldkirch, sondern auch diejenigen zu Mels bei Sargans269 waren in die vaduzischen Hexenverfolgungen verstrickt. Im Jah- re 1680 sprachen die Meiser Ordensleute, die in der Grafschaft Vaduz beizeiten seelsorglich aushal- fen,270 für 
etliche grose guettetter ihres Klosters aus der Pfarrei Balzers vertraulich bei Lizentiat Büche- le vor, der als Rechtskonsulent an den Hexenpro- zessen mitwirkte. Sie bewirkten dadurch, dass ihre gefährdeten Wohltäter nicht aus dem Land flohen und 
so bey haus, hoff undt ehren blieben.271 Viel- 261) Tschaikner, Magie und Hexerei, S. 155-172. 262) LLA AS 1/ 2, fol. 5a. 263) LLA AS 1/1. fol. 37b. 264) HDA Bd. 4, Sp. 446 f. Über magische Nägel vgl. auch Tschaikner, Magie und Hexerei. S. 84 f. 265) HDA Bd. 1, Sp. 452, 1653 u. 1135. 266) Vgl. Tschaikner, Magie und Hexerei, S. 85-88. 267) Vgl. dazu HDA Bd. 1, Sp. 1035-1038. 268) Vgl. Vorarlbergisches Wörterbuch, Bd. 2, Sp. 1524. 269) Zur Geschichte des Klosters vgl. Geschichte der Gemeinde Mels, S. 162. 270) Z. B. Büchel, Pfarrei Triesen, S. 62. 271) StAAug 2969, fol. 62b. 57
        

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