schon darin, dass eine verdächtige Person in den Schmalzkübel geschaut hatte oder unaufgefordert in die Milchkammer einer Alpe gekommen war. Als sehr problematisch galt es, zum Schmalzen notwendige Arbeitsgeräte zu entlehnen. So konnte jemand, nachdem er ein Butterfass nur ungern hergeliehen hatte, drei oder vier Tage nach dessen Rückgabe trotz guter Milch selbst in anderen But- terfässern auf Dauer kein Schmalz mehr erzeugen. Auch nachdem ein anderer ein Sieb entlehnt hatte, sei es lange nicht mehr möglich gewesen zu schmalzen. Ähnlich konnte es sich auswirken, wenn man jemandem Schmalz lieh. Einem Tries- ner wurde am nächsten Morgen seine Kuh krank. Hatte jemand die Vermutung geäussert, man könne gut schmalzen, weil man eine vorzügliche Kuh besitze, und folgten kurz darauf Probleme eben beim Schmalzen, wurden diese als zauberi- sche Folgen des Neides verstanden. Kaum ohne Argwohn zu erklären war es für viele Leute, wenn jemand nicht schmalzen konnte, wenn dann aber eine Nachbarin, die gerade im Haus anwesend war, zweimal umrührte und so viel Schmalz gewann, wie man weder davor noch danach je bekommen hatte. Nach Schwierigkeiten beim Schmalzen hatte Jakob Batliner von seinen Nachbarn am Eschner- berg folgenden wirksamen Rat erhalten: Nachdem er festgestellt habe, ob der Rahm auf dem Feuer wie gewöhnlich überlaufe oder nicht, müsse er einen Kessel voll Wasser sieden, geweihtes Salz hineingeben, das Geschirr damit fest ausbrühen und mit geweihten Rauten, die am Dreissigsten - also zu Mariä Himmelfahrt (15. August) oder Mariä Geburt (8. September) - geweiht worden waren,258 stark ausreiben. Im übrigen galt auch bei diesem Problembereich der zauberische Einfluss zumeist erst recht als erwiesen, wenn die Schwierigkeiten durch den Einsatz geistlicher Mittel behoben werden konnten. 
VERGLEICH MIT NACHBARN Verdächtig erschien es, wenn sich der eigene wirt- schaftliche Erfolg bei vergleichbaren Voraussetzun- gen über längere Zeit - mitunter auch über Jahre hindurch - von demjenigen der Nachbarn oder eines bestimmten Nachbarn merklich unterschied. Es war für viele Leute unverständlich, dass Kühe verschiedener Besitzer im selben Stall unterschied- liche Milchleistung erbrachten. Wie konnte es ge- schehen, dass von zwei Bewohnern desselben Hau- ses, die ihre Tiere im gleichen Stall hielten, der eine immer Glück hatte, dem anderen jedoch nichts gelang? Warum vermochte jemand aus seinem ei- genen Tierbestand weder Pferde noch Kühe gross- zuziehen, während die Jungtiere fremder Leute im- mer gediehen? Auch dass der Nachbar gut schmalzen konnte, man selbst jedoch nicht, führte manch einer darauf zurück, dass ihm der Ertrag auf magische Weise entzogen wurde. Den Beweis dafür fand ein Schaa- ner Bauer darin, dass ein Nachbar, der ursprüng- lich mit derselben Zahl an Kühen drei- oder vier- mal mehr Schmalz gewonnen hatte, nach dem Ein- satz geistlicher Mittel viel weniger als er erzeugen konnte. Eine andere Möglichkeit, den grossen Schmalz- ertrag eines Nachbarn zu erklären, bestand in der Annahme, dass sich dieser übersinnlicher Kräfte bediente, ohne anderen Leuten zu schaden. So er- zählte Lena Ospeltin von Maria Beckin am Triesen- berg herum, sie habe ein verdächtiges Wesen in Haus, das ihr schmalzen helfe. Laut Salzburger Rechtsgutachten handelte es sich dabei um ein schwarzes Männlein hinter dem Herd; Dr. Welz be- richtete vom höchst seltsamen Wirken eines schwachen maidlin[s], daß ihr schmalzen helffe. Auf magische Ursachen führte man es unter Umständen zurück, wenn eine gute Kuh nach der Verpachtung weniger Milch gab, nach der Rück- kehr zum Eigentümer jedoch wieder die alte Lei- stung erbrachte. Leicht erklärbar erschienen übri- gens allerlei Serienunglücke bei Leuten, die in der Nachbarschaft suspekter Personen lebten. 54
        

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