SPEISEN UND GETRÄNKE 
PROBLEME MIT KINDERN Speisen und Getränke, die man von verdächtigen Menschen erhalten hatte, boten häufig Gründe für Unterstellungen. Man vermutete oft, dass die Le- bensmittel von den Hexenleuten vergiftet worden waren. Bezeichnenderweise lautete der oft ge- brauchte lateinische Ausdruck für Hexe «venefica», also Giftmischerin. Aus Angst vor magischer Schädigung verzehrte mancher geschenkte Speisen - wie etwa Küchle oder Brote - lieber nicht, sondern warf sie den Tie- ren vor. Wenn dann die Hühner eingingen oder die Katze erkrankte, war der Beweis gegen die ver- dächtigte Person erbracht. Manchmal war man jedoch gezwungen, be- stimmte Getränke oder Lebensmittel zu konsumie- ren. Wurde jemand zum Trinken eingeladen, hätte die Ablehnung mitunter eine schwere persönliche Kränkung bedeutet. Diese Situationen galten als besonders heikel. Folgte auf die Einnahme eines Getränkes, die auf diese Weise erzwungen worden war, eine Krankheit oder ein anderer ausserge- wöhnlicher Zustand, lag der Argwohn nahe. Einen besonderen Fall führte Ulrich Walch an. Er soll ein- mal seinen Wein mit demjenigen Michael Becks aus Schaan gemischt haben, woraufhin er so bezecht gewesen sei wie sein Lebtag zuvor und danach nicht mehr. Auch der Brauch, dass man Frauen Speisen und Wein zur Stärkung ins Kindbett brachte, hatte bis- weilen schlimme Folgen. Gefährlich war es vor al- lem, wenn die Besucherin - wohl aus guter Absicht - selbst nicht vom mitgebrachten Wein trank und sich bei der Kindbetterin nach dessen Genuss ge- sundheitliche Probleme einstellten. Umgekehrt entstanden ebenfalls bedrohliche Situationen, wenn man jemandem bestimmte Le- bensmittel nicht gerne oder gar nur unter Zwang überlassen hatte. Wenn daraufhin eine Krankheit auftrat, bildete diese für viele Leute eindeutig eine Folge der Missgunst. 
Ähnlich wie die Kindbetterinnen stellten auch die Kinder besonders gefährdete Opfer von vermeintli- chen Hexenpersonen dar. Sie konnten dadurch ge- schädigt werden, dass man ihnen magische Mittel ins Bettchen legte. Katharina Gassnerin vom Trie- senberg soll dort einen Gegenstand in der Länge eines männlichen Fingers versteckt haben, der aus Haaren sowie schwärzlichem Federflaum bestand und wie ein gefatschtes Kindlein aussah. Sehr gefährlich war es, wenn eine bestimmte Person ein Kleinkind in den Arm oder auf den Schoss genommen hatte und dieses bald darauf erkrankte. Auch wenn man sich über ein Kind lobend ausgesprochen hatte und diesem bald dar- auf etwas zustiess, entstand schnell der Verdacht, es sei von der betreffenden Person aus Neid ge- schädigt worden. Kinder galten jedoch nicht nur als Objekte magi- scher Schädigung, sondern bildeten selbst die Ursache mannigfacher Schwierigkeiten. Sogar un- bedachte Äusserungen und Handlungen kleiner Kinder, die im Zusammenhang mit magischen Belangen standen, wurden mitunter sehr ernst ge- nommen. Wegen des vierjährigen Hans Jörg Mar- xers aus Ruggell wandten sich die Dorfgenossen mit der Vermutung an einen Gerichtsmann, das Kind habe etwas von seiner verbrannten Gross- mutter gelernt, denn es hatte sich auf einen Pflug gesetzt und erklärt, so ritten die Hexen. Das Kind blieb auch bei den heiligen Messen nicht in der Kir- che, sondern lief hinaus und trieb allerhand Pos- sen. So war es beispielsweise zum Gespött der ganzen Gemeinde auf einem Schwein geritten. Ein anderes Kind erklärte, es habe gute Milch von einer Maus gemolken. Ein weiteres erzählte herum, dass die Mutter Mäuse machen könne. Der Ausdruck «Mäuse machen» bezeichnete ursprüng- lich nicht die Produktion von Tieren, sondern lei- tete sich vom mittelhochdeutschen «misel» her, was eine Abkürzung von «miselsucht» (Aussatz) bildete.255 50
        

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