«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER Spielmann ab; auch alle seine Gebärden bezeugten für die meisten Leute nichts Gutes. Ihm wurde vor- gehalten, dass er in der Kirche nur das halbe Kreuz machen konnte und niemanden recht anzuschauen pflegte. Bei Hans Walser, dem Knecht des Waibels in Eschen, wurde der schlechte Ruf mit seiner Physio- gnomie in Zusammenhang gebracht. Man schloss vom Aussehen auf den schlechten Charakter des Menschen. Von den heutzutage viel kolportierten roten Haaren oder ähnlichem ist dabei jedoch nir- gends die Rede. UNTERLASSENE VERTEIDIGUNG UND INDIREKTE SELBSTBEZICHTIGUNG Gegen die Entstehung eines schlechten Rufs muss- ten sich die Betroffenen, wenn dies möglich war, sofort zur Wehr setzen. Unterliessen sie eine Ent- gegnung auf eine Beschimpfung oder einen Vor- wurf, konnten sie dadurch später schwer belastet werden. So galt es etwa als sehr verdächtig, wenn jemand «Saureiter» genannt wurde, ohne dass er sich dagegen wehrte. Selbst wenn man sich nur defensiv gegen Be- schuldigungen verteidigte, konnte dies mitunter gefährlich werden. Maria Lampartin zum Beispiel hatte auf eine Bezeichnung als Hexe damit geant- wortet, dass dann auch die Frau des krummen Schneiders Michael Walser und die Frau Hans Becks - gemeint war wohl Lena Lampartin - Hexen sein müssten. Indirekt bezichtigte sich Maria Lam- partin dadurch selbst. Ein klarer Fall von Selbstbezichtigung bildete für Jakob Heb aus Ruggell eine Reaktion der Euphemia Hopp. Als sie darauf angesprochen wurde, dass sich Hebs Frau auf deren Hochzeit eine Krankheit geholt hatte, habe sie die 
Hoppin zu dem teüffel gewisen, der ihr helffen solle, worüber daß weib auch genesen sei. 
UMGANG MIT VERDÄCHTIGEN MENSCHEN Stand jemand im Ruf der Hexerei, wurde er als Urheber verschiedenster Unglücksfälle verdächtigt. Der Kontakt mit solchen Leuten war besonders dann gefährlich, wenn man ihnen wie beim Lausen Zugriff auf den eigenen Körper gewährte. Eine Frau, die sich von der suspekten Elsa Schedlerin am Kopf lausen lassen hatte, soll dadurch ganz närrisch geworden sein. Auch Maria Kaiserin aus Eschen musste es bereuen, dass sie eine Frau im Kindbett gelaust hatte. Von dieser wurde sie näm- lich später, wie es gegenüber Hexen üblich war, ge- beten, das verursachte Übel wieder zu «wenden». Die Kaiserin verwies die Kranke jedoch an die Ka- puziner, die allein ihr helfen könnten. Als sich durch deren Wirken tatsächlich eine Besserung einstellte, wurde die Kaiserin nicht minder stark verdächtigt. Probleme, die auf den Umgang mit zauberischen Personen zurückgeführt wurden, mussten nicht unmittelbar nach dem Kontakt mit ihnen eintreten. Magdalena Millerin soll erst vier Tage danach nächtens im Bett von Mäusen überfallen worden sein, die sich nicht vertreiben Hessen, sondern sich sogar bis zu ihrem Kopf vorarbeiteten. Erst das Gelöbnis, eine Messe für die ärmste Seele im Fege- feuer zu bezahlen, soll sie dann schlagartig von der Qual erlöst haben. Dem Umgang mit verdächtigen Leuten wurden nicht nur körperliche Schäden zugeschrieben. Eine Frau aus Eschen war zum Beispiel vollkommen überzeugt - sie wollte sogar darauf sterben -, dass ihr Garn auf dem Webstuhl nach dem Besuch der Maria Blaicherin reihenweise auf Grund magischer Einwirkung gebrochen sei. Nachdem sie ihn aus- segnen lassen hatte, soll er nicht mehr abgerissen sein. Der Ausdruck «man wolle auf etwas sterben» verstärkte eine Anschuldigung, denn eine belasten- de Aussage galt als besonders schwerwiegend, wenn sie jemand selbst auf dem Totenbett nicht wieder zurückzog. 49
        

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