«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER EXKURS: AUSWIRKUNG DES LIECHTEN- STEINISCHEN HEXENTREIBENS NACH VORARLBERG Es ist davon auszugehen, dass die Vorgänge in der Nachbarschaft von breiten Schichten der Bevölke- rung in den österreichischen Herrschaften vor dem Arlberg wahrgenommen wurden. Zahlreiche Un- tertanen werden sich dabei - zumindest zeitweise - ähnliche Hexenverfolgungen wie in Vaduz und Schellenberg gewünscht haben.242 Bei den «Brüglerischen Prozessen» vom Früh- jahr 1679 kam es sogar zu einer direkten Ausdeh- nung der vaduzischen Verfolgungen auf öster- reichisches Territorium. Ungefähr am 20. Mai hat- ten nämlich der Frastanzer Waibel und die örtli- chen Geschworenen von der Obrigkeit den Befehl erhalten, Gerold und Christian 
Negele an orth und endt, wo solche zu betretten, gefenckhlich anlzu]- nemen, damit weitere gebür gegen ihnen vorge- nommen werden khonne. Gerold Negele war wegen Hexereiverdachts in Vaduz gefangen gewesen, hat- te sich 
aber mit der flucht ledig gemacht; sein Vet- ter Christian war vor der Verhaftung geflohen.243 Die Fahndung, an der sich zahlreiche Leute betei- ligten, konzentrierte sich auf die Häuser der Ge- schwister Jakob, Christian und Magdalena Hart- mann, denn Christian Negele war der Sohn Magda- lena Hartmanns und Gerold Negele der Sohn ihrer Schwester. Beide Frauen waren Schwestern des Schaaner Kaplans Gerold Hartmann, den man der Zauberei beschuldigte. Nachdem man eines frühen Morgens bei der Suche 
in allen gemachem der pargen (Heustadel) der Umgebung niemanden gefunden hatte, kam es auf Gafardura244 im Haus der Magdalena Hartman- nin zu einem schweren Zwischenfall: Lorenz Nigg, einer der Fahnder, hatte die Hausherrin mit dem blossen Säbel bedroht, ihren Kopf auf einen Trog niedergedrückt, den blanken Säbel daraufge- halten und 
gesagt: Du bist ein hex. Ich het ein lust, ich hawte dir den khopf ab. Die verschreckte Hart- mannin floh in den nahen Wald. Daraufhin bedien- ten sich die Fahnder im Haus an Gerätschaften, Geld und Lebensmitteln wie Fleisch 
und alpkheß; 
ja sie kochten sich 
sogar eine khrazete, warfen Eier herum, erbrachen Laden, zerschlugen das Weih- wasserkesselchen und nahmen noch etliches mit. Mang Müller konnte auch bezeugen, dass Nigg al- les das wiederholt 
habe, was die obern von Schaan von den Hartmanischen ehrlez: und spötlich geredt hatten. Diese Angelegenheit kam auf Betreiben Christi- an Hartmanns und seiner Schwester Magdalena am 3. Juni 1679 vor das Gericht des Bludenzer Vogteiverwalters Johann von Grenzing. Da Nigg fast die ganze Schuld auf Christoph Anger und Tho- mas Lampart abwälzte, wurde eine zweite Zeu- geneinvernahme zu einem anderen Termin nötig, von der keine Unterlagen mehr vorliegen.245 In einem anderen Fall im Sommer 1679 sahen sich die adeligen Familien von Furtenbach und von Pappus aus Feldkirch gezwungen, sich durch einen Anwalt des Stadtammanns Andreas Fröwis auch in dessen Namen vor dem Vaduzer Gericht gegen eine Verstrickung in die Hexenverfolgungen zur Wehr zu setzen. Er klagte gegen den Schaaner Maurer Christian Zindt, der von einer Verdächtigung der Elisabeth Hartmannin, der Ehefrau des Färbers Christoph Quaderer, gehört und kräftig für ihre Verbreitung gesorgt hatte. Als ein Teil des Kirch- volks nach dem Kreuzgang am Agathentag (5. Feb- 237) VLA HoA 76,17. 238) Ebenda; der zitierte Mandatsentwurf ist nur unvollständig erhalten. 239) VLA HoA, 76,17. 240) Gemeindearchiv Schaan, Urkunde Nr. 145. 241) Seger, Hexenprozesse, S. 66; vgl. auch Seger, Bodman, S, 193-195. 242) Vgl. dazu Tschaikner, Magie und Hexerei, S. 223, und ders., Herrschaften vor dem Arlberg, S. 644. 243) Er wurde später bei der Rückkehr nach Hause in Feldkirch gefangengenommen und 1680 hingerichtet. 244) Gavidura. auf der Ostseite des Saminatals hinter Bazora: Vor- arlberger Flurnamenbuch, S. 170, Nr. 168. Er wurde später bei der Rückkehr nach Hause in Feldkirch gefangengenommen und 1680 hingerichtet. 245) VLA Vogt.arch. Bludenz 47/519. 45
        

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