«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER indem sie einige Ziegel entfernte. Von dort hatte sie sich mit einigen zusammengebundenen Lein- tüchern an der Mauer hinabgelassen.154 Nach der Flucht aus dem Schloss, das sich übri- gens in einem schlechten Bauzustand befand,155 liess sie den in Feldkirch ansässigen kaiserlichen Notar Johann Conrad Haim zu 
ihrer ehren defen- dierung am 4. Dezember 1680 
eine revocation, protestation, contradiction, provocation und reser- vation verfassen und am nächsten Tag dem Vadu- zer Landvogt sowie seinen Beamten zustellen.156 Bald darauf wurde Valentin von Kriss, Kämme- rer des Kapitels unter der Landquart und von 1664 bis 1692 Pfarrer zu Triesen,157 vor Ort gegen die Hexenprozesse aktiv. Nachdem er erfahren hatte, dass Katharina Gassnerin aus seiner Pfarrei zu- sammen mit vier oder fünf anderen Delinquenten in den Tagen nach ihrer «Besiebnung», welche am 16. Dezember erfolgt war, auf dem Richtplatz ver- brannt werden sollte, rief er den Ehemann der Gassnerin sowie zwei ihrer Brüder zu sich und ver- langte von ihnen, dass sie sich für das Leben der Frau einsetzten. Zu diesem Zweck übergab er ihnen einen Brief mit etwas Geld, den sie zum kai- serlichen Notar nach Feldkirch158 bringen sollten. Die Männer weigerten sich jedoch und baten ihn dreimal um 
Verzeihung, sye köndten undt wolten sich der sach nicht annemmen, indem sye in groß unglückh gerathen möchten. Der Pfarrer hingegen antwortete, sie sollten seiner Aufforderung nur nachzukommen, wan eß gefehlet seye, so wolle ers selbs verantworten. Er habe den handel angefan- gen, wolle es auch außmachen. Der Feldkircher Notar verfasste daraufhin ein Protestschreiben gegen die Prozesse und Exekutio- nen, weilen der 
Pfarrer erweisen wolle, daß sie Catharina Gassnerin sine fundamento ad captu- ram gezogen, wider alle recht torquirt und umb unschuldt zum todt condemniret werde. Weiters er- bot sich Valentin von 
Kriss, ihre unschuldt sonnen- clar an tag zuegeben. Dieses Dokument übergaben der Notar und zwei Verwandte der Gassnerin dem Vaduzer Gericht gerade zu dem Zeitpunkt, als man die Verurteilten zur Richtstätte führen wollte. 
Pfarrer von Kriss soll ursprünglich auch noch noch proprio nomine wegen aller ibrigen malefi- canten protestieren wollen haben. Wegen einer dafür 
verlangten caution, mit der er die dadurch verursachenden cösten hätte abdecken müssen, habe er davon schweren Herzens abgesehen. Des- halb wurde 
schliesslich mit denen ibrigen ad exe- cutionem geschriten. Bei diesen letzten Todesop- fern, welche die vaduzischen Hexenverfolgungen forderten, handelte es sich um Christina Wagne- rin aus Schaan, Georg Nigg aus Triesen sowie Peter Ospelt, Maria Ospeltin und Maria Schleglin vom Triesenberg. Für sie kam der einsetzende Wider- stand zu spät. Die Gassnerin aber liess 
man cum reprotestatione zur abwendung aller ungleichen reden im Gefängnis.159 Am 17. Dezember 1680160 - also praktisch zur selben Zeit, als der Einspruch gegen die Hinrich- tung der Gassnerin veranlasst wurde - wandten sich Valentin von Kriss und fünf weitere Personen, die aus Angst vor der grausamen Tortur 
sich von weib undt kindern in daß elend zubegeben getrun- gen worden waren, in zwei gesonderten Eingaben an die Oberösterreichische Regierung in Innsbruck. Sie baten darum, ihre Beschwerden über die unge- bührliche Vorgangsweise bei den Hexenprozessen in der Grafschaft Vaduz und der Herrschaft Schel- lenberg zuerröttung sovil unschuldigen blueths an den Kaiser weiterzuleiten. Darüber hinaus ersuch- ten die fünf Geflohenen um 
die abstellung der geclagten Inquisition und um die Gewährung der landtssicherhait auf österreichischem Territo- 154) StAAug 2969, fol. 37a. 155) StAAug 2972, fol. 55b+56a; Kaiser, Geschichte, S. 448; Ulmer, Burgen, S. 908. 156) StAAug 2971, fol. 26a. 157) Zu seiner Person vgl. Büchel, Pfarrei Triesen, S. 65-74. 158) Im Original wird Vaduz angegeben. Aus einer anderen Stelle geht eindeutig hervor, dass nur Feldkirch gemeint sein konnte. 159) ÖStA Deneg. Ant. 96; StAAug 2971, fol. 18a+b. 160) Datierung nach Seger, Hexenprozesse, S. 57. 27
        

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