HISTORISCHER VEREIN FÜR DAS FÜRSTENTUM LIECHTENSTEIN 1996 Eine erste Durchsicht der botanischen Proben von Balzers durch Marianne Petrucci-Bavaud vom Archäobotanischen Institut der Universität Basel brachte eine grosse Vielfalt an Getreidesorten zum Vorschein - Emmer, Dinkel, Nacktweizen, Gerste, Roggen, Hirse und Hafer. Ausserdem konnten Lin- sen, Ackerbohnen, die Gewürze Dill und Koriander sowie Wal- und Haselnüsse nachgewiesen werden. Da bei einer der Proben ausschliesslich Winter- ackerunkräuter vorkommen, ist anzunehmen, dass wir hier die Reste einer Ernte des Winteranbaus vor uns haben. Desweiteren erfolgte eine erste Bestimmung der insgesamt 99 Münzfunde durch Hansjörg Brem, Kantonsarchäologie Thurgau. Es sind Münzen vom 2. bis zum 4. Jahrhundert vorhanden. Der zeitliche Schwerpunkt liegt dabei zwischen 260 bis 360 nach Christus. Durch das hohe Grundwasser und die aggressive Bodenumgebung sind einige der Münzbilder derart stark zerstört, dass die Um- schriften nicht mehr lesbar sind. Die Terra Sigillata und römische Gebrauchske- ramik wird von Verena Hasenbach ausgewertet. Bisher sind an die 400 Einheiten bestimmt. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Schwerpunkt bei die- ser Keramik in der zweiten Hälfte des 2. und in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts liegt. Beachtens- wert ist eine fast vollständig erhaltene Schale aus dem 2. Jahrhundert mit einem Töpferstempel des Pompeianus und einem Graffito des Namen Sil- vinus an der Unterseite. Einige der Metallfunde, wie z. B. der Goldfinger- ring, ein Silberdenar der Faustina Mater und ein Kinderfingerring mit blauer Kamee, wurden im Mi- neralogisch-Petrographischen Institut der Univer- sität Basel unter der Leitung von Professor Stern auf ihre Zusammensetzung hin untersucht. Die Ergebnisse warteten z. T. mit Überraschun- gen auf. So erwies sich die «Silbermünze» als anti- ke Fälschung, die fast kein Silber enthielt und sich bisher noch jedem Datierungsversuch entzieht. Als terminus postquem kann zumindest das Jahr 181 n. Chr. angenommen werden. Der Goldfingerring besteht aus 22-karätigem Gold und aus einem ein- gesetzten weissen Chalzedon. Er datiert ins 3. Jahr-hundert. 
Die Kamee des Kinderfmgerringes wurde aus blauem Glas hergestellt, das einen ungewöhn- lich hohen Anteil an Antimon enthält. Antimon dien- te zur Herabsetzung der Schmelztemperatur des Glases und zur Intensivierung der blauen Farbe. Für die Publikationen und beginnenden Auswer- tungsarbeiten wurden Pläne der römerzeitlichen und neuzeitlichen Grundrisse und Fundkartierun- gen erstellt. Zudem wurde mit der Inventarisierung der Funde und der Feldzeichnungen begonnen. Für die Ausgrabungs- und Schlämmarbeiten wurde im Frühsommer 1996 vom Hohen Landtag ein ausserordentlicher Nachtragskredit bewilligt. BAUÜBERWACHUNG, SONDIERUNGEN UND DENKMALSCHUTZ Wie in den Vorjahren zählte auch im Jahre 1996 die Kontrolle der Bautätigkeit in Liechtenstein zu einer der Hauptaufgaben der Abteilung «Bauüber- wachung». Sämtliche beim Hochbauamt einge- reichten Baugesuche sind im Rahmen dieser Arbeit geprüft und mehrere Aushubprojekte begleitend beobachtet worden. Hervorgehoben seien an die- ser Stelle einzig die Tiefbauarbeiten im St. Mamer- tenweg in Triesen, von welchem aus die Kapelle St. Mamertus mit neuen Leitungen für den Einbau einer Brandschutzanlage versorgt worden ist. Es konnten dabei keine archäologischen Befunde fest- gestellt werden. Überraschend zeigte sich jedoch, dass der Kapellenturm anlässlich der umfangrei- chen Renovation von 1967/68 mit Beton unterfan- gen worden sein muss. Auf eine Fundmeldung hin konnte bei der Bau- schuttdeponie «Saga» in Triesen in einer Tiefe von zirka vier Metern eine Kalkgrube über einer massi- ven Holzkohleschicht dokumentiert werden. Die von Rüfeabgängen überschüttete Anlage lässt sich zur Zeit nicht datieren. Die im Herbst des Vorjahres begonnenen Son- dierungsarbeiten im Stallgebäude auf der Parzelle 166 in der «Specki» in Schaan konnten zum Ab- schluss gebracht werden, ohne dass die Arbeiten neue Erkenntnisse zur Situation des alamanni- 315
        

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