Abb. 2: Balzers, Grabung Vorderseite: Nachahmung «Amtshaus». Antike Fäl- einer Münze des Kaisers schung einer Silbermünze Antoninus Pius (141-161 n. Chr.) mit der Büste der Faustina der Älteren. Rückseite: Stehende weib- liche Figur mit Zepter und Globus. Als Vorbild diente eine Münze des Kaisers Commodus (um 181 n. Chr.). Die Prägungen der Vorbilder liegen damit ca. 20 Jahre auseinander. Abbildung im Massstab 2:1 
Hack- und Schnittspuren aufweisen, Ziegelbruch- stücke, die indirekt eine Wand- und Fussbodenhei- zung belegen, das Bruchstück eines Mühlsteines, drei Spinnwirtel, Getreide, Ackerbohnen und vieles mehr. Diese erstaunliche Vielfalt der Funde wird uns im Laufe der Ausarbeitung noch einige interes- sante Einblicke ins alltägliche Leben der römerzeit- lichen Bewohner in Balzers ermöglichen. Im Laufe der Grabung wurden mehrere Führun- gen veranstaltet, so für Gemeindevorsteher Othmar Vogt und den Gemeinderat von Balzers, für die Per- sonalabteilung der Liechtensteinischen Landes- bank AG, für Mitarbeiter des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck und für mehrere interessierte Balzner. Von Radio L wurde ein Interview mit Mitarbeitern der Archäologie und der Liechtensteinischen Landesbank AG ausge- strahlt. Vom 2. Januar bis 29. Oktober 1996 wurden die Schlämmarbeiten des Erdmateriales der römer- zeitlichen Schichten mithilfe dreier Mitarbeiter mit 170 Prozent Arbeitspensum fortgeführt und been- det. Dabei kamen noch zahlreiche Münzen (83 Stück), pflanzliche Überreste (Wal- und Haselnuss- schalen, gedörrte Früchte, Getreide und Samen), über 40 Glasperlen, zwei Fibeln, zwei Nähnadeln, zwei Fingerringe und eine grosse Menge von Kera- mikfragmenten zum Vorschein. Als besonders in- teressant erwiesen sich einige unscheinbar ausse- hende Keramikstücke, die zum Grossteil aus dem nachrömerzeitlichen Humus stammen. Sie könnten vielleicht das «missing link» zur früh- bis hoch- mittelalterlichen Keramik in Balzers darstellen. Im laufenden Jahr wurden anhand von mehre- ren Gesprächen und Kontaktnahmen erste Bestim- mungen in Auftrag gegeben, so die Molluskenfunde (Schnecken und Muscheln), die durch Ulrich Schneppat von Naturmuseum in Chur bearbeitet werden. Als beachtenswertes Detail kann der Fund der Dicken Flussmuschel (Unio crassus ssp.) her- vorgehoben werden, der belegt, dass diese Mu- schelart schon seit der Römerzeit und nicht erst, wie bisher vermutet, seit neuerer Zeit im Gebiet von Liechtenstein beheimatet war. 314
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.