ben kleiner als die übrigen Obstbäume und ermög- lichten dadurch eine kürzere Reifezeit der Früchte und höhere Erträge. Mit verstärktem Interesse wurde seit dem 16. Jahrhundert auch die Pomologie, die Lehre von den Obstsorten und vom Obstbau, betrieben. Deren erklärtes Ziel war es, die bekannten Sorten wissen- schaftlich genau zu beschreiben, sie botanisch ein- zuordnen, zu systematisieren und zu klassifizieren. Ein weiteres Streben galt der Zucht möglichst vieler verschiedener Früchte. Die Vererbungslehre von Pater Gregor Mendel28 lieferte die theoretische Wis- senschaftsbasis dazu. Abb. 7: Reife Kulturbirnen der Sorte «Gute Luise» (Pyrus communis). Diese wurde zum ersten Mal 1778 in der Normandie gezüchtet und 1796 durch Pfarrer Sickler für den deutschen Raum beschrie- ben 
SCHRIFTLICHE QUELLEN AUS LIECHTENSTEIN Zu den ältesten bekannten Schriftquellen, in der Obst indirekt für das Gebiet des heutigen Liechten- steins erwähnt wird, zählt ein Kaufvertrag aus dem Jahre 933. Darin werden Baumgärten (Obstgärten?) in Ruggell als Teil des Besitzes genannt.29 Eine Urkunde von 1398 belegt den Verkauf eines Zinses vom Eigentum eines Kuntz im Holtz und sei- ner Frau Agnes, wohnhaft «by der Nüwen Schel- lenberg», an den Stadtschreiber von Feldkirch und dessen Frau. Bei der Beschreibung seines Besitzes erwähnt Kuntz auch «den Bomgarten der zu der sel- ben Schellenberg gehört».30 Peter Kaiser zählt in seiner Chronik für die Zeit um 1500 folgende landwirtschaftliche Erzeugnisse der Region auf: «Weizen, rauh Korn31, Haber, Ger- ste, Fench, Hirse, Bohnen, Kraut, Rüben und viel Hanf. Der Weinbau, wie die Obstbaumzucht waren beträchtlich, desgleichen die Viehzucht.»32 In liechtensteinischen Urkunden sind auch einige direkte Hinweise auf die Kultivierung von Birnen zu finden. Obwohl diese Schriftstücke mindestens 200 Jahre jünger sind wie die Funde von der «Unteren Burg», kann angenommen werden, dass Obst, und damit auch Birnen, regelmässig zum Speiseplan der mittelalterlichen Einwohner der Gegend gehörte. In einem Brief vom 30. April 1584 wird über die Zuteilung verschiedener Weide- und Nutzungs- rechte zwischen Triesnern und Triesenbergern ent- schieden. Darin heisst es unter anderem: «Was aber nuß, kriesy, 
öpfel, bieren unnd dergleichen ops- wächs33, so ob den angezaigten marckhen gelegen unnd erwachßen würdet, betrifft, das sollen unnd mögen die am Tryßnerberg allainig nutzen unnd nießen.»34 In einer jüngeren Urkunde vom 9. August 1596 kommt es zu einem Schiedsspruch zugunsten der Gemeinde Planken gegen Schaan und Vaduz be- treffs des Obstleserechts in der Allmeind an der Grenze zur Herrschaft Schellenberg: «...waß ober- halb der jetzgedachten Landtstraß gegen den berg stet, aller handt obbs, es 
seien biren, öpfel, kriechen, nuß oder annders dergleichen, schütten, lesen und 262
        

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