FORSCHUNGSGESCHICHTE In den Jahren 1930 und 1931 wurde 500 Meter von der Ruine entfernt ein Münzschatz entdeckt,9 des- sen Münzen hauptsächlich ins 14. und ins 15. Jahr- hundert datieren und vielleicht mit der Hauptbele- gungszeit der Burg in Zusammenhang stehen. Die jüngste Münze, ein Sigismundkreuzer - geprägt um 147010 - legt die Verbergung der Münzen in dieser Zeit nahe.11 Durch zahlreiche Einzelfunde, deren älteste Stücke dem jüngeren Neolithikum (Ende 5./4. Jahr- tausend v. Chr.) zugeordnet werden können, wurde David Beck auf die Fundstelle aufmerksam. Er ver- suchte 1954 mittels einiger Sondierschnitte die urgeschichtliche Besiedlung des Platzes zu ergrün- den.12 Doch die mittelalterliche Überbauung hatte die prähistorischen Schichten derart gestört, dass keinerlei Siedlungsstrukturen mehr vorhanden waren. Nur neolithische und bronzezeitliche Kera- mikfragmente sowie Steinartefakte wiesen auf die Anwesenheit von urgeschichtlichen Menschen auf der Hügelkuppe hin. Die Burganlage wurde in den Jahren 1978 bis 1980 in mehreren Grabungsetappen untersucht. Mit den Ausgrabungen war Jakob Bill im Auftrag des Historischen Vereins für das Fürstentum Liech- tenstein betraut.13 Während sich überraschende Resultate in Hin- blick auf die Anfänge der mittelalterlichen Bauten ergaben, konnten in Bezug auf die urgeschichtliche Besiedlung keine neuen Erkenntnisse erbracht wer- den. Bei einer ersten Sichtung des Fundmaterials während der Ausgrabungen stellte sich heraus, dass die bisherige Bezeichnung «Alt-Schellenberg» irreführend war. Die Funde sprachen für eine spä- tere Entstehungszeit der «Unteren Burg» als bisher angenommen. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei der in Luftlinie zirka 900 Meter entfernten «Neu- Schellenberg», der zweiten Burgruine auf Schellen- berger Gemeindegebiet, aufgrund ihrer Funde ein- deutig um die ältere Anlage. Die Namensverwechs- lung zwischen «Alt»- und «Neu-Schellenberg» muss erst im Laufe des 18. Jahrhunderts geschehen sein. In der Heber-Karte von 1721 wurden noch die rich-tigen 
Bezeichnungen «das fordere alte Schlos» für die «Obere Burg» und das «Hindere Schlos» für die «Untere Burg» verwendet.14 Aufgrund der neuen Erkenntnisse wurden vom Ausgräber die neutralen Bezeichnungen «Untere Burg» und «Obere Burg» eingeführt. Einen Hauptanteil der mittelalterlichen Funde aus der jüngeren Grabung stellten die verschiede- nen Ofenkacheln dar. Zu den ältesten Stücken gehören unglasierte Becherkacheln. Sie datieren in die 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts und wurden nur im Bereich des frühesten Gebäudes im Innenhof der Burganlage entdeckt. Aus der Zeit des Ausbaues im 14. Jahrhundert stammen grün glasierte Napfka- cheln und Kranzkacheln mit Kopfaufsatz. Des Weiteren kamen fünf Münzen, Zierbleche, Nägel, Gürtelschnallen, Spielzeugfiguren, Gebrauchs- keramik, zahlreiche Glasbecherfragmente, Schlüs- sel, Türangeln und -bänder, Waffen in Form von Armbrustbolzen, Pfeileisen und Lanzenspitzen, ei- nige Messer, ein Dolchfragment, Sporen und Huf- eisen sowie Tierknochen und Überreste von Birnen zum Vorschein. Alle Funde datieren vom 13. bis zum 15. Jahrhundert. Die Tierknochen wurden von Robert Mittelham- mer im Rahmen einer Dissertation an der Univer- sität München bearbeitet. Seine Interpretation der Zusammensetzung der Knochenfunde lässt auch interessante Schlüsse auf die Birnenfunde zu. Dem- nach scheinen die Bewohner der «Unteren Burg» «weitgehend von Abgaben, beziehungsweise Liefe- rungen aus der bäuerlichen Umgebung gelebt zu haben, während die Bewohner der  von einem in der Nähe liegenden Bauernhof belie- fert worden sind».15 256
        

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