Die Küche ist als roher Strickbau konstruiert und vom Küchenrauch stark verpecht. Früher war sie wohl bis zum First offen, die Decke wurde erst sekundär eingezogen. An Stelle einer früheren Lei- ter befindet sich heute eine Treppe ins Oberge- schoss zu den Schlafräumen. Die offene Herdstelle in der Küche ist wohl wegen des seit 30 Jahren musealen Charakters des Gebäudes rekonstruiert (Abb. 30), entspricht aber den gängigen Herdstel- len solcher Bauten. Die primäre, heute verschlosse- nene Türe zur Nebenkammer hat ein gotisches Türgericht mit einem Türblatt in der Art der Spät- gotik/Renaissance. In der Stube finden sich Wände aus gestemm- tem Täfer in Biedermeierart aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die talseitigen Westfenster sind als gekuppelte Reihenfenster für Butzenschei- ben konstruiert. Die heutigen Sprossenfenster wur- den wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahr- hunderts angeschlagen. Aussenseitig befindet sich ein mit Holzdübeln gehefteter Zugladenkasten in Biedermeierart. Das südseitige Sprossenfenster stammt vermutlich ebenfalls aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch die Nebenstube ist in Biedermeierart ge- täfert, die Tür und das Fenster wurden wohl um 1900 erneuert, heute ist diese Kammer als Schlaf- gemach eingerichtet. Im Obergeschoss befindet sich über den beiden Räumen des Erdgeschosses eine grosse Kammer, genannt «Dili», die von der Stube aus beheizt wer- den konnte. Vom sogenannten «Brüggli», der Vorzone, führt eine Leiter in die «Obrdili», den First-Dachraum, wo unter anderem das im Herbst gesammelte Bett- laub gelagert wurde, seitlich gelangt man in die über den Anbauten gelegenen Dachräume, wovon derjenige über der Laube wie jener unter dem First mit einem Fenster versehen ist und wohl als Sticke- reilokal diente. Dank seiner Verwendung als Museum ist das ganze Gebäude in gutem Zustand und wird gut un- terhalten. 
HAUS NR. 48, «BEI DER MULI», LITZI Das zweite näher betrachtete Objekt liegt in der Flur Müh im Ortsteil Litzi. Es wird auch als «Müli- hus» bezeichnet, der Name und die Flurbezeich- nung stammen von der nahegelegenen Mühle, mit der das Objekt selbst aber nichts zu tun hat. Wie beim Haus Nr. 19 handelt es sich auch beim Standort von Haus Nr. 48 um einen steilen West- hang, was für den Keller die gleichen Konsequen- zen hat, nämlich ein Herausragen und einen direk- ten seitlichen Zugang. Die Firstachse liegt auch hier in der Hangfallinie. Wie auf der Westfassade deutlich vermerkt, wur- de das Haus 1801 von einem Johannes Schlegel, Organist, als zweigeschossiges Wohnhaus erbaut. Das Gebäude beruht auf der bereits ausführlich dargelegten zweiraumtiefen Typologie, nach der zu dieser Zeit im gesamten Rheintal gebaut wurde. Auf dem aus Rüfesteinen massiv gemauerten Kellergeschoss ruht der Gwettkopf-Strickbau in Kanthölzern. Die Binnenwände sind durchgezäpft. Im Gegensatz zum Haus Nr. 19 auf Üenaboda ist die hintere Raumschicht im Erdgeschoss (Küche und Vorhaus) massiv gemauert, bei der Südfassade bilden die stehenden Türrahmen den Abschluss des gemauerten Teiles. Das Obergeschoss ist voll- ständig als Strickbau aus Kanthölzern ausgeführt. Das Dach war vor der Renovation tiefer gelegen, weist aber noch dasselbe Konstruktionsprinzip eines Pfetten-Sparrendaches auf stehendem Stuhl auf, die Pfetten sind erhalten geblieben, ebenso das Giebelfeld mit der erwähnten Inschrift. Unüblicherweise wurde bei diesem LIaus um die Jahrhundertwende berg- und nicht traufseitig ein Schopf angebaut, dies trotz der steilen Hangsitua- tion. Die so ins Gebäudeinnere zu liegen gekomme- ne Ostfassade ist heute noch mit Fenster erhalten und ermöglicht es, den alten Baukörper abzulesen. Da dieses Haus, das unter Denkmalschutz steht, für Wohnzwecke 1981 renoviert wurde und dabei nebst dem Ersetzen des morschen Stubenbodens durch eine Beton/Holzkonstruktion auch die an- deren Raumhöhen und -einteilungen inklusive Kel- ler, Schopf und Treppen beträchtlich verändert 242
        

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