SIEDLUNGS- UND BAUFORMEN DER LIECHTEN- STEINER WALSER / THOMAS ZWIEFELHOFER So waren aus in der Ebene tätigen Bauern all- mählich Bergbauern geworden, zugleich wurden aus Westgermanen Schweizer, Berner und schliess- lich Walliser. Aber bereits im 12. Jahrhundert war für die Walliser im Rhonetal der Boden wieder zu knapp geworden und in drei Himmelsrichtungen ging die Auswanderungswelle weiter (Abb. 5). Diese Walli- ser, die zu jener Zeit das Rhonetal verliessen, be- zeichnet man nun erstmals als «Walser». Jenseits des Monte Rosa, des Simplons, des Gries- und Theodulpasses die eine Gruppe, eine andere über den Furkapass ins Urserental und weiter über den Oberalppass ins Vorderrheinische, verbreiteten sich die Walser immer weiter, ein Teil zog sogar wieder nach Norden ins Berner Oberland zurück. Damit war die Walserbewegung noch nicht am Ende, sondern bald machten sich aus den Tochterkolonien erneut einige Familien auf und zogen weiter. Während die Berner Oberländer bis in die Jurahöhen weiterzogen, erreichten die nord- östlichen Walser nicht nur das obere Tessin, son- dern auf verschiedenen Wegen auch um 1250 den sogenannten Rheinwald im Hinterrheingebiet. Von hier aus wurden in den nächsten 150 Jahren im gesamten Graubünden Neusiedlungen mit bis zu fünf Ablegern gegründet (vgl. Abb. 6). Von der Rheinwälder Gruppe unterscheiden sich jene Walser, die wohl nach 1270 in Davos einge- wandert sind. Während die Rheinwälder Walser wie die Walliser aus dem Goms sprechen, haben die Davoser Walser einen Dialekt wie die Walliser unterhalb Brigs. Die Fachwelt ist sich deshalb ei- nig, dass es sich bei der Besiedlung von Davos um Zuzüger direkt aus dem unteren Deutschwalliser Siedlungsgebiet handelt. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte zog ein Teil der Davoser Walser in das Prättigau weiter, einige Hessen sich schliesslich in der Nähe von Maienfeld auf Rofels und oberhalb der St. Luzisteig in Guscha nieder. Noch heute zeugt ein sog. «Walser Rathaus» im Weiler Rofels ob Maienfeld von dieser Besied- lung, deren Bewohner im Verlauf der Zeit von der ansässigen Bevölkerung assimiliert wurden. In ei- nem zum Weiler Guscha gehörigen Berghof spielt 
sich bekanntermassen auch die Geschichte «Heidi» von Johanna Spyri ab. Entweder entlang dem Rheintal oder von oben über das Barthümel- und das Bettlerjoch ins Mal- bun zogen dann die ersten Walser vermutlich kurz nach 1280 in das Gebiet von Triesenberg ein, also ins heutige Liechtenstein, und vereinzelt weiter in das benachbarte Planken. Mit dem Erreichen des grossen und kleinen Walsertales, dem Montafon und den Höhen über dem Bodensee im heutigen Vorarlberg fand schliess- lich diese «späte Völkerwanderung»5 gegen Mitte 5) Zinsli (1986), Kapitelüberschrift auf S. 17 ff. Abb. 6: Obermutten. Haufenförmige Walser- siedlung ob Thusis/ Tiefencastel. 219
        

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