fast überall lassen sich auch in Liechtenstein gene- relle Normen des Zigeunerrechts relativ leicht fest- stellen; allenfalls gibt es noch Dienstanweisungen an Vollzugsbeamte. So typisch wie die festgestellten Quellen zum Zigeunerrecht in Liechtenstein ihrem Inhalt nach waren, so typisch ist auch nach dem ersten Eindruck die Quellenlage, was die konkrete Anwendung dieses Zigeunerrechts anlangt: Es wäre von grossem Interesse zu erfahren, auf wel- che Art und in welchem Umfang die berichteten zi- geunerrechtlichen Vorschriften in concreto zur An- wendung gelangt sind. Es ist bezeichnend für den inferioren Stellenwert der Zigeuner in der Sozial- ordnung dass die Quellen zur aufgeworfenen Frage weitgehend schweigen.28 Auch in Liechtenstein ist der einzelne konkrete Zigeuner, der aus der Anonymität der generellen Normen als Individuum hervortritt, noch nicht ge- funden. Es ist mit ein Anliegen dieser kleinen Studie, den Blick für dieses bisher weitgehend un- berücksichtigte Problem zu schärfen.29 
BILDNACHWEIS ANSCHRIFT DES AUTORS Privatarchiv Prof. Dr. Peter Putzer Familie Rheinberger, Institut für österreichische Vaduz Rechtsgeschichte Universität Salzburg Churfürstenstrasse 1 A-5020 Salzburg 28) Wenn konkrete «zigeunerische» Vorfälle in den Akten anzu- treffen sind, ist vielfach eine klare ethnische Zuordnung nicht möglich. Der Terminus «zigeunerisch» wird vielfach ganz allgemein zur Bezeichnung der unterschiedlichsten Vaganten, der diversen Gruppen von Randständigen wie auch einzelner Personen aus diesem Kreis verwendet. Dazu G. Philipp: Leute, fahrende (vgl. Anm. 15). 29) Es gehört zur besonderen Tragik der zigeunerischen Existenz früherer Jahrhunderte, dass sie, wenn überhaupt als Person, als Individuum festgehalten, in den Quellen namenlos begegnen. Hier ist allenfalls von einem zigeunerischen Menschen, einer zigeunerischen Weibsperson etc. zu lesen. Während sogar der Schwerverbrecher in seinen Prozessakten mit Namen und Personaldaten bezeichnet werden kann, bleibt der einzelne Zigeuner hinter allgemeinen Begriffen verborgen - die Formulierungen sind meist derart, dass oft nicht erkennbar ist, ob mit «zigeunerisch» nur eine soziale Missbilligung gemeint ist oder tatsächlich ein Angehöriger dieser ausgegrenzten Ethnie. 210
        

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