«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER gefährliche Nähe des erwarteten Teufelsbundes. Sie erklärte nämlich: «Als sie vor etwa 10 Jahren an der Kirchweihe in Lavadina bei Mondschein dem Tanz beigewohnt, sei Einer, gerade so gestal- tet, wie ihr Liebster, zu ihr gekommen und habe sie angesprochen, mit ihm zu tanzen, und da sie seine Hand in die ihrige genommen, habe sie gesagt: Gesegne mich[.] Gott, wie hast Du so kalte Fländ', worüber ihr Tänzer verschwunden sei. So viel sie habe wahrnehmen können, habe er Geißfüße ge- habt und sei vermuthlich der Teufel gewesen; sie sei aber von da an seiner nicht mehr ansichtig wor- den.» Der Rechtsgelehrte, dem die Prozessakten zur Begutachtung übersandt wurden, bestätigte die Rechtmässigkeit der Examination und der Folte- rung. «Weil aber kein Geständniß erfolgt, die Ange- schuldigten auch der Flexerei, ungeachtet starker Anzeigen, nicht überwiesen seien, und die ausge- standene lange Gefangenschaft und Folter hinläng- liche Strafe sei, so seien sie wieder in Freiheit zu setzen, jedoch unter der Bedingung, daß sie das Land nicht verlassen, auf jede Aufforderung sich vor Gericht stellen und daß der Mann Thomas die Kosten des Prozesses für seinen Antheil trage.» Das Urteil ist nicht überliefert.54 Der Rechtsgutachter plädierte also nicht für ei- nen Freispruch, sondern für eine sogenannte «ab- solutio ab instantia» (Entbindung von der Gerichts- instanz), die in der Constitutio Criminalis Carolina von 1532 nicht vorgesehen war. Dabei wurde der Verdächtigte weder verurteilt noch freigesprochen, deshalb hatte er auch stets dem Gericht für ein mögliches weiteres Verfahren zur Verfügung zu stehen. Solche Urteile kamen im südwestdeutschen Raum um 1600 auf.55 Ein Beispiel dafür ist in der Herrschaft Bludenz schon für die neunziger Jahre des 16. Jahrhundert überliefert.56 Das Verfahren gegen die drei genannten Perso- nen aus der Grafschaft Vaduz fand unter dem Gra- fen Kaspar von Ems (1573-1640) statt, der kurze Zeit davor (1630/31) auch in Hohenems einen He- xenprozess geführt und sich dabei vom erfahrenen Bregenzer Amtmann Dr. Diethelm Ülin beraten las- sen hatte.57 Dr. Ülin, der bei Hexenprozessen für 
eine vergleichsweise milde Vorgangsweise ein- trat,58 war vermutlich auch der Verfasser des Rechtsgutachtens zu den Vaduzer Prozessen von 1634. Ausser den drei angeführten Verdächtigten sol- len 1634 noch weitere Personen vor Gericht ge- standen sein. Einige davon hatten sich schon vier Jahre davor «in Untersuchung» befunden, dürften aber 1634 nicht mehr gefoltert worden sein.59 DIE VERFOLGUNG UM DIE JAHRHUNDERTMITTE Peter Kaiser konnte noch ein Dokument zitieren, in dem «die Gerichtsleute und Geschwornen der Graf- schaft Vaduz» den Grafen Franz Wilhelm von Ems (1627-1662) ersuchten, «dem Gericht und den Amtleuten Gewalt [zu] geben, das Uebel zu strafen und zu verhindern, damit das Volk an Ehr, Lei[b] und Früchten gesichert bleibe».60 Es ist davon aus- zugehen, dass dieses Ansuchen den Auftakt zu der Reihe von Hexenprozessen zwischen 1648 und 1651 bildete, von denen ebenfalls keine ausführli- cheren Unterlagen mehr überliefert sind. Unklar bleibt bei Kaisers Darlegungen, ob die Untertanen der Obrigkeit damals mit der Zurücknahme des Huldigungseides gedroht hatten, «wenn das He- xenwesen nicht ausgerottet würde».61 52) Kaiser, Geschichte, S. 386-388. 53) Geweihtes Lamm Gottes als Wachsfigur, ein besonders häufig verwendetes kirchliches Heil- und Schutzmittel: Heiß, Propaganda, S. 126 f. 54) Kaiser, Geschichte. S. 434 f. 55) Gehring. Hexenprozeß, S. 41 f. 56) Tschaikner, Ilexenverfolgungen und Hexenprozesse in Bludenz, S. 28. 57) Welti, Graf Kaspar, S. 502-509. 58) Vgl. Tschaikner. «Damit das Böse ausgerottet werde», S. 166-168. 59) Kaiser, Geschichte, S. 434. 60) Ebenda, S, 431. 61) Ebenda, S. 437. 15
        

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