ZWEITE PROZESS-SERIE CHRISTINA WAGNERIN AUS SCHAAN, EHEFRAU THOMAS FRICKS UND SCHWESTER DER KATHARINA WAGNERIN (EHEFRAU MICHAEL DINTLS) (SRg, fol. 143a-147b; StAAug 2971, fol. 36a+b; VLA, HoA 76,1.7 Liste von 1682, S. 9 u. 11; Welz 1, S. 53) Die Wagnerin wurde zweimal denunziert und stand in schlechtestem Ruf, weil sie einen entsprechenden Lebens- wandel führte und nächste Verwandte verbrannt worden waren. Über die Wagnerin wurde am 6. August 1677 inquiriert. Dabei erklärte die erste Zeugin, Maria Quaderin aus Schaan, die Witwe Thomas Walsers, was auch die zweite Zeugin, ihre Magd, die 16-jährige Agatha Föhrin aus Rug- gell, bestätigte, nämlich dass die Kuh der Quaderin wegen der Wagnerin weniger Milch gegeben habe. Dr. Welz hielt die vorliegenden Angaben im März 1679 für ausreichend, um gegen die Wagnerin gerichtlich vorzuge- hen, wozu es jedoch nicht kam. Vor der Gefangennahme der Wagnerin im November 1680 muss noch einmal eine Inquisition vorgenommen worden sein. Dabei gab Adam Walser zu Protokoll, dass er wegen eines Schadens zu einem 
Heilkundigen, Dr. Wil- ler genant, geritten war, um Rat zu suchen. Dieser bot sich an, ihm diejenige Frau in einem Spiegel zu zeigen, die 
ihm mit zauberey geschadet habe. Es war die Wagne- rin, die er fortan (noch stärker?) verdächtigte. Am 20. November 1680 stand Christina Wagnerin vor Ge- richt. In ihrem erfolterten Geständnis erwähnte sie, dass sie bei den Hexentreffen bestimmten Personen Wein aus dem Keller entwendet habe. Damit ihre Abwesenheit nicht auffiel, soll sie ihrem Mann 
ein blöckhle ins Bett gelegt haben. Weiters bekannte sie, sie habe der braunen Kuh der 
Quaderin die milch genommen, in deme sye sol- che mit ainer ruethen 2 mahl auf den ruggen geschlagen. Weiters soll Adam Walser von ihr lahm und krank ge- macht worden 
sein, weihen er über die salb und würzet getreuen, so sye ihme auf die stiegen gelegt. Die denun- zierten Komplizen widerrief die Wagnerin vor ihrer Hin- richtung. Aus ihrem Besitz wurden 30 Gulden konfisziert. 
GEORG NIGG AUS TRIESEN, WOHL VATER MARTIN UND SIMON NIGGS (SRg, fol. 147b-151b; VLA, HoA 76,17 Liste v. 1682, S. 9 u. 11; StAAug 2971, fol. 19b; Welz 1, S. 38 f.) Der Witwer Georg Nigg, dessen Geschlecht im schlechte- sten Ruf stand, wurde zweimal denunziert. Seinen Bruder Adam hatte man (vor 
1679) bei letstern proceßen auf den holzstoß gesezt und verbrennt. Georg Nigg soll zweimal geflohen sein, einmal alleine und das andere Mal zusam- men mit seinem Bruder. Bei der Inquisition am 25. Jänner 1679 gab Jakob Bar- gezi zu Protokoll, dass ihm eine tragende Geiss, die er anstelle einer Geldzahlung von Nigg erhalten hatte, vier Wochen 
später zerfallen sei. Laut einer anderen Aussage Bargezis sei das Tier vom Hirten beim ersten Austreiben verlohren worden, daß kein mensch wisse, wo sye hin- khommen. Der nächste Zeuge, Leonhard Kindle, sagte aus, dass ihn 
Nigg geflohen sei, weill er zeug beym hexen Pro- cessen als ein ghtsman [=Gerichtsmann] thails zum bey- fangen, thails zum beysizen seye gebrauchet worden. Dr. Welz befürwortete im März 1679 eine Gefangennah- me und Examination Niggs. Nach einer weiteren Inquisition am 20. März 1680 dürfte der Prozess gegen Nigg am 22. November eingeleitet worden sein. Im Gefängnis versuchte dieser 
zweimal, sich von denen bandten ledig zumachen. Da er die erste Tortur ohne Geständnis überstanden hatte, setzte man ihn spä- ter ins Spanische Fusswasser. Dort wurde er während an- derthalb Stunden 
zweimal herumbgetrilt. So zwang man ihn schliesslich zu einem Geständnis der Hexerei. Bei der Folterung meinte der Scharfrichter, bei Nigg das Zeichen gefunden zu haben, aus dem das Blut für die Unterzeich- nung des Teufelspaktes genommen worden war. Nigg ge- stand unter anderem, dass er Jakob Bargezi ein braunes Kalb verdorben habe, das aber noch lebe. Über den Zeu- gen Bargezi sagte er nebenbei, 
er seye gar ein boßhaffti- ger mann. Später widerrief Georg Nigg sein Geständnis mit der Begründung, daß er solches ex metu torturae et crucia- tuum [aus Angst vor der Folter und den Martern] gethan habe. Dabei blieb er, bis man 
ihn widerumb zu den schröckhen gebunden und an die folter geführt habe. Dort wurde sein Widerstand gebrochen, so dass er die frühe- ren Angaben bestätigte. Nach der Hinrichtung Niggs wurden von seinen Erben 115 Gulden konfisziert. 178
        

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