«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER Dr. Welz jedoch erklärte in seinem Rechtsgutachten, dass der dem Ammann dargereichte Trunk als Mordversuch zu werten sei. Die Ausführungen gegenüber Georg Wolf und dem Pater Guardian wertete er ohnehin schon als Ge- ständnisse der Hexerei. Der Jurist forderte deshalb die Richter 
auf, der gerechtigkeit zu steür wider einen sol- chen schädlichen menschen ex officio zu procediren und selbigen nach erfundener beschaffenheil seiner großen laster gebührend abzustraffen. Rusch wurde am 21. März 1679 gefangengenommen und examiniert. Bei der zweiten Einvernahme mit Einsatz der Folter bekannte er, dass er zur Hexerei durch Unzucht geraten sei, 
weil er beslialitatem, fornicationes simplices und ein adulterium [Sodomie, einfache Hurerei und einen Ehebruch] begangen habe. Nachdem Rusch alle Folter- grade durchgemacht hatte, widerrief er das Geständnis. Nach der Konfrontation mit vier namentlich nicht ge- nannten Personen und einer Bedenkzeit wurde er jedoch zu einer neuerlichen Bestätigung des Verbrechens ge- zwungen. Auch die 
Frage, ob er sich auf denen hexenver- samblungen nit gerumbt habe, daß er in der hochgräfß. ehe die Uneinigkeit mit zauberey verursacht, musste er bejahen und erklären, er habe dazu 
ein maleficium «ge- legt».667 Alle von ihm denunzierten Personen widerrief Rusch vor seiner Verurteilung zum Tod. Seine Witwe Katharina Gassnerin mit ihren drei klei- nen Kindern beklagte sich später bei der kaiserlichen Kommission, dass sie mehrmals selbst hören hatte müs- sen, wie man gegen ihren 
Mann mit einer unerhörten thorthur verfahren war. Über diese unchristliche Vor- gangsweise habe sie sich beim Landvogt beklagt und zur Antwort bekommen, Rusch sei an diesem Tag nur zwei Stunden im Spanischen Fusswasser gewesen. Später habe man aus ihrem Besitz 550 Gulden einziehen wollen, obwohl ihr Mann von seinen Eltern nicht einen Kreuzer geerbt hatte, sondern die meisten Güter während ihrer Ehezeit erwirtschaftet worden waren. Aus der Konfiska- tionsliste vom 1. April 1680 geht hervor, dass damals der Grossteil der Konfiskationssumme schon bezahlt war. FIDELIS WAGNER AUS SCHAAN (SRg, fol. 164a-167b; Welz 1, S. 18-20; VLA. HoA 76,17 Liste von 1682, S. 12 u. 20; StAAug 2969, fol. 49b; bei Welz 1 und in der Liste wird er «Wagner» genannt, im Salzburger Rechtsgutachten «Wangner») Wagner wurde fünfmal denunziert. Sein Grossvater, sein Vater und zwei Schwestern seines Vaters waren ver- brannt worden. Die Mutter lebte in schlechtem Ruf. Bei einer Inquisition am 4. Mai 1675668 sagte Andreas Conrad gegen Wagner aus und bestätigte seine früheren 
Darlegungen am 10. Juli 1677 unter Eid. Damals erklärte darüber hinaus Ammann Georg Bürkle, dass ihm Wagner einen Trunk aufzwingen wollte, in dem 
drei weisse dinglen als wie schleissenM,'} im selbigen herumbgefahren und aufgehupfft seyen. Deshalb habe er das Glas samt dem Wein weggeworfen. Thomas Tanner habe ihn früher schon davor gewarnt, von Wagner einen Trunk anzuneh- men. Wie Landammann Bürkle bestätigte auch Andreas Conrad, dass Wagner von Thomas 
Tanner in daß gesteht ein Schelm und Giftmischer genannt worden sei. Wagner habe diese Anschuldigung 
bezeichnenderweise einge- schluckt und ohne wiederred bey sich behalten. Katharina 
Willin, die Angerische Witwe, gab zu Proto- koll, ihr Mann 
habe auf ungestümmes zusprechen deß Wagners ein wenig aus einem Glas Wein 
getrunken, sich aber sobalden mit ausstehung unbeschreiblicher schmer- ze?! legen mäßen, bis er durch die Einnahme von Theriak einen schweiß zu wegen gebracht, und selbiger in etwas, doch aber biß in den tod nicht völlig restituirt werden können. Weitere Zeuge bei der Inquisition von 1677 waren Am- mann Georg Wolf und Adam Parfuess. Über dessen Anga- ben bezüglich einer Schmähung des Gerichts sollte laut Dr. Welz Gretha Walserin einvernommen werden. Wagner wurde am 15. März 1679 vor dem Landvogt Dr. Brügler konstituiert, examiniert und torquiert. Dabei wei- gerte er sich, das Laster der Zauberei zu gestehen. Später soll er jedoch laut 
Protokoll in der güette bekannt haben, daß er ein hexenmaister seye. Er fügte dieser Aussage noch 
bei: warumb ers nit sein solle, er seye durch die armuth darzue kommen. Er habe sich dem bösen geist mit leib und seel ergeben, gott und allen heyligen abgesagt, daß hochwürdige guett auf den hexentänzen entunehret, sodomiam mit dem sathan begangen. Eine grosse Anzahl von Denunzierten liess Wagner durch den Beichtvater widerrufen. Von Wagners Erben wurden 25 Gulden konfisziert. 666) Möglieherweise war er ein Nachkomme des Sebastian Ruosch, der 1662 als Burgvogt erwähnt ist: LLA RA 144/96. 667) Zur Ehekrise des Grafen vgl. StAAug, Fürststift Kempten. Ho- henems.-Repert. Nr. 1936. 668) In SRg, fol. 164a, fälschlich 1679 geschrieben; daran schliesst Dr. Moser aber eine ausführliche Kritik an der vaduzischen Vor- gangsweise an (fol. 164b+165b). 669) «Fasern von alten Reibtüchern, wie solche beim Abreiben von nassen Trinkgläsern ... am Glase haften bleiben»: Vorarlbergisches Wörterbuch, Bd. 2, Sp. 954. 171
        

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