«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER und in der Folge auch Walsers Gefangennahme. Allem Anschein nach folgte die Vaduzer Obrigkeit dieser Emp- fehlung nicht. SUSANNA KAUFMANNIN AUS SCHAAN, EHEFRAU KASPAR BECKS (SRg, fol. 236a+b; VLA, HoA 76,17 Liste von 1682, S. 18; Welz 1, S. 53 f.) Gegen sie sagte am 6. August 1677 ihr eigener Bruder, der Schneider Bartlme Kaufmann, aus. Er hatte vor drei Wochen zusammen mit seinem Lehrjungen bei Susannas Ehemann Kaspar Beck gearbeitet und von der Kaufman- nin Kirschen und Birnen zum Essen erhalten. Davon hät- ten Bartlme und der Lehrjunge schwere Magen- und Kopfschmerzen bekommen. Dem Schneider seien darü- ber hinaus am ganzen 
Leib bunzel aufgangen, die sehr gebissen hätten, aber bald wieder vergangen. Dr. Welz betonte, dass die Kaufmannin in gutem Ruf stand. Wenn schon jemand verdächtig sei, dann falle der Argwohn höchstens auf 
ihren der zauberey suspecten Mann. ANNA MARIA NEGELIN UND IHRE GESCHWISTER AUS SCHAAN; ANNA MARIA WAR DIE EHEFRAU MICHAEL BECKS, HANSEN SOHN619 (SRg, fol. 230a-231b; VLA, HoA 76,17 Liste von 1682, S. 17; Welz 1, S. 48 f.) Anna Maria Negelin wurde 1675 einmal denunziert. Ihre Mutter sei der Hexerei 
wegen aus dem landt geschafft worden, weiden ein ehrlicher man darauf gestorben, daß sye ihme ein stier verritten habe. Über die Negelin und ihre Geschwister wurde am 13. Juli 1677 inquiriert. Der einzige bekannte Zeuge, Ulrich Ne- gele, war Anna Marias Bruder. Er 
behauptete, sie könne mause machen und [habe] neben ihme von der mutier gelernet. Für Dr. Welz war auch verdächtig, dass sich die Negelin mit Michael Beck verheiratet 
hatte: Nascitur ex socio, qui non cognoscit ex se. Er sprach sich im März 1679 dafür aus, dass sie gefangen, 
aber sehr bedächtlich und grada- tim (stufenweise) einvernommen würde. Dazu scheint es nicht gekommen zu sein. 
ROSINA BECKIN AUS SCHAAN, TOCHTER MICHAEL BECKS (HANSEN SOHN) UND EHEFRAU HANS FROMOLTS (SRg, fol. 229a-230a; VLA, HoA 76,17 Liste von 1682, S. 1.7; Welz 1, S. 47 f.) Laut Salzburger Rechtsgutachten hatte man beide Gross- mütter der Beckin verbrannt. Die Vorfahrin mütterlicher- seits war jedoch «nur» des Landes verwiesen worden. Über Rosina Beckin wurde am 13. Juli 1677 inquiriert. Dabei sagte Maria Walserin aus, dass sie einst mit den Fromoltischen bestimmte Güter geteilt und dabei beim Ehemann der Beckin als 
Miterben ein kraut stehen lassen habe. Nachdem sie dieses von der Beckin übernommen hatte, assen sie und ihr Mann am nächsten Tag vom Kraut, woraufhin ihnen gleich übe! geworden sei. Nur den Kindern, die auch davon gekostet hatten, habe es nicht geschadet. Hans Georg Fromolt erklärte, dass er dem Ehemann der 
Beckin ein khuele in der waydt verdingt habe, wobei sich verschiedene Leute beim Melken abwechseln sollten. Als die Beckin an der Reihe war, habe sie sich mit der Aussage 
geweigert, wan dem kuele waß geschehe, so wurde man sagen, sye wäre ein Beckhin. Nachdem Hans Georg Fromolt aber das Tier vom Ehemann der Beckin geholt und bei Christian 
Conrad pfelen (anpflocken, wei- den) lassen hatte, erkrankte es am nächsten Tag und gab keine Milch mehr, bis 
er andere mittl gebraucht habe. Für Dr. Welz reichten die Angaben im März 1679 nicht für ein gerichtliches Vorgehen gegenüber Rosina Beckin, obwohl er deren 
Vater deß feüres würdig hielt. 616) Vorarlbcrgisches Wörterbuch. Bd. 1, Sp. 1259. 617) Kaiser, Geschichte. S. 433. 618) Örtliche Zuordnung durch die beiden Zeugen aus Schaan. 619) Aus den Unterlagen geht nicht klar hervor, welcher der beiden der Hexerei verdächtigten Michael Beck aus Schaan gemeint war. Da aber die Hochzeit von Dr. Welz als Indiz der Hexerei gewer- tet wurde, dürfte es sich um den hingerichteten Michael Beck, Sohn Hans Becks, gehandelt haben. Bei diesem ist auch ein Hexerei- verdacht gegen seine Frau angeführt. 151
        

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