«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER ÜBERLEBENDE BEI DEN VERFAHREN VON 1680 GEGEN PERSONEN AUS DER HERRSCHAFT SCHELLENBERG BARBARA MORATIN AUS MAUREN, WITWE HANS SCHECHLES (SRg, fol. 77b-83a; StAAug 2968, fol. 39a+b; StAAug 2971, fol. lla-12b; VLA, HoA 76,17 Liste von 1682, S. 5u. 11; Welz 2, S. 25 f.) Drei Tage, nachdem ihre Halbschwester Katharina Föhrin verbrannt worden war, hatte sich die Moratin samt ihrem Sohn Jakob 
Schechle aus dem staub gemacht und erst nach uolendten letsteren proceß wider eingefun- den. Sie 
war zu Öthal [Ettal in Oberbagern] bey der mue- ter gotes walfarten gewesen und habe deswegen brief und sigel. das sy daß selbige maria bild aufzuheben mechtig gewesen und per consequens from und kheine hex seye. Während ihrer Abwesenheit wurde sie jedoch von der später verbrannten Magdalena Eglin, die ihre Aussage vor der Hinrichtung nicht widerrief, als Mithexe angege- ben. Dieser Denunziation wurde insbesondere auch des- halb grosse Glaubwürdigkeit beigemessen, weil die Eglin vor ihren endt ein grosse rew bezeuget undt wenigst eüserlichen schein nach sich aufrichtig zue gott bekhenet. Bei einer Inquisition am 28. September 1675 erklärte der 32-jährige Hans Bregenzer aus Mauren, ein Bruder der später ebenfalls inquirierten Katharina Bregenzerin, dass er die Moratin wegen etlicher verendeter Tiere verdäch- tigte, und 
zwar weilen er zuvor mit ihren söhnen ainigen streit und zwitrachl gehabt hatte. Am 3. September 1680 bestätigte Hans Bregenzer seine Aussage von 1675. Auch auf die Darlegungen des 30- jährigen Christian Risch aus Mauren mit Bezug auf Ka- tharina Bregenzerin wurde in den Unterlagen über die Moratin eigens hingewiesen. Als neuer Zeuge bei der Inquisition vom 3. September 1680 erklärte der 39-jährige Eustach Marxer aus Mauren, es beklagten sich die 
Nachbarn gar übel über die Moratin, besonders Martin Ritter, der ihr die Schuld gebe, dass er weder glickh noch hayl habe. Auch dafür, dass sein Foh- len vor zwei Jahren ausgerechnet vor ihrer Schmiede den Fuss gebrochen hatte, machte er einzig und allein die Mo- ratin verantwortlich. Schliesslich habe ihr verbrannter Sohn, Michael Schechle, zu Balli Gabriel selbst gesagt, es solle niemanden wundernehmen, dass es Martin Ritters Fohlen so gegangen 
sei, er habe seiner mueter de mach gethan. Fideli Kiber führe ebenfalls all sein Unglück mit den Tieren allein auf die Moratin zurück. Sie sei in Stadt und Land 
verschrien, gleich ihr muetter auch gewest und 
werde von iedermenikhlich vor eine hex gehalten. Marxer erklärte am Schluss 
noch, es wehre iederman fro, wan sie nur baldt verbrent wurde. Ihr Sohn Jakob Schechle sei übrigens aus dem Land geflohen. Bezüglich der Wallfahrt ins Kloster Ettal wollte sich Dr. Welz nach dem Urteil von Theologen richten. Liessen die- se die 
dortige purgation nicht gelten, sollte die Moratin - wie schon im Gutachten vom März 1679 dargelegt - ver- haftet und gefoltert werden. Laut Salzburger Rechtsgutachten wurde Barbara Moratin am 30. August 1680 vor dem Gericht examiniert, nach eigenen Angaben war sie Anfang September gefangenge- nommen worden. Bei den gütlichen Einvernahmen be- kannte sie sich nicht schuldig, gestand jedoch, sich aus Angst vor einem Prozess ausser Landes begeben zu haben. Daraufhin wurde sie ein Miserere (Busspsalm) lang an die folter geschlagen. Am dritten Tag habe man sie in das Spanische Fusswasser gesetzt und darin zwei- mal umgedreht. In einem Schreiben von 1682 schilderte sie diese 
Folter, sovil ihro davon verlohrener vernunfft halber noch erinnerlich war, folgendermassen: Zuerst habe man sie auf ein 
niederes blökhlin gesetzt und ihr die Hände hinter dem Rücken mit einem Strick an der Wand festgebunden, damit sye nit für sich fallen khönde. Damit sie auch nicht zurückzusinken vermochte, wurde ihr ein Strick um den Hals gelegt, der vorne befestigt war. Dann spreizte man ihre Beine mittels zwei Brettern, die man vor das Schienbein und hinter die Waden gelegt hatte, weit auseinander. Anschliessend band man einen Strick um ihre Knie und zog 
ihn mit schrauffen zusammen, wel- ches ein solcher schmerlzen seye, das ihren gleich alle sinn vergangen seien. Darum wisse sie nicht, wie lang sie in solcher marler gesessen sei. Drei Tage später habe man 
sie mit zwayen steinen ahn die waag oder follter aufgezogen und etwa eine Viertel- stunde daran hängen lassen, gleich darauf noch auf den Esel gesetzt 
und mit verbundenen äugen ahngeschrauffl. Dann seien die Amtleute zum Mittagessen 
gegangen und sye also jämerlich sitzen lassen. Nachdem sie wieder ge- kommen waren, machte man 
ihr einen rauch unter das hemet. Als sie sich schliesslich nicht mehr regte, habe man sie herabgelassen und in das Verliess gelegt. Etliche Tage später wurde sie wieder ins Spanische Fusswasser gesetzt. Auch dabei habe sie aber nichts be- kannt. Deshalb sei sie nach zehn Tagen Gefängnis wieder freigelassen worden. Obwohl das Gericht der Moratin kein Geständnis ab- ringen hatte können, forderte es von ihr 170 Gulden. Da das Geld von ihrer Familie nicht eingezogen werden konnte, stellte die Obrigkeit auf zwei ihrer Liegenschaften einen Zinsbrief' in der Höhe von 100 Gulden aus und ver- kaufte diesen an einen Juden. 147
        

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