Schliesslich habe Marxer vom Doktor am Hirschensprung gewisse Sachen mit der Auflage erhalten, diese an einem Freitag vor Sonnenaufgang in die vier Ecken des Ackers zu vergraben sowie dabei an jeder Ecke fünf Vaterunser und ebensoviele Avemaria zu beten. Nach Anwendung des Gegenzaubers 
hätten die meiis sich in seiner gegen- warth augenscheinlich und genzlich verlohren, auch die frucht widerumben zugenommen, aber nicht mer so sehen worden, als sy zuvor und wie die neben imme gewesen. Als er daraufhin im August mit der Spaltin nach Grabs zum Markt 
ging, werkh oder flax zu verkhaufen, sprach sie ihn 
an: Adam, du sagst, ich habe dier die meüß in den akher gemacht. Er entgegnete ihr in der Absicht, sich hin- auszureden: Ich sage das nit, dan ich wais es nit, du aber wärst es wissen. Weil sie aber ohne gegebenen Anlass auf dieses Thema zu sprechen gekommen war, hegte er seit damals einen noch grösseren Verdacht gegen sie. Dr. Welz empfahl in den Rechtsgutachten von 1679 und 1680, sie erst einzuziehen und zu foltern, wenn weitere Indizien vorlagen. Allem Anschein nach wurde gegen sie nicht prozessiert. SEBASTIAN KIBER VON MISNA590 AM ESCHNERBERG, SOHN DES HANS UND BRUDER ULRICH KIBERS (SRg, fol. 69b-70a; StAAug 2968, fol. 32a+b; VLA, HoA 76,17 Liste von 1682, S. 4; Welz 2, S. 21 f.) Sebastians Grossmutter väterlicherseits sowie sein Vater und dessen Schwester waren als Hexen verbrannt wor- den. Bei der Inquisition am 5. September 1677 sagte Kibers Schwager, der 36-jährige Matthäus Maier aus Misna am Eschnerberg, aus. Er wohnte mit ihm im selben Haus; sie benützten eine gemeinsame Stube und ihre Schlafkam- mern lagen nebeneinander. Maier erklärte, er und seine Frau hätten an einem Samstag etwa vor vier Wochen um Mitternacht auf dem brüggle vor seinem haus ein grosses Gerumpel gehört. 
Dieses getöß sei durch daß ganze haus gefaren. Als Kiber später von seiner Schwester über das Treiben befragt wurde, antwortete er, dass er gemeint habe, der Kamin brenne, 
und sye wissen nicht, was ihme abgehe. Dasselbe Getöse sei auch acht Tage zuvor von sei- nen zwei Schwestern vernommen worden. Damals habe es unmittelbar vor seiner Kammertür begonnen. Als seine Frau fragte, was das sei, und dabei 
ausrief: behiet uns gott, sei es zuoberst ins Haus hinauf 
und zue einem loch hinaus gefahren. Das Getöse habe 
geklungen, als wan man einander erschrökhlich herumbschlagen thete. Kurz darauf sei Kiber in seine Kammer gegangen, obwohl Mai- er gemeint hatte, dieser habe sich längst niedergelegt. Kibers Frau stellte ihn selbst deswegen zur Rede und 
wollte 
wissen, was das seye. Er habe darauf geantwortet: la, du waisl nit, was mir ist, ich hab vermaint, daß camin brinne. Dann schaute er zum Laden hinaus. Am nächsten Tag ging er im Morgengrauen weg und kam erst spät wie- der von Feldkirch nach Hause, so dass Maier nicht sehen konnte, ob er ein mahl oder etwas im gesteht gehabt. Mai- er litt damals übrigens unter zahlreichen Unglücksfällen, wusste jedoch 
nicht, woher selbige khommen. Zwei Jahre später, am 18. Februar 1679 erklärte Mat- thäus Maier bei einer Inquisition, er habe bei Vieh und Pflanzen immer noch Unglück. Sebastian Kiber hingegen wirtschafte stets erfolgreich, obwohl ihre Tiere im selben Stall standen und ihre Gründe gleich nebeneinander lagen. Im Frühjahr 1678 sei ihm. Maier, ein Hengst ein- gegangen. Als man dessen Kadaver öffnete, habe man in der Niere ein gelbes Wässerlein gefunden. Davon habe der scharpfrichter gesagt, er möge in den stall stöllen, was er wolle, werde er doch khain glückh darzu haben, wan er nit andere mitel vornemme. Maier verdächtigte nun ain mahl den Kiber, der keinem ehrlichen Mann in das Angesicht sehen dürfe. Die Aussage der Ursula Starkin, die Dr. Welz als ein absurdes wesen bezeichnete, ist im Inquisitionsprotokoll nicht erhalten. In den Rechtsgutachten von 1679 und 1680 wurde Seba- stian Kiber für nicht so verdächtig befunden, dass er ge- fangengenommen werden könnte. Über den Scharfrichter schrieb Dr. Welz 1679: 
Es muß der scharffrichter mehr wissen alß andere leüte, wann er auß einem blossen gel- ben wasser in den nieren gleich eine bezauberung zu argumentiren meinet. Es ist davon auszugehen, dass kein Gerichtsverfahren gegen Kiber eingeleitet wurde. ULRICH KIBER VON MISNA591 AM ESCHNERBERG, SOHN DES HANS UND BRUDER SEBASTIAN KIBERS (SRg, fol. 91a-92b; StAAug 2968, fol. 44b+45a; VLA, HoA 76,17 Liste von 1682, S. 6; Welz 2, S. 28 f.; Welz 3, S. 36 f.) Ulrichs Grossmutter väterlicherseits wie auch sein Vater und dessen Schwester waren als Hexenpersonen ver- brannt worden. Bei der Inquisition am 13. Februar 1679 sagte Jakob Bat- liner aus, dass er Ulrich Kiber vor etwa sechs Jahren ein milchbrendtlin geliehen und dieses erst nach einer zwei- ten Aufforderung wieder zurückerhalten habe. Nachdem er darin und in anderen Geschirren die 
Milch geseiht hat- te, habe er beim ersten Mal keinen Tropfen Schmalz ge- winnen können, obwohl er zusammen mit anderen einen ganzen Tag und eine halbe Nacht lang am Schlegkübel 
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