«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER ten im Jahr darauf spektakuläre Notwehrmassnah- men Einzelner, die von den Verfolgungen betroffen waren, nicht nur in der Einsetzung einer kaiserli- chen Kommission und der Beendigung der gericht- lichen Hexenverfolgungen, sondern auch in einem breiten Widerstand der Untertanen gegen die Miss- wirtschaft des Landesherrn beziehungsweise des- sen Unfähigkeit, geordnete Verhältnisse zu schaf- fen. Die Erschütterung der sozialen und politischen Verhältnisse im Umfeld der Hexenverfolgungen trug nicht unwesentlich dazu bei, dass sich die Fi- nanzkrise letztlich zur Flerrschaftskrise entwickel- te, die zum Übergang der Territorien an das Flaus Liechtenstein führte.579 Die Beendigung der Hexenprozesse erfolgte auf eine für den katholischen Bereich typische Weise: Da im katholischen Lager die theoretische Diskus- sion über die Grundlagen des Hexenwesens da- durch blockiert war, dass seit dem Ausgang des 16. Jahrhunderts Zweifel an der theologischen Hexen- doktrin mit Ketzerei gleichgesetzt wurden,580 konn- ten die Urteile der Vaduzer Prozesse nur aufgeho- ben werden, indem die Verfahren, die Elemente des «processus extraordinarii» enthielten, nach den Rechtsvorschriften des «processus ordinarii» beurteilt wurden.58' Unter diesen Umständen ist die These vom Sieg des Rechtes über die verwerflichen Verfolgungen wohl die grösste Illusion in Otto Segers Darlegun- gen. Er schrieb: «Das ist das Große, Erhebende bei der Betrachtung der geschichtlichen Vorgänge, die wirklich dramatisch ablaufen: Das Recht bricht sich endlich doch Bahn!»582 In Wirklichkeit bedien- te sich einmal mehr die Macht des Rechtes für ihre Zwecke. 
kam es nach der spektakulären Aufhebung der liechtensteinischen Prozessurteile in den heutigen Schweizer Kantonen St. Gallen (ohne Toggenburg) und Appenzell noch in den achtziger und neun- ziger Jahren des 17. Jahrhunderts zu Hexenprozessen, in Grau- bünden selbst bis ins 18. Jahrhundert: Bader, Hexenprozesse, S. 163-165, 169, 171-174, 215. 577) Welti, Reichsgrafschaft, S. 145 f. 578) De Waardt, Rechtssicherheit, S. 151 f 579) Vgl. dazu Press, Entstehung, S. 67-73. 580) Behringer, «Vom Unkraut unter dem Weizen», S. 29 u. 41. 581) Trusen, Rechtliche Grundlagen, S. 203 u. 226. 582) Seger, Hexenprozesse. S. 48. 572) ÖStA Deneg. Ant. 96. 573) Putzer, Rechtsgutachten. S. 34 Anm. 574) Welti. Entwicklung, S. 48-50; Welti, Reichsgrafschaft, S. 150. 575) Press, Entstehung. S. 69. 576) Vgl. dazu Tschaikner. Vorarlberg. S. 295 f., und ders., Feldkirch, S. 118 f.; Behringer, Bayern, S. 417 f.; Blauert, Epoche, S. 41. Während in den österreichischen Herrschaften die letzten Hexenprozesse kurz nach der Jahrhundertmitte geführt wurden. 125
        

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