«DER TEUFEL UND DIE HEXEN MÜSSEN AUS DEM LAND ...» / MANFRED TSCHAIKNER Einleitung QUELLEN Die wichtigsten Quellen zu den liechtensteinischen Hexenverfolgungen bilden - die Dokumente im Staatsarchiv Augsburg, Fürst- stift Kempten, Archiv Nr. 2968 bis 2972 (früher im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München, Kopien im Liechtensteinischen Landesarchiv), - die Unterlagen im Faszikel «Denegata antiqua 96» im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Haus-, Hof- und Staatsarchiv, in Wien, - das dort und im Salzburger Landesarchiv vorlie- gende Rechtsgutachten der juristischen Fakultät der Universität Salzburg (eine Kopie der Salzbur- ger Fassung liegt im Liechtensteinischen Landes- archiv), - die Verhörprotokolle des 17. Jahrhunderts im Liechtensteinischen Landesarchiv, Vaduz, - die Notizen in der ehemaligen oberösterreichi- schen Hofregistratur im Tiroler Landesarchiv in Innsbruck und - einige Unterlagen im Vorarlberger Landesar- chiv, Bregenz. Wichtige Dokumente wie die vaduzischen Inqui- sitionsprotokolle und die Prozessakten fehlen in den Archivbeständen. Bereits der 1679 geflohene Landvogt Dr. Brügler hatte manche Unterlagen mit- genommen und nicht mehr zurückgestellt. Der kai- serlichen Kommission standen schon nicht mehr alle Gerichtsakten zur Verfügung. Nach der Beendigung der Hexenprozesse forder- ten die Nachkommen der Opfer in den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts ausdrücklich die Zer- störung der entsprechenden Gerichtsaufzeichnun- gen als Teil einer Wiedergutmachung.7 Obwohl Otto Seger schreibt, «die Akten der Hexenprozesse» sei- en 1712 wieder nach Vaduz zurückgekommen,8 nachdem sie 1681 von der kaiserlichen Kommissi- on ausser Landes gebracht worden waren, wurde dem Ansinnen der Untertanen vielleicht teilweise entsprochen. Wie und von wem Akten vernichtet wurden, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht mehr feststellen. Paul Vogt führte als wahrscheinlichsten Grund für eine gezielte Akten Vernichtung an, «daß die 
Richter, die Denunzianten und die Zeugen ge- schützt werden sollten». Von einem Schutz der Nachkommen von Opfern durch die Zerstörung der Akten, den Johann Baptist Büchel und Otto Seger ebenfalls in Erwägung gezogen hatten, hielt Vogt wenig, weil der «üble Ruf nicht aufgrund der Akten, sondern aufgrund der mündlichen Überlie- ferung tradiert wurde».9 Diese Aussage trifft zwar zu, die Möglichkeit einer weiteren Belastung durch Hinweise auf Eintragungen in Gerichtsbüchern spielte mitunter jedoch durchaus eine bedeutsame Rolle bei den Hexenverfolgungen.10 Aufgrund der Aktenverluste in den letzten an- derthalb Jahrhunderten wurde mittlerweile auch Peter Kaisers «Geschichte des Fürstenthums Liech- tenstein» zur Primärquelle. Für seine 1847 erschie- 3) Tschaikner, Hexenland Liechtenstein. 4) Z. B. LLA RA 144/173, S. 12; LLA AS 1/ 2, fol. 41b. 128b; vgl. zu der Thematik ausführlicher Tschaikner: «Damit das Böse ausgerottet werde», S. 23-34, und ders.; Magie und Hexerei, S. 105-128. 5) Eine sehr gute Übersicht über die allgemeine Entwicklung des Hexenwesens bietet die kommentierte Quellensammlung «Hexen und Hexenprozesse», herausgegeben von Wolfgang Behringer. Zu den Hexenverfolgungen allgemein und speziell im schwäbischen Raum vgl. den Aufsatzband «Hexen und Hexenverfolgungen im deutschen Südwesten», herausgegeben von Sönke Lorenz. Bei mei- nen Arbeiten über die Hexenverfolgungen in Vorarlberg (siehe Lite- raturverzeichnis) finden sich auch einige Ausblicke auf die benach- barten schweizerischen Landstriche (Prättigau, Rheintal), deren Hexenwesen einer Aufarbeitung nach neueren Gesichtspunkten harrt. 6) ÖStA Deneg. Ant. 96. 7) Gezielte Vernichtungsaktionen kamen auch anderenorts vor, z. B. in Graubünden (Bader, Hexenprozesse, S. 170) oder im Kurfürsten- tum Trier (Rummel, Exorbitantien. S. 37). In Bludenz legte jemand den überlieferten Akten in den Jahrzehnten um 1800 ein Gedicht bei, in dem er antiklerikalen Gefühlen im Zusammenhang mit den Hexenprozessen Luft machte. Der Text ist abgedruckt bei Tschaik- ner: «Damit das Böse ausgerottet werde», S. 14 f. 8) Seger, Hexenprozesse, S. 66. 9) Vogt. Hexenprozesse, S. 1 f.; Büchel. Protokolle, S. 109. Paul Vogt schreibt irrtümlich, Büchel und der ihn zitierende Seger hätten ebenfalls gemeint, «daß die Prozeßakten von den Richtern und ihren Nachkommen vernichtet wurden»: Vogt, Hexenprozesse, S. 2. Anm. 2 (Hervorhebung d. d. Verf.). Büchel spricht jedoch von der «Rücksicht auf die Richter und auf die Nachkommen der Hingerich- teten»: Büchel, Protokolle, S. 109. 10) Vgl. z. B. Tschaikner, Magie und Hexerei, S. 173 f. 7
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.