In dieser trockenen, sonnigen Gegend mussten Rebstöcke doch gedeihen, meinte der fleissige Triesner. Mit Hilfe der schwarzen Arbeiter legte er in der Nähe der Missionsstation einen Weinberg an.78 Sicher hat er dabei auch an den Meierhof da­ heim gedacht, wo die Familie Nigg vor der Haus­ türe einen stattlichen «Wingert» besass. In Dun­ brody traf Theodor Nigg auch seine Schwester Ma­ ria. Seinen drei Brüdern, die in Mariannhill lebten, ist Theodor in Afrika aber nie begegnet. Anfang der neunziger Jahre wurde Bruder Theodor auf die Missionsstation Keiland versetzt. Hier konnte er sich einen langersehnten Wunsch erfüllen. Theodor begann, eine kleine Kapelle zu errichten. Als er nach Afrika ausgereist war, hatte ihm jemand eine Madonnenstatue geschenkt, die er immer mit sich führte. In der Kapelle sollte die Mutter Gottes nun einen Ehrenplatz erhalten. Der rührige Jesuitenbruder konnte jedoch sein Vorha­ ben nicht mehr vollenden. Obwohl erst 54-jährig, war der Liechtensteiner durch seine rastlose Tätigkeit verbraucht. Zu allem Überfluss kam noch Malaria dazu. Augenzeugen berichteten, dass er sich in allen Schmerzen treu blieb, er liess sich nicht anmerken, wie er zu leiden hatte, und war bis zuletzt zu Scherzen aufgelegt. Am 6. August 1891 starb Theodor Nigg. «Jesus dir leb ich, Jesus dir sterb ich», sollen seine letzten Worte gewesen sein.79 
AUFBRUCH INS NEUE LEBEN EINE ZWISCHENSTATION IN MARIASTERN In seinen originellen Werbeaufrufen wandte sich Pfanner mit folgenden Worten an gestrauchelte und Strafentlassene Männer: «Ergraute Sünder und junge Bösewichte» wolle man nicht abweisen, vor­ ausgesetzt, dass sie «Busse tun».80 Auch im Hause der Familie Nigg lagen vermut­ lich die Schriften von Franz Pfanner auf.81 Die Lek­ türe dieser Hefte weckte wohl in den drei Brüdern den 
Wunsch, ins Kloster einzutreten. Zudem er­ möglichte ihnen dieser Schritt einen gemeinsamen Neuanfang, denn ein Verbleib in Triesen schien für die rebellischen Meierhof-Geschwister untragbar geworden zu sein. Ende Februar 1883 wurde Florian Nigg als letz­ ter aus dem Kerker entlassen.82 Bald darauf ver- liessen die Brüder Franz, Johann und Florian ihre Heimat in Richtung Bosnien. Maria blieb vorerst auf dem Meierhof. Sie sollte aber bald wieder mit den Brüdern zusammenkommen. Im «Liechtensteiner Volksblatt» vom Freitag, den 4. Mai 1883, wird auf der ersten Seite über die Auswanderung der Nigg-Brüder wie folgt berichtet: Vaduz, 2. Mai. Die bekannten Geschwister Nigg vom Meyerhof bei Vaduz sind letzten Montag in aller Stille abgereist; wohin noch unbekannt - ob nach Amerika oder Afrika - Man meint nur ins Hinterland. Anfang Mai 1883 klopften die Brüder Nigg an die Pforte der Trappisten in Mariastern und baten um Aufnahme. Diese wurde ihnen gewährt, und alle drei begannen mit der Vorbereitung auf das Klosterleben. Franz erhielt den Namen Gregor, Jo­ hann wurde zu Bruder Germanus und Florian nahm den Namen Bruder Cornelius an. Nicht nur die Namen wurden gewechselt, die Brüder Nigg be­ gannen gleichsam ein neues Leben mit einer neuen Identität. 94
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.