fen alle im gleichen Raum. Mehrmals am Tag und auch während der Nacht begeben sich die Mönche für das Stundengebet in die Kirche. Ausser weni­ gen festgelegten Stunden in der Woche dürfen die Trappisten nicht sprechen. Handzeichen ermögli­ chen dennoch ein Zusammenarbeiten.53 Franz Wendelin Pfanner, der zuerst als kränk­ licher Dorfpfarrer in Haselstauden bei Dornbirn wirkte, trat im Jahre 1863 in das Trappistenkloster Mariawald54 ein. Das einfache Leben stärkte seine Gesundheit, und er wandelte sich bald zum Drauf­ gänger und Abenteurer. In kurzer Zeit stieg Pfan­ ner zum Prior von Mariawald auf. Seinem Taten­ drang war dadurch noch keinesfalls Genüge getan. Unterstützt durch die österreichische Regierung begann er, in Bosnien55 ein Trappistenkloster auf­ zubauen. Obwohl die Gründung des neuen Klosters Mariastern56 im durchwegs von Moslems bewohn­ ten Gebiet um Banja Luka nicht problemlos von­ statten ging, setzte sich Prior Franz schliesslich durch. Für ihre grossen Ziele brauchte die anfangs kleine Trappistengemeinde von Mariastern aber Nachwuchs und Geld. Schnell erkannte Pfanner die grosse Wirksamkeit von Werbeschriften. Kurzent­ schlossen kaufte er eine Druckmaschine und be­ gann, unterstützt von seinen Mönchen, mit dem Drucken von religiösen Schriften. Bruder Zacharias, ein Weggefährte der ersten Stunde, schuf für den gesamten deutschen Sprach­ raum ein effizientes Verteilungsnetz.57 Die Anstren­ gungen Pfanners hatten sich gelohnt. Die Mönchs­ gemeinschaft wuchs, und regelmässige Geldspen­ den gestatteten einen kontinuierlichen Ausbau des Trappistenklosters in 
Mariastern.58 DAS TRAPPISTENKLOSTER MARIANNHILL Im September 1879 fand in Frankreich das Gene­ ralkapitel der Trappisten statt. Unter den sieben Äbten und zwei Prioren war auch Franz Pfanner, der Gründer von Mariastern in Bosnien. Ein Bischof aus Afrika hatte sich in Septfons an­ gemeldet. Es handelte sich um Dr. James Ricards aus Grahamstown. Er bat die Führungsgilde der 
Trappisten um Missionare für Südafrika. Vier Jah­ re zuvor war er bei den Jesuiten mit demselben Ansuchen erfolgreich gewesen. Die Trappisten gal­ ten als ausgezeichnete Landwirte und Handwerker, und solche Fachleute fehlten dem Bischof in seiner Diözese. Ein Abt nach dem anderen aber lehnte ab, was Ricards sehr enttäuschte. Als Franz Pfanner den Missionsbischof so niedergeschlagen sah, stand er plötzlich auf und sagte über den Tisch hin­ weg: «Wenn niemand geht, dann gehe ich!»59 Wenige Monate später fuhr Franz Pfanner, be­ gleitet von zwei Dutzend Mönchen, nach Afrika.60 Für die Trappisten war ein grosses Stück Land ge­ kauft worden, das vom aus Irland stammenden Bischof61 nach der alten irischen Abtei Dunbrody benannt wurde. Wo wilde Kakteen und Dornen- gestrüpp wucherten, entstanden bald Felder und Gärten. Doch Viehseuchen und Dürreperioden machten den Trappisten das Leben schwer. Zudem konnte Bischof Ricards nicht alle finanziellen Ver­ sprechen einhalten. Da es zu keiner einvernehm­ lichen Regelung mit dem Bischof kam, suchte Franz Pfanner auf eigene Faust ein besser geeig­ netes Gelände für seine Klostergründung. Unweit der Hafenstadt Durban erwarb er einige Farmen und nahm sie an Weihnachten 1882 in Besitz.62 Das neue Trappistenkloster erhielt den Namen Ma­ riannhill. Kurz nach der Gründung von Mariannhill reiste Franz Pfanner zurück nach Europa, um in seinem alten Kloster Mariastern als Prior abzudanken. Es wurde ihm zugestanden, zehn Brüder auszuwäh­ len,63 die ihn nach Afrika begleiten durften. Das verwaiste Dunbrody wurde von den Jesui­ ten übernommen. Später haben Theodor und Ma­ ria Nigg für einige Jahre dort gelebt.
        

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