GOTTESFÜRCHTIGE REBELLEN AUS LIECHTENSTEIN ALBERT EBERLE Einleitung Wenn gleich fünf Geschwister Haus und Hof verlas­ sen, um sich in den Dienst der afrikanischen Mis­ sion zu stellen, ist dies für das kleine Liechtenstein des ausgehenden 19. Jahrhunderts eine absolute Rarität. In der folgenden Arbeit gehe ich dem aus­ serordentlich spannenden Schicksal der Geschwi­ ster Nigg vom Meierhof nach. In meinem Heimat­ dorf Triesen sind diese Vorkommnisse heute weit­ gehend vergessen. Der folgende Beitrag wurde als Semesterarbeit an der Pädagogischen Hochschule in St. Gallen verfasst und angenommen von Dozent Dr. Peter Geiger. Ein langanhaltender Streit der Familie Nigg mit der Gemeinde Triesen artete im März des Jahres 1882 zu einer handfesten, mit Waffengewalt ge­ führten Konfrontation aus. Franz, Florian, Johann und Maria Nigg wurden des Verbrechens des Auf­ standes 
für schuldig erkannt und zu schwerem Kerker verurteilt.1 Nach Verbüssung der Haft ver- liessen die vier Geschwister ihre Heimat und wirk­ ten fortan als Missionare in Afrika. Ein weiteres Familienmitglied, Theodor Nigg, war, in diese Händel nicht verstrickt. Der fromme Theodor entschied sich schon früh zum Ordensle­ ben. Im Jahre 1869 trat er, 21-jährig, in Gorheim bei Sigmaringen den Jesuiten bei.2 Auch ihm wer­ den wir später in Südafrika begegnen, denn er ging 1879 als erster der fünf Geschwister nach Afrika. Über das Leben des liebenswürdigen Jesuitenbru­ ders ist glücklicherweise vieles überliefert. Wenn mein Taufpate Albert Eberle bei uns zu Besuch war, wurde oftmals über Dinge aus frühe­ rer Zeit gesprochen. Mich interessierten diese Ge­ schichten, und ich konnte dem «Götti» stundenlang zuhören. Dabei habe ich auch einmal etwas über die Geschwister Nigg aufgeschnappt. Jahre später sandte mich der Liechtensteinische Entwicklungsdienst (LED) als Entwicklungshelfer zu Bruder Stefan Frommelt nach Umtata in Süd­ afrika. Beim Lesen des Büchleins «Priester und Or­ densleute aus Triesen»3 habe ich dann bemerkt, dass die fünf Geschwister Nigg in derselben Ge­ gend gewirkt haben, in die ich vom LED geschickt wurde. Mein Interesse an der Lebensgeschichte der fünf Triesner war geweckt. Während meiner zwei­jährigen 
Tätigkeit in Afrika ging ich den Spuren der Geschwister Nigg nach. Bei Besuchen im Archiv der Mariannhiller Mis­ sionare bin ich auf interessante Unterlagen und Be­ schreibungen der drei in diesem Orden lebenden Missionare aus Triesen gestossen. Aber auch über den Jesuiten Theodor Nigg war etliches im Ma­ riannhiller Archiv zu erfahren. Bruder Theodor lebte unter anderem in Keiland, einer Missionssta­ tion, die später von den Mariannhillern übernom­ men wurde. Von den Schwestern «Vom Kostbaren Blut», die ebenfalls in Südafrika ihr Mutterhaus ha­ ben, sowie von den Kreuzschwestern in Menzin- gen4 erhielt ich Informationen über Maria Nigg. Obwohl das Ableben des jüngsten der Nigg-Ge- schwister schon achtzig Jahre zurückliegt, sind noch alle Grabstätten vorhanden. Während meiner Zeit in Afrika habe ich die Gräber von vier der fünf Geschwister aufgesucht. Im Lauf der Zeit besuchte ich verschiedene Pro­ vinzhäuser der Mariannhiller in Europa und fand da und dort noch Material über die Geschwister Nigg. Von Jesuitengemeinschaften in der Schweiz und in Deutschland erhielt ich zusätzliche Informa­ tionen über Bruder Theodor. Schliesslich befinden sich auch im Liechtensteinischen Landesarchiv verschiedene Akten zum Fall Nigg. Das sehr zeit­ raubende Studium der Landesarchiv-Dokumente brachte mir die wichtigsten Informationen über den Nigg-Streit. Herzlich danken möchte ich Herrn Dr. Peter Gei­ ger, der mir den Anstoss gab, das Leben der Ge­ schwister Nigg im Rahmen einer Semesterarbeit an der Pädagogischen Hochschule in St. Gallen zu be­ schreiben. Folgende weiteren Personen haben mich bei dieser Arbeit unterstützt: Bruder Stefan Frommelt, lic. phil. Paul Vogt, Pater Dietmar Seu- bert, Frieda Eberle, Dr. Hilmar Hoch, Susanne Falk. 1) Vgl. S. 85 f. 2) Vgl. S. 91 f. 3) Tschugmell: Priester und Ordensleute aus Triesen, S. 7. 4) Das Mutterhaus der Kreuzschwestern liegt in Men-zingen (ZG); daher wird oft auch der Name «Menzingerschwestern» verwendet. 79
        

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