Abrechnung mit NS-An- hängern wird verlangt: Plakattafeln und Galgen am Schaaner Lindenplatz am Pfingstmontag, 21. Mai 1945 
steiner Vaterland) nicht. In den folgenden Wochen prangerte das  die einheimischen Natio- nalsozialisten und deren Schreiben und Treiben in den vergangenen Jahren an und warf gleichzeitig dem  und der VU den Umstand vor, dass sie während all den Jahren zum einheimischen Na- tionalsozialismus geschwiegen hatten. Das  antwortete gereizt, pochte auf die im Krieg geübte Loyalität und beschwor den für die politi- sche Zusammenarbeit nach dem Krieg notwendi- gen Frieden, der Beschuldigungen nicht vertrage. Erboste NS-Gegner hielten dafür, zu reden und nicht Unrecht und Verrat mit Schweigen zuzu- decken, das sei man der Gerechtigkeit, der Wahr- heit und der Geschichte schuldig, Offenheit sei das Gebot der Stunde. Es gehe nicht an, jene, die jahre- lang beleidigt und bedroht wurden und sich jetzt äusserten, noch als Friedensstörer zu kritisieren, statt ihre Standhaftigkeit als Voraussetzung für das Überleben Liechtensteins anzuerkennen.86 Jene, die sich hatten blenden lassen oder geschwankt hatten, hätten lieber nichts mehr über die dunklen Jahre gehört. Lang gestaute Emotionen, die nach Vergeltung riefen, mischten sich mit Gefühlen der Dankbarkeit für das Ende der Bedrohung. Religiösen Ausdruck fand die Erleichterung in der Landes-Dankwall- fahrt zur Marienkapelle auf Dux am Pfingstmontag. Im Herbst folgte eine Dankeswallfahrt der Frauen und Töchter nach Einsiedeln, mit mehreren Prin- zessinnen, und im Mai 1946 auch eine Einsiedler Wallfahrt der Jungmänner samt Fürst und Regie- rungschef Frick.87 An jenem Pfingstmontag, 21. 
Mai, 2% Wochen nach Kriegsende in Europa, kamen die der Kirche zustrebenden Leute auf dem Lindenplatz in Schaan unverhofft an Plakattafeln und einem hölzernen Galgen mit baumelndem Strick vorbei. Sie standen an der Mauer. Eine Tafel war mit «Umbruch»-Titel- seiten beklebt. Darüber stand gross: «Einst forder- ten sie», darunter: «Jetzt fordern wir!» Auf der zweiten Plakatwand waren die Forderungen gross aufgeführt: Bestrafung aller Vaterlandsverräter, Spione, Umbruch-Redaktoren, SS- und SA-Leute, Entlassung nationalsozialistischer Staatsangestell- 68
        

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