«AM RANDE DER BRANDUNG» PETER GEIGER nen machten an seiner Grenze nicht halt, während Jahren lastete der «schwere Alpdruck». Dass man in Liechtenstein nicht heimgesucht worden, ver- danke man «der grossen heimattreuen Mehrheit unseres Volkes», den Verträgen mit der «wehrhaf- ten und vorsorgenden Schweiz», vor allem aber dem «besonderen Schutz und Segen Gottes». Gott habe den Liechtensteinern nicht wegen ihrer Ver- dienste geholfen, sondern aus reiner Gnade. In der Zeit der Not, so fuhr Franz Josef fort, seien die Beziehungen zur Schweiz so vertieft worden, dass man sie nie vergessen könne und sie «in unser aller Augen unauflöslich geworden sind». Jetzt sei das Kriegsleid zu lindern, das Wohl des Volkes durch Einigkeit zu fördern und dafür zu sorgen, dass jede Familie im Lande Arbeit und Auskommen finde.83 Am selben 12. Mai trat ein «Aktionskomitee hei- mattreuer Liechtensteiner» in Erscheinung. Diese Bürger richteten ein Schreiben an den Landtag und die Regierung und überreichten es auch persönlich dem Fürsten. Darin klagten sie die «Landesver- räter» an, die in den vergangenen Jahren die Hei- mat verkaufen wollten und bereit gewesen wären, grösstes Unglück über jede einzelne Familie zu bringen. Im Namen des Vaterlands- und fürsten- treuen Volkes forderte das Aktionskomitee von Landtag und Regierung «strengste Bestrafung aller Vaterlandsverräter». Die «Umbruch»-Redaktoren, die zum Hochverrat aufgewiegelt hätten, sollten verhaftet und bestraft werden, ebenso die Putschi- stenführer von 1939. Bestraft werden sollten ferner alle übrigen Putschteilnehmer, alle liechtensteini- schen Freiwilligen in Wehrmacht, SS, SA und Volkssturm, alle Spione für Nazideutschland, alle, die im Dienste der Gestapo gestanden und Liech- tensteiner denunziert hatten - zusammen wären dies etwas über 200 Personen gewesen. Prozesse, in welchen Heimattreue aus politischen Gründen verurteilt wurden, seien wiederaufzunehmen. Ne- ben gerichtlicher Aburteilung forderte das heimat- treue Aktionskomitee weitere, politische Strafen: Allen Landesverrätern, Putschisten, Spionen und Denunzianten solle zusätzlich das Wahl- und Stimmrecht entzogen werden, Staatsangestellte, welche dem Nazitum Vorschub geleistet, seien frist-los 
zu entlassen, bei Arbeitsvergabe und Anstellun- gen seien Heimattreue vorzuziehen. Ebenso forder- te das Aktionskomitee die sofortige Ausweisung all jener Ausländer, die in NS-Umtriebe verstrickt wa- ren, sowie Beschlagnahmung ihrer Vermögen zu- gunsten des liechtensteinischen Staates. Das liech- tensteinische Volk, so schloss das Schreiben, sei durch «eine Gruppe von unsauberen Elementen» - gemeint war die «Volksdeutsche Bewegung» - während Jahren «in grösste Angst» versetzt und «bedroht» worden. Heute fordere das Volk «ge- rechte Sühne», auf legalem Weg. Nur so könne die «Selbsthilfe des Volkes» hintangehalten werden.84 Dies war vier Tage nach Kriegsende. NACH DEM KRIEGSENDE Breite Teile des Volkes dachten ähnlich wie das hei- mattreue Komitee und erwarteten «Säuberung». Das Liechtensteiner Volksblatt> druckte die Forde- rungen des Aktionskomitees ab,8-1"1 das 
    

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