«AM RANDE DER BRANDUNG» PETER GEIGER Rasch näherte sich nun auch der Landkrieg.32 Die liechtensteinische Regierung fragte am 14. Feb- ruar 1945 die Schweiz um Verstärkung des Grenz- schutzes an. Man werde das Anliegen prüfen, hiess es in Bern. Ein Flüchtlingsandrang stand zu er- warten.33 Im März beauftragte die Regierung das Bauamt, Pläne für Flüchtlingsbaracken zu besorgen, so wie sie die Schweiz schon erstellte. Der «Liechtenstei- nische Caritas-Verein», der «Volksverein Vaduz» und der «Landesverband der Frauen und Töchter» taten sich im März zusammen, um die «Flücht- lings- und Nachkriegshilfe» zu organisieren. Meh- rere Frauen und Töchter hatten im Januar in Lu- zern an einem entsprechenden Schulungskurs teil- genommen. Die Regierung kündigte eine Geld- sammlung an. Pfarrer Tschuor sammelte «Bom- benfünfer» für jeden Tag der Kriegsverschonung des Landes.34 DIE LETZTEN WOCHEN UND TAGE IM KRIEG Auf den 6. April endlich lud das Politische Departe- ment zu einer Besprechung von Flüchtlingsfragen nach Bern. Dr. Hoop, Dr. Vogt und Prinz Heinrich nahmen teil. Das Wichtigste wurde geklärt: Die Schweiz führte wie schon im Krieg auch für Liech- tenstein die ganze Flüchtlingspolitik. Die Schweiz übernahm die Flüchtlinge, über Aufnahme ent- schieden die schweizerischen Organe, die Grenzsa- nität lag in Buchs, wo ein Lager eingerichtet wurde. Für die Grenzüberwachung wurde ein Stachel- drahtverhau in Aussicht genommen. Eine Grenzsi- cherung durch schweizerische Armeetruppen, wie sie Liechtenstein gewünscht hätte, wurde abge- lehnt, ebenso, zu diesem Zeitpunkt noch, Anfang April, eine Grenzwachtverstärkung. Einige Tage darauf, am 9. April, besprachen sich Dr. Hoop und der Fürst: Wie sollte man die rück- kehrenden liechtensteinischen Nationalsozialisten behandeln, vorab die Putschisten von 1939? Ver- haften? Oder zurück ins Reich schicken? Fürst und Hoop Hessen die Frage offen. Sie erwogen auch, mehr Maschinenpistolen für die Polizei anzuschaf-fen 
sowie für die Grenzorgane Deckungsbauten zu errichten. Am 15. April wurde auf den Kirchenplätzen ver- lautbart, Männer von 20 bis 40 Jahren könnten sich als Hilfspolizisten melden. Die Hilfspolizei be- trug schliesslich 52 Mann, mit der regulären Polizei waren es 60 Mann. Die Regierung liess sie impfen, nachdem in Feldkirch ein tödlicher Scharlachfall auftrat. Am 17. April fand bei der Regierung eine hoch- karätige Besprechung über Grenzschutzmass- nahmen statt. Dabei waren unter anderem Fürst Franz Josef, Regierungschef Hoop, Regierungschef- Stellvertreter Vogt, Wachtmeister Brunhart, von schweizerischer Seite Zolldirektor Spitz, Grenz- wacht-Oberstleutnant Dr. Wyss und weitere Offizie- re. Beschlossen wurde: Der Maschinenpistolenbe- stand der Polizei wird von 6 auf 15 erhöht. Der Grenze entlang wird von Ruggell bis zum Maurer- berg ein Stacheldrahtverhau angelegt. Anschlies- send besichtigte man gemeinsam vom Schellen- berg aus die Grenze. Am Abend besprach man alles mit den Unterländer Gemeindevorstehern. Anderntags ergingen die Aufträge zum Bau des Verhaus. Der Grenze entlang musste ein Streifen von 10 m Breite unbepflanzt bleiben. Die Regie- 28) Fleming/Steinhage/Strunk (s. oben Anm. 5), S. 42. 29) Verschiedene Akten im LLA. - LVolksblatt und LVatorland 1939 bis 1945. - 
    

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