«AM RANDE DER BRANDUNG» PETER GEIGER und Samariterinnen ausgebildet, zusammen etwas über hundert. 17 Sortimente Verbandsmaterial und Medikamente (mit je 50 Morphium-Ampullen) lagen bereit. Schreinermeister Alois Näscher zim- merte zwölf «Katastrophenkoffer». Ebenso hatte die Regierung zehn Tragbahren gekauft. Diese und die Katastrophenkoffer wurden in den Pfarrhäu- sern bereitgestellt.11 Nach dem Krieg wurden sie dem Spital Feldkirch geschenkt.12 Ab Herbst 1944 kennzeichnete man auch grös- sere Gebäude und die Landesgrenze zu Vorarlberg in den Farben Gelb-Rot, so in Ruggell das Schul- haus, in Schellenberg das Kloster, in Vaduz Maria- num und Jenny & Spoerry-Fabrik. Die Gemeinde Eschen liess Erkennungstafeln von 
7 Vi auf 
7 Vi m anfertigen, um sie horizontal auszulegen.13 1944 wurden alle Liechtensteiner im Ausland aufgefordert, sich bei den schweizerischen Kon- sulaten immatrikulieren zu lassen; jenen aller- dings, welche hochverräterisch gehandelt hatten, sollten Eintragung und Schutz verweigert wer- den.14 Die schweizerischen Vertretungen im deut- schen Reichsgebiet brachten in den letzten Kriegsmonaten an Häusern von Liechtensteinern, so auch des Fürstenhauses, Schutzbriefe an, damit sie nicht von den alliierten Besatzungstruppen in Beschlag genommen wurden.15 Auf aussenpolitischem Felde liess Fürst Franz Josef II. auf eigene Initiative die seit 1933 geschlos- sene Gesandtschaft in Bern 1944 wiedereröffnen, ab Dezember war sie in Betrieb, zum Geschäftsträ- ger ernannte der Fürst seinen Bruder, Prinz Hein- rich. Die Gesandtschaftseröffnung hatte der Fürst gegen den Willen der gesamten Koalitions- regierung Hoop-Vogt-Frommelt-Hasler, der beiden Parteien Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) und Vaterländische Union (VU) und des gesamten Landtages eingefädelt und durchgesetzt. Hinter den Kulissen spielte sich im Herbst 1944 eine veri- table liechtensteinische Staatskrise ab. Regierung und Landtag gaben nach. Dem Fürsten ging es dar- um, über die Gesandtschaft für die Nachkriegszeit wieder mehr Einfluss auf die Aussenpolitik neh- men und direkter die Interessen des Landes wie des Hauses wahren zu können. Die Regierung, der 
Landtag und die Parteien dagegen wollten die pragmatischen und effizienten direkten Drähte nach Bern und zu den vielen eidgenössischen Ver- waltungsstellen nicht gekappt sehen. Der Kompro- miss bestand darin, dass künftig die wichtigen Angelegenheiten über die Gesandtschaft gingen, Verwaltungsgeschäfte aber nach wie vor im direk- ten Behördenkontakt abgewickelt wurden. Mit dem neuen Geschäftsträger bezweckte der Fürst auch, dass die Alliierten, baldige Sieger, eine von den Kriegsverwicklungen unberührte Stelle und Person als Anlaufstelle des Fürstentums vorfanden.16 Liechtenstein wurde ab Februar 1945 aussen- politisch auch betroffen durch die schweizerischen Verhandlungen mit den Alliierten, welche mit dem Namen des amerikanischen Chefunterhändlers Currie verbunden sind. Eine amerikanisch-eng- lisch-französische Delegation unter Currie weilte im Februar und Anfang März 1945 in Bern. Sie for- derte von der Schweiz, dass diese erstens sofort jeden Export nach Deutschland einstelle, zweitens jeden deutschen Transit durch die Schweiz nach deutsch besetztem Gebiet - sprich Oberitalien - un- terbinde und drittens die Resolution VI von Bretten Woods anwende, nämlich verhindere, dass deut- sches Raubgut, Gold, Geld und anderes Vermögen in und durch die Schweiz verschoben oder hier für die Nachkriegszeit versteckt und den Alliierten so- wie den früheren Eigentümern entzogen werde. Der Bundesrat sperrte am 16. Februar 1945 alle 9) Akten im LLA. 10) LLA RF 220/187. 227/274. 11) LLA RF 220/187. 12) LLA RF 228/48. 13) LLA RF 220/187. 14) LLA RF 221/412. 15) LLA RF 221/160. 16) LLA RF 227/228.- LLA. L Landtags-Protokoll (LT-Prot.) vom 7. und vom 14. Dez. 1944. - Rechenschaftsbericht 1944, S. 44. - Rechenschaftsbericht 1945, S. 44 f. 55
        

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