DER WEG DER LIECHTENSTEIN-GALERIE VON WIEN NACH VADUZ / GUSTAV WILHELM der Weiss, mit denen ich seit Jahren zusammenar- beitete und beredete ihn schliesslich, mir einen Eisenbahn-Lastwaggon für einen Tag zur Verfü- gung zu stellen. Nach längerem Hin und Her sagte er zu, einen Waggon bis Mittag bereitzustellen. Das bedeutete faktisch die Rettung des ganzen Trans- portes. Wir fuhren nun wieder mit unseren Autobussen nach Bregenz, wo tatsächlich der leere Waggon schon auf uns wartete. Am Bahnhofzollamt zeigte ich die Ausfuhrbewilligung für den Hausrat des Fürsten und teilte mit, dass ich zwei Busse voll Hausrat hier habe und diese ins Fürstentum führen müsse. Die Listen der bewilligten Sachen seien beim Zollamt in Feldkirch, und ich schlug vor, dass das Zollamt Bregenz die beladenen Waggons ver- siegeln und gleich bis zum Bahnhof Schaan aufge- ben solle. Das wollten sie anfangs nicht. Einerseits war man am Zollamt froh, die Zollabhandlung nicht selbst machen zu müssen, da den Beamten die umständliche Manipulation mit den Listen und Separatbewilligungen unangenehm war. Dem Vor- schlag, doch in Feldkirch am Bahnhof die Zoll- beschau zu machen, setzte ich entgegen, dass das infolge des Personalmangels länger dauern könne und die Gefahr einer Bombardierung bestünde. Das fand man dann plausibel, ich musste eine Erklärung unterschreiben, worin ich namens der Fürstlichen Regierung zustimmte, dass die deut- schen Behörden diesen Waggon in Liechtenstein zollabhandeln dürfen. Am Bahnhof hatte Weiss in- zwischen eine Anzahl polnischer Kriegsgefangener bereitgestellt, die nun über Mittag bei strahlender Sonne den Waggon beluden. Das machte allerdings mehr Aufsehen, als uns lieb war, denn die Bilder leuchteten zwischen den öden Balken in all ihrer Schönheit, dass alles, was vorbei kam, stehen blieb. Dann wurde der Waggon versiegelt und nach Buchs aufgegeben, wir fuhren mit den leeren Auto- bussen nach Vaduz, wo wir um 11 Uhr abends ein- langten. Ich konnte dem Fürsten noch melden, dass die Galerie im Lande sei. Um die mir schriftlich zugesagte Zollabhandlung im Schloss kamen wir nun doch nicht herum. Bei der am nächsten Tag im Schloss stattfindenden Be-sprechung 
einigte man sich dahin, die Bilder im Schloss zu deponieren und dann - unter falscher Deklaration - sie als die zur Ausfuhr frei gegebenen Bilder der zweiten Garnitur abzuhandeln; denn merkwürdigerweise hatten die deutschen Behör- den auf der Liste der zur Ausfuhr frei gegebenen Bilder die bereits nach Liechtenstein ausgeführten Gemälde nicht abgestrichen. Es wurde folgender Modus procedendi beschlossen. Morgen früh, wenn die deutschen Zollbehörden nach Buchs ka- men, würde ihnen dort der Kabinettssekretär Dr. Ritter mitteilen, ich sei gleich wieder nach dem Osten abgereist, um weitere Sachen zu holen, und da nur ich die Bilder kenne, müsse man die Zollbe- schau bis zu meiner Rückkehr verschieben. Die Bil- der sollte man unter Zollbegleitung ins Schloss Vaduz bringen und in einem Raum deponieren, den der deutsche Zoll bis zu meiner Rückkehr ver- siegeln solle. Ich wusste im Schloss Vaduz einen Raum, der nur einen Zugang hatte, in dem man aber durch die Decke vom Dachboden aus einsteigen konnte. Es ist das die spätere Kabinettskanzlei, und dort wurde die Einlagerung durchgeführt. Mehrere Nächte stieg ich nun durch den Dachboden mit einer Leiter in diesen Raum hinunter, verhängte die Fenster, damit man vom Dorf aus kein Licht sah und musste nun die ganzen Bilder umnummerie- ren. Von jedem Bild wurden die Tafeln mit Galerie- nummer und Künstler abgenommen, nach dem Sujet festgestellt, für welche Bilder der bewilligten zweiten Liste man das Bild ausgeben könnte und dann die entsprechende neue Nummer angebracht. So wurde das Männerbildnis von Franz Hals als Fürst Johann Adam deklariert und das Kinderbild- nis Kaiser Maximilians II. von Bartel als Hofzwerg. Die Zollkontrolle ging dann, wie erwartet, glatt vor sich. Die Zöllner verstanden von Bildern natürlich nichts und strichen alles ab, was ich ihnen angab. Nur bei einem Bild gab es ein kleines Aufsehen, es war ein Ruisdael, den ich als «Bocche di Cattaro» von Gurlitt deklariert hatte. Einer der Zöllner er- innerte sich daran, dass er im Ersten Weltkrieg dort stationiert war und wollte das Bild genau an- schauen. Er war sehr verwundert und auch von 45
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.