Am 16. Dezember hatte ich nun tatsächlich von der Reichsbahn fünf Waggons bekommen, zwei nach Feldsberg, zwei nach Eisgrub und einen nach Wien. Sie wurden dort beladen und rollten bald nach Vaduz ab. Damals verlud ich in Feldsberg unter anderem den Goldenen Wagen und zwei an- dere schöne Kutschen. Langsam langten auch aus Vaduz die Schweizer Waggons ein, und ich konnte die Depots Feldsberg und Eisgrub räumen. Sehr am Herzen lag mir nun schon Sternberg und die Veste Liechtenstein, die ich aber wegen der völli- gen Unmöglichkeit, Lastautos zu bekommen, nicht ausräumen konnte. Mitte Dezember hatte ich aus Wien den Haupt- teil des Kunstgewerbes der fürstlich-liechtensteini- schen Sammlungen in einem Waggon versandt, aus Feldsberg waren zwei Waggons mit Möbeln, Bil- dern und Aquarellen abgerollt, Ende Dezember gingen weitere Waggons mit Material aus der Bankgasse, Aiserbachstrasse und Rossau nach Schaan ab. Da die Transportwege schon äusserst unsicher waren, mussten wir jeden Waggon verfol- gen und evident führen, bis er in Vaduz ankam. Ich telegraphierte die Abreise und Vaduz bestätigte mir die Ankunft. Ende Dezember 1944 waren ungefähr zehn Waggons von Wien nach Feldkirch respektive Schaan abgegangen. Die immer steigende Schwie- rigkeit, Lastautos zu bekommen, hatte es bisher unmöglich gemacht, die Depots von der Veste Liechtenstein und von Sternberg zu bergen. Graf Strachwitz, der Ende Dezember nach Vaduz fuhr, versprach mir, einen Traktorenzug zu besorgen. Auch versuchte ich in Wien mit der Speditionsfir- ma Schenker, zu der ich Beziehungen hatte, zu ver- handeln, um ein Lastauto für die Evakuierung der Veste Liechtenstein zu bekommen. Davon erfuhr die Konkurrenzfirma Gebrüder Weiss, deren Besit- zer anfangs Jänner 1945 mit dem Fürsten in Feld- kirch sprach, worauf ich von Seiner Durchlaucht den Auftrag bekam, nur die Firma Weiss zu benut- zen und mit Schenker nicht zu verhandeln. Ausser- dem teilte mir damals der Exponent der Firma Weiss mit, dass der von mir durch Graf Strachwitz angeforderte Traktorenzug bereits unterwegs war. 
Was eigentlich los war, habe ich nie erfahren. Der Lastautozug kam nie (wurde auch nie wegge- schickt), die Firma Weiss konnte weder die Veste Liechtenstein noch Sternberg evakuieren und das schöne Inventar von Sternberg ging ebenso verlo- ren wie das Depot der Veste Liechtenstein, das in wenigen Monaten die Russen übernahmen. Das Denkmalamt war über die Transporte nach Liechtenstein keineswegs erfreut, sah aber ein, dass es sie nun nicht mehr verhindern könne. Von Baron Berg erhielt ich einen Ende Jänner datierten Brief, in dem er verschiedene Formalfehler bemän- gelte, von deren Einhaltung ich mich deshalb im- mer drücken musste, weil sonst hervorgekommen wäre, dass ich so manches, was ausfuhrverboten war, nach Vaduz sandte. Die jeweiligen Packlisten der Waggons sollten vor dem Abtransport von den zuständigen Gaukonservatoren vidiert werden, was schon rein praktisch unmöglich war, denn die Packlisten standen immer erst dann fest, wenn der Waggon fertig beladen war. Da konnte man ihn dann nicht stehen lassen, bis ich das jeweilige Visum der staatlichen Stellen bekommen hatte, sonst wäre die Hälfte des Bergungsgutes durch Bombenangriffe zugrunde gegangen. Von Moos- ham z.B. hätte ich jeweils zum Gaukonservator nach Salzburg fahren müssen, was eineinhalb Tage dauert. Soviel mir derzeit noch erinnerlich ist, - die mei- sten Notizen über meine persönlichen Reisen feh- len - fuhr ich gleich nach Neujahr 1945 nach Vaduz, um dort nach der Unterbringung des Ber- gungsgutes zu sehen. Mein Mitarbeiter Schmöllerl war inzwischen soweit informiert, dass er die wei- ter einlangenden Waggons beladen und absenden konnte. Meine Anwesenheit war in Wien ausser- dem aus zwei Gründen nicht mehr wünschenswert. So sollte ich für die Stellen des Denkmalamtes nicht mehr erreichbar sein, da man einerseits ahnte, dass ich die Ausfuhrbewilligung überschritten hat- te, ausserdem drängte man zu diesem Zeitpunkt bereits energisch darauf, dass ich mein Gaminger Depot in das Salzbergwerk nach Lauffen bei Ischl bringe, wohin auch die Bestände des Kunsthistori- schen Museums aus Gaming bereits abgegangen 30
        

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