DER WEG DER LIECHTENSTEIN-GALERIE VON WIEN NACH VADUZ / GUSTAV WILHELM Dieses Ergebnis teilte ich dem Fürsten und Dr. Steegmann mit und liess in Feldsberg die Möbel des Schlosses verpacken. Steegmann kam am 15. November mit Ratjen nach Wien und besuchte alle in Betracht kommenden staatlichen Stellen, ohne greifbaren Erfolg. Seine Interventionen dauerten bis zum 22. November. Anlässlich der Durchführungsbesprechungen für die Bergung der zweiten Garnitur in Vaduz war vereinbart worden, dass das Kunsthistorische Mu- seum bestimmen sollte, welche für Österreich be- sonders wichtigen Bestände von dieser Bergung auszuschliessen wären. Zu diesem Zweck kam ich am 24. November im Kunsthistorischen Museum mit Dr. Dworschak, Seiberl, Berg und Strohmer zu- sammen, die diesmal sehr entgegenkommend wa- ren (wie übrigens die Herren des Kunsthistori- schen Museums immer). Man bestimmte die gross- formatigen Bronzen, an deren Transport ich wegen des Gewichtes gar nicht denken konnte, als ge- sperrt, ferner die Decius-Mus-Teppiche (die bereits in Vaduz waren) und das Silberrelief Erzherzog Maximilians, welches sich auch bereits in Liechten- stein befand. Für mich persönlich wurde es wegen der Gefahr eines Zugriffes des Militärs nun Zeit, selbst an den Übertritt ins Ausland zu denken. Zu diesem Zweck besorgte mir Dr. Steegmann in Berlin einen zur Ausreise gültigen Reisepass (ein Papier, das man damals überhaupt nicht mehr bekam), damit ich, sowie ich zum Militärdienst einberufen würde, wo- mit nach den Äusserungen Dellbrügges stets zu rechnen war, sofort nach Liechtenstein fahren kön- ne. Diese Einberufung erhielt ich, wie bereits er- wähnt, bald nachher. Die Transporte von Feldsberg und Eisgrub nach Vaduz stockten vor allem daran, dass man mich von Vaduz aus mit Packmaterial völlig ungenügend versorgte und ich mir das Notwendige unter stän- dig steigenden Schwierigkeiten beschaffen musste. Auch die Waggons stockten plötzlich wieder. Vom 6. bis 8. Dezember war ich in Feldsberg, um die Verpackung zu beaufsichtigen. Steegmann hatte mir von Berlin aus zehn Waggons versprochen, die mir die Reichsbahn zur Verfügung stellen sollte. 
Bei meiner Rückkehr von Feldsberg erfuhr ich, dass die SS das Fürstliche Talschloss Seebenstein beschlagnahmt hatte, und am 12. Dezember war ich draussen und führte das dort geborgene Gut nach Wien. Inzwischen bereitete ich den Spediteur Steinlechner in Mauterndorf [Salzburg] darauf vor, dass ich Moosham räumen würde, und bat ihn, zu sondieren, ob ich das Bergungsgut nicht über den Radstätter Tauernpass führen und dann in Radstatt verladen könne. Dieser Weg, der sich leider nicht als gangbar erwies, hätte mir einen Umweg von 300 km erspart. Anders als der hier abge- bildete schwer beschädigte kaiserliche Imperialwagen überstand der Goldene Wagen des Fürsten Joseph Wenzel den Krieg in un- versehrtem Zustand. 29
        

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