sehen vermutlich in Vergessenheit geratenen Grab- stellen von neuen überlagert. In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts dürften die meisten Bestattun- gen beigabenlos gewesen sein. Körperbestattungen mit Beigaben wurden im letzten Drittel des 3. Jahr- hunderts üblich. Die Anzahl dieser Gräber ist ge- ring, ein Umstand, der anscheinend mit den Ale- manneneinfällen der Jahre 259/60 n.Chr. zusam- menhängt. Zwar war die Ortschaft von Bregenz selbst anscheinend nicht von den Verwüstungen di- rekt betroffen. Dennoch wurde damals die Siedlung auf dem Ölrain aufgegeben. Ein Teil der Bevölke- rung suchte in der kleineren, aber mehr Sicherheit bietenden Oberstadt Zuflucht. Viele der früheren Bewohner hatten die Gegend scheinbar verlassen. Die Siedlungsverlagerung wird in der Nekropole nicht durch veränderte Bestattungssitten doku- mentiert. Die Funde von Zwiebelknopffibeln kön- nen auf militärische Präsenz im späten 3. und frü- hen 4. Jahrhundert in Bregenz hinweisen. Man kann daraus schliessen, dass noch vor 300 n.Chr. in Bregenz Militär stationiert war und so die Sied- lung in ein militärisches Konzept eingebunden wurde. An welchem Ort sich die Militäreinheit befand und ob der Hafen schon existierte, sind bis heute ungeklärte Fragen. Ab dem Beginn des 4. Jahrhunderts kann die Autorin aber ein Anstei- gen der Bestattungszahlen feststellen. Um die Mitte des 4. Jahrhunderts dann ist die Gräberzahl noch stärker gewachsen und erreicht in valentiniani- scher Zeit (364-375 n.Chr.) die fünffache Zahl der Belegung, die Konrad für das letzte Drittel des 3. Jahrhunderts festgestellt hat. Bemerkenswert dabei ist auch die Häufigkeit der Militärbestattun- gen. Konrad sieht darin die Auswirkungen der poli- tischen Unruhen. Die Bevölkerung zog es vor, ihre Siedlungen auf dem offenen Land zu verlassen und sich in den Schutz des Garnisonsorts Bregenz zu begeben. Unter Valentian wurden eine Reihe von baulichen Sicherungsmassnahmen in Angriff ge- nommen. Wachtürme, Brückenköpfe am Hoch- rhein, die Kastelle im Hinterland (z. B. Schaan) und nicht zuletzt der befestigte Hafen in Bregenz geben davon Zeugnis. Dennoch blieb man nicht von Ein- fällen der Alemannen 378 n.Chr. verschont. Eine 
Brandschicht in der Bregenzer Oberstadt wird vom Ausgräber Wilhelm Sydow damit in Verbindung ge- bracht. Im Gräberfeld zeigen sich dafür allerdings keine Anhaltspunkte. Die Beurteilung der Gräber- zahlen ab der Belegungsphase V (370-390 n.Chr.) ist allerdings nicht ganz unproblematisch, da von dieser Zeit an die Sitte, dem Toten Beigaben ins Grab mitzugeben, im Abnehmen begriffen ist. So sind von den 117 Gräbern, die Konrad in Phase VI (390-410 n.Chr.) datiert, 62 Gräber und von den 112 Gräber, die in Phase VII (410-430 n.Chr.) ge- hören, sogar 85 ohne Beigaben. Diese Beigaben- losigkeit stellt einen gewissen Unsicherheitsfaktor bei der Datierung der Gräber dar. Die Betrachtung der anscheinend so massiv gewachsenen Bestat- tungszahlen veranlasst Konrad, der Frage nachzu- gehen, wie gross denn die Bevölkerung eigentlich damals war und wie sie auf dem kleinen Altstadt- hügel Platz gefunden hat. Ihre paläodemographi- schen Berechnungen ergeben schliesslich für die Zeit um 400 n. Chr. eine Einwohnerzahl von 180 bis 246 Personen, die - wie sie weiters feststellt - entweder in mehrstöckigen Gebäuden oder in Wohnquartieren ausserhalb der Altstadt gewohnt haben müssen. Militär dürfte sich bis zum Beginn des 5. Jahr- hunderts in Bregenz aufgehalten haben. Das zeigen entsprechend datierte Funde von Zwiebelknopf- fibeln und Gürteln. Ab 410 kann man vermehrt elb- germanische Funde im Gräberfeld beobachten. Ob man aber aufgrund dessen auf eine kleine germa- nische Söldnereinheit im römischen Dienst schlies- sen kann, bleibt fraglich. Der Grossteil der Bevölke- rung war aber romanisch, wie verschiedene Details der Beigabensitte vermuten lassen. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts kann Michaela Konrad keine Funde mehr im Gräberfeld feststellen. Solche kennt man aus Bregenz erst wieder im fortgeschrittenen 6. Jahrhundert. Die Viten der irischen Wander- mönche Gallus und Columban bezeugen am Beginn des 7. Jahrhunderts zwar für Bregenz die Existenz einer kontinuierlich dort sesshaften Bevölkerung, archäologisch konnte bisher kein Nachweis dafür erbracht werden. So fehlen bisher späteströmische Ausrüstungsgegenstände wie attilazeitliche und 282
        

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