der Mitte des 3. Jahrhunderts wurde diese weitge- hend aufgelassen und in der «Oberstadt» ein geschützterer Ort aufgesucht. In spätrömischer Zeit nahm Bregenz durch seine günstige strategische und verkehrsgeographische Lage sowie durch sei- nen Militärhafen eine Schlüsselposition im Boden- seeraum ein. In der Notitia Dignitatum - einer Art Staatshandbuch für den internen Dienstgebrauch der römischen Behörden - ist ein Flottenkontin- gent, ein «numerus barcariorum», überliefert. Über die geschichtliche Entwicklung im Bregenzer Raum in der Zeit zwischen dem Abzug der Mi- litäreinheiten in der Mitte des 5. Jahrhunderts und der Ankunft der beiden irischen Wandermönche Gallus und Columban am Anfang des 7. Jahrhun- derts fehlen bisher archäologische und schriftliche Quellen. Eine Reihe von Fragen sind bisher noch unbe- antwortet. Welche Belege kann man für die Besied- lungskontinuität finden? Inwieweit zeichnet sich die Siedlungsverlagerung im Gräberfeld ab? Kann man Spuren kriegerischer Auseinandersetzungen erkennen? Wie steht es mit der Dauer und der In- tensität der Militärpräsenz? Wie viele Einwohner hat man sich in Bregenz damals vorzustellen? Aus welchen Volksgruppen setzt sich die Bevölkerung zusammen? Wie sieht das Fortleben der Romanen aus und in welchem Verhältnis steht dazu die ger- manische Bevölkerung? Weiters soll die archäo- logische Untersuchung neue Erkenntnisse über die Entwicklung von Tracht- und Beigabensitte der Grabbauten bringen Mühsame Kleinarbeit ist nötig, um Antworten auf all die Fragen zu erhalten. Die Autorin stellt an den Beginn ihrer Auswertung eine Untersuchung der in Bregenz vorhandenen Grabformen. Die un- terschiedlichen Grabformen ergeben erste Hinwei- se zur Datierung. Sie werden in Verbreitungskarten eingetragen, um so datierte Belegungsareale her- auszuarbeiten. Im wesentlichen erfolgt die Datie- rung der Gräber durch die Grabbeigaben. Die Bei- gaben wie Münzen, Geschirr, Gläser, Toilettegegen- stände, Spinngeräte und so weiter und das Tracht- zubehör - wie Gürte], Fibeln - und Schmuck wer- den durch Vergleiche der Funde anderer datierter 
Plätze nach Alter und Herkunft bestimmt. Die Fundgruppenbearbeitung bringt nicht nur für die Gesamtheit des Gräberfeldes, sondern auch für die Fundgruppen selbst aufschlussreiche Ergebnisse. Aus der Fülle der in Bregenz vorkommenden Fund- gruppen seien hier nur einige herausgegriffen und kurz vorgestellt. Den Münzen wurden seit den Anfängen der Aus- grabungen grosse Beachtung geschenkt. Schon von den ersten Ausgräbern wurden Münzinventare auf- gestellt. Die aktuelle Münzbestimmung geht auf Bernhard Overbeck und Hans-Roland Baldus zurück. Es zeigt sich, dass die Münzen in den Grä- bern zur Datierung nur sehr bedingt tauglich sind, da Münzen unterschiedlich lange im Umlauf wa- ren. Ausserdem wurden den Toten bisweilen auch Altstücke mitgegeben. Die Fundlage der Münzen - die Stelle im Grab, wo die Münzbeigabe deponiert wurde - ist ebenfalls Gegenstand der Untersu- chung. Michaela Konrad stellt fest, dass in Bregenz im Unterschied zu anderen zeitgleichen Nekropo- len keine Münzgabe in den Mund üblich war. Die- ser Brauch wird in spätrömischer Zeit als germa- nisch erachtet. Eine aussagekräftige Fundgruppe stellt die der Gewandschliessen - der Fibeln - dar. In Bregenz kommen sie vor allem in Form von Zwiebelknopf- fibeln vor. Sie wurden in spätrömischer Zeit von Angehörigen des Militärs oder von Beamten an der rechten oder linken Schulter getragen. Für Konrad gilt ihr Vorkommen als Beleg für Militäranwesen- heit. Mit 44 Zwiebelknopffibeln verfügt Bregenz über einen der grössten Bestände eines rätischen Fundplatzes. Der Grossteil der Zwiebelknopffibeln datiert in die Zeit zwischen 330-400 n. Chr. Von den zahlreichen Schmuckfunden werden hier nur die Armringe erwähnt. Armringe sind in Bregenz in grosser Zahl und in vielen Arten zu Tage gekommen. Am häufigsten sind Bronzearm- ringe mit Tierkopfenden vertreten. Solche kennt man auch von anderen spätrömischen Nekropolen Raetiens und seiner östlich angrenzenden Gebiete. Neuerdings sind sie ebenfalls zahlreich in Ober- italien belegt. Früher als typisch rätisches Tracht- element angesehen, kann man nun davon ausge- 280
        

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