ist die Walderschliessung mittels Verkehrswegen sehr weit (zu weit?) fortgeschritten. So macht der Autor zum Standard der Werdenberger Waldwege die folgende Feststellung: «Die Waldwege, wie wir sie heute haben, genügen in ihrem Komfort - mehr wäre fehl am Platz.»14 Im Zeitraum 1951 bis 1961 verdreifachte sich der Motorfahrzeugverkehr im Kanton St. Gallen, und die bisherigen Durchgangsstrassen waren die- sem enormen Verkehrsaufkommen nicht mehr ge- wachsen. Hans Schmidt berichtet über diese Ver- änderungen sowie über geplante und zum Teil durchgeführte strassenbauliche Massnahmen. Die alten Beläge - zumeist in Leichtbauweise erstellte Schottertränkungen - hielten dem aufkommenden Lastwagenverkehr nicht mehr stand und wurden in den sechziger Jahren durch das heute noch ver- wendete Kies-Bindemittel (= Teer)-Gemisch er- setzt. Zur besseren Bewältigung des Verkehrsauf- kommens wurden Strassen-Korrektionen und Ver- breiterungen beschlossen, denen innerorts leider auch historisch bedeutsame Gebäude zum Opfer fielen. Hans Schmidt belegt zudem den Wandel im Strassenunterhalt: Der altgediente Wegmacher wurde immer mehr durch Strassenwärter ersetzt, die zwecks Schutz vor dem wachsenden Verkehr und zur besseren Sichtbarkeit orange eingekleidet wurden. Otto Ackermann berichtet über die Planungen der Fünfzigerjahre für den schliesslich ausgeführ- ten Autobahnbau im St. Galler Rheintal. Das beson- ders vom Kanton forcierte Projekt stiess nicht zu- letzt deswegen auf wenig Ablehnung, weil die Lini- enführung nahe beim Rheindamm geplant wurde. Es musste folglich nur wenig Landwirtschaftsfläche geopfert werden. Hingegen wurde ein Grossteil des Auenwaldes zerstört, was jedoch in einer Zeit, in der Belange des Natur- und Landschaftsschutzes noch keine Lobby hatten, kaum anstössig war. Als einer der wenigen setzte sich Kreisoberförster Jo- sef Widrig für die Belange des Auenwaldes ein.15 Sein Engagement blieb erfolglos, wird aber im vor- liegenden Buch von Otto Ackermann gewürdigt. In mehreren Etappen erfolgte schliesslich in den Jah- ren 1964 bis 1980 die Errichtung dieser Autobahn, 
deren «Baugeschichte» von Max Boller dargestellt wird. Viel zu reden gab dabei der Buchser Stras- senanschluss an die Autobahn. Maja Suenderhauf schildert, wie es zur heutigen Linienführung, die anfangs heiss umstritten war, kam. Die Zerstörungen, die durch den Autobahnbau an der Natur verübt wurden, verlangten nach Kompensation. Hans Schäpper, Vogelschutzob- mann für Werdenberg und Liechtenstein, berichtet über seinen hartnäckigen, aber schliesslich erfolg- reichen Kampf zur Schaffung des Naturschutzge- bietes «Wiesenfurt». In seinen «Gedanken zur N 13 aus der Sicht der Umwelt» fragt Heiner Schlegel, ob man die Autobahn nicht umweltschonender hätte realisieren können und ob verkehrstechnisch nicht bessere Lösungen denkbar gewesen wären.16 Zwar meint Schlegel ziemlich illusionslos: «Die Autobahn ist ein massiver Eingriff, dessen Wunden nie ver- heilen für jene, welche die Verhältnisse vorher ge- kannt haben.» Dennoch gibt er Anregungen, wie - gerade auch im Bereich des Lärmschutzes - Scha- densbegrenzung möglich wäre. Da das Phänomen «Verkehr» immer komplexer und dessen Beschleunigung gerade für schwächere Verkehrsteilnehmer wie zu Fuss gehende Kinder eine wachsende Gefahr geworden ist, legt die St. Galler Kantonspolizei grossen Wert auf die schu- lische Verkehrserziehung. Über diese Bemühungen berichtet in diesem Buch Dominik Eberhard. Doch nach Ansicht von Markus Hartmann und Jürg Lori ging diese Verkehrserziehung lange Zeit davon aus, dass die Fussgängerinnen und Fussgänger den Verkehrsfluss störten, «und diese Störfaktoren mussten beseitigt werden».17 In ihrem Beitrag «Die Verdrängung der Menschen aus dem Strassen- raum» beschreiben LIartmann und Lori diesen Pro- zess, der in den dreissiger Jahren langsam einge- setzt hatte und mit der heutigen, ungesund hohen Motorisierung des Verkehrs praktisch abgeschlos- sen ist.18 Dieser Verdrängungsprozess wird ein- drücklich veranschaulicht durch das Nebeneinan- derstellen von Fotoaufnahmen, welche dieselben Plätze und Strassen im frühen 20. Jahrhundert und - als Vergleich dazu - im heutigen Zustand zeigen. (Interessant am Rande: Erst das schweizerische 276
        

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