1491 durch die expandierenden Eidgenossen,5 wodurch die linksrheinische Verkehrsroute attrak- tiver gemacht werden sollte. Diese hatte bisher immer etwas im Schatten der stärker frequentier- ten, durch das heutige Fürstentum Liechtenstein führenden rechtsrheinischen Strasse gestanden. Die Titelseite des Werdenberger Jahrbuchs 1997 zeigt die Schollbergstrasse in einer zeichnerischen Darstellung, geschaffen vom holländischen Künst- ler Jan Hackaert im Jahre 1655. Die historische Bedeutung dieser Verkehrsverbindung wird da- durch gewürdigt.6 Ackermann ergänzt diese histo- rische Illustration durch aktuelle Fotos, welche auch 1996 den einstigen Verlauf dieser spätmittel- alterlichen Schollbergstrasse noch sichtbar werden lassen. Die Strassen- und Wegverbindungen im Alpen- rheintal änderten sich in der frühen Neuzeit sub- stanziell und qualitativ kaum. Zwar kam es im spä- ten 18. Jahrhundert - so zum Beispiel in Liechten- stein - zum Ausbau von bereits bestehenden Durchgangsrouten, doch zur entscheidenden Anle- gung neuer und schnellerer Verkehrswege kam es erst im 19. Jahrhundert. Hans Jakob Reich be- leuchtet in seinem Beitrag «Von alten Landstrassen und dem Bau der Kantonsstrasse» unter anderem die Strassenbaupolitik des 1803 gegründeten Kan- tons St. Gallen. Es war die Absicht des noch jungen Kantons, seine neu gewonnenen «Randgebiete» Werdenberg und Sargans näher an die Kantons- hauptstadt St. Gallen zu binden. Während der Bau einer neuen Strasse am Fusse des Schollbergs un- bestritten war,7 gab es im frühen 19. Jahrhundert beim Strassenbau im Rheintal Streit um die Linien- führung. Der Kanton St. Gallen plädierte für die (schliesslich grösstenteils verwirküchten) «schnur- geraden Dammstrassen mitten durch die Ebene», während einzelne Ortschaften wie Grabs, Garns und Sennwald dagegen opponierten aus Furcht, durch die neue Schnellstrasse vom Durchgangsver- kehr abgehängt zu werden.8 So eine «schnurgera- de» Verbindungsstrasse entstand zum Beispiel 1836 zwischen Gams und Haag. Damals ahnte man noch kaum, wie sehr diese gerade Linienführung den modernen Bedürfnissen nach Mobilität ent-sprechen 
sollte: Der im Zuge der Industrialisierung forcierte Eisenbahnbau im (späteren) 19. Jahrhun- dert und das Aufkommen des Automobils im 20. Jahrhundert verlangten nach möglichst direk- ten, schnell passierbaren Verkehrswegen.9 Die oben genannte Verbindungsstrasse zwi- schen Haag und Gams entstand sozusagen als Ver- längerung der 1829 bis 1830 gebauten Toggen- burgstrasse, mit welcher erstmals eine durchwegs befahrbare Wegverbindung zwischen Wildhaus und Gams geschaffen wurde. Die Geschichte der Toggenburgstrasse wird im vorliegenden Buch von Noldi Kessler dargestellt. Er berichtet auch über den 1830 zwischen Wildhaus und Haag eingerich- teten Postkutschenverkehr. Haag blieb die Endsta- tion für diese Postkurse bis 1874, um dann von Buchs - welches dank der Eisenbahn stetig an Be- deutung gewonnen hatte - in dieser Funktion ab- gelöst zu werden. Die Pferdekutschen wurden schliesslich auf dieser Strecke ab 1919 durch Mo- torfahrzeuge ersetzt. Nachdem ab 1831 Bau und Unterhalt von Hauptstrassen eine kantonale Angelegenheit wa- ren, musste St. Gallen für einzelne Streckenab- schnitte, welche zwecks Unterhalt an Pächter10 ver- geben wurden, schriftliche Richtlinien erlassen. Eine solche Unterhaltsordnung stellt das 1867 er- stellte «Pflichtenheft» für den Wegmacher Christian Fuchs aus Salez dar, welches hier von Hansjakob Gabathuler vorgestellt wird. Ein besonderes Augenmerk verdient der Beitrag von Andreas Sprecher zum Thema «Gassen und Wege am Grabserberg», in welchem er - mit Unter- stützung von Hans Stricker - die «Entwicklung und Bedeutung eines verzweigten Verkehrsnetzes in den Zeiten vor dem Strassenbau» aufzeigt. Spre- cher belegt, wie die Ansprüche an Wegverbindun- gen im Laufe der Zeit stetig gewachsen sind: «Be- nutzte man [sie] anfänglich nur als Fusswege[e] und für den Viehtrieb in den Alpen, so wurde all- mählich nicht mehr alles auf dem Rücken transpor- tiert, sondern es kamen auch Schlitten, Schleipfen und Karren zum Einsatz.»11 Andreas Sprecher be- schreibt die zahlreichen, teilweise in Vergessenheit geratenen Wegverbindungen am Grabserberg, illu- 274
        

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