REZENSIONEN WERDENBERGER JAHRBUCH 1997 auch einen Exkurs in die Forschungsgeschichte, weist hier vor allem auf die im 19. Jahrhundert verbreitete Tendenz hin, viele Strassen als «rö- misch» zu taxieren, die erst ab dem Mittelalter klar nachweisbar sind. Schindler verweist auch die Vor- stellung, dass jede Römerstrasse ein sauber ge- pflasterter Weg war, ins Reich der Legenden. Es gilt indessen - so Schindler - als sicher, dass seit der römischen Kaiserzeit sowohl durch das werden- bergische linksrheinische Gebiet wie auch durch das rechtsrheinische, durch Liechtenstein führende Gebiet eine befahrbare Verkehrsverbindung führte. Schindler beschliesst seine Ausführungen mit Hin- weisen auf frühmittelalterliche Verkehrswege und Fortbewegungsmittel im Alpenrheintal. Hans Schupbach stellt das «Inventar histori- scher Wege der Schweiz» (IVS) vor. Dessen Aufgabe bestehe darin, «ein Hinweisinventar von schüt- zenswerten historischen Wegen für die Raumpla- nung zu erstellen». Ebenso habe das IVS die Pflicht, «Vorschläge für die sinnvolle Wiedernut- zung der alten Verkehrsverbindungen zu machen», so zum Beispiel durch Einbezug ins Wanderweg- netz.2 Das IVS ist für einzelne Kantone bereits er- stellt, für den Kanton St. Gallen wurden jedoch erst punktuelle Vorarbeiten geleistet. Zum Thema «Verkehr und Verkehrssicherheit» schreibt Fritz Rigendinger den darauf folgenden Beitrag. Er erwähnt dabei eine Transportkosten- liste, welche Mailänder Kaufleute für die Strecke Konstanz-Biasca um 1400 erstellt hatten. Hier wurden auch die einzelnen Stationen des Trans- portweges aufgezeichnet. Im Rheintal zwischen dem Bodensee und Chur waren es: Rheineck, Blat- ten (bei Oberriet), Feldkirch, Schaan, Balzers, Maienfeld und Zizers. Der Gütertransport erfolgte meist durch einheimische Fuhrleute im Rodver- kehr, d. h. in einer genau festgelegten Reihenfolge waren die Fuhrleute eines Dorfes bzw. eines Rod- bezirkes berechtigt, auf einem bestimmten Strek- kenabschnitt Warentransporte durchzuführen. Die- se Fuhrleute holten die für den Transport bestimm- ten Waren in der Sust (im Lagerhaus, auch «Zuschg» genannt), z. B. in Rheineck, ab und beför- derten diese Güter bis zur nächsten Sust (in diesem 
Fall südwärts bis Blatten). Von Blatten aus wurden die Güter durch Fuhrleute eines anderen Rod- bezirks weiterspediert. Für diese Rodfuhrleute - durchwegs Bauern - war diese bezahlte Tätigkeit ein willkommener Nebenverdienst. Kaufleute, de- nen diese Art des Warentransportes zu langsam ging, gaben ihre Güter (meist auswärtigen) Stracks- fuhrleuten mit, die das Recht hatten, grössere Strecken durchzufahren, ohne an jeder Sust aufge- halten zu werden. Dieser Stracksverkehr wurde eine starke Konkurrenz für den traditionellen Rod- verkehr. Doch auch stracks durchgeführte Güter waren - noch im frühen 19. Jahrhundert - vom Bo- densee bis Chur drei Tage unterwegs.3 Der 740 Meter hohe Schollberg «wurde nicht nur mit dem Verkehrshindernis des Felshügels zwischen Vild und Azmoos verbunden, sondern hat dem gesamten linksrheinischen Verkehr und dessen Organisation den Namen gegeben.»4 Otto Ackermann berichtet über den mühseligen (Aus-) Bau der Schollbergstrasse in den Jahren 1490 und 1) Werdenberger Jahrbuch 1997, S. 12. - Auf S. 13 ebenda konsta- tiert Ackermann jedoch ein (langsam) wachsendes Bewusstsein über die Verheerungen, welche die unbegrenzte Mobilität unserer Kultur zugefügt hat: «Allerdings dämmert in Geschichten wie der von den dänischen Kartoffeln, die in Italien gewaschen werden, um in Belgien zu Pommes frites für England verarbeitet zu werden, die Einsicht, dass ein gewaltiger Verkehrsstrom sinnlos wie eine Lawine zerstöre- risch durch das eng besiedelte Europa und durch die Flaschenhälse der Alpenpässe zirkuliert. Frische Erdbeeren unter dem Christbaum, das Sonnenbad in der Karibik an Neujahr und viele weitere «Errun- genschaften» des globalen Verkehrs pervertieren, d.h. verkehren Sinn und Richtung von Orientierung und Empfindung.» 2) Ebenda, S. 30. 3) Ebenda, S. 32. Zum Thema «Das Rod- und Fuhrwesen im Fürsten- tum Liechtenstein» schrieb Klaus Biedermann 1994 an der Univer- sität Bern eine Lizentiatsarbeit Eine Zusammenfassung dieser Arbeit in: Arthur Brunhart (Hrsg.): Historiographie im Fürstentum Liechtenstein. Grundlagen und Forschung im Überblick. Zürich, 1996. S. 157-162. Die gesamte Arbeit erscheint in einem der kommenden Jahrbücher des Historischen Vereins für das Fürsten- tum Liechtenstein (JBL). 4) Werdenberger Jahrbuch 1997, S. 47. 273
        

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